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Überführung von Straftätern Immer mehr Erfolge mit Gesichtserkennung

Straftäter hinterlassen am Tatort nicht nur Fingerabdrücke oder DNA-Spuren, sondern auch Bildspuren, das heißt, sie sind z.B. auf Überwachungskameras zu sehen. Oder ein Augenzeuge fotografiert sie per Smartphone. Dann schlägt die Stunde der Gesichtserkennung. Wir haben den Cybercrime-Experten beim LKA Bernhard Egger interviewt.

Von: Christoph Peerenboom

Stand: 11.02.2020

07.02.2020, Bayern, München: Bernhard Egger, Kriminaldirektor am bayerischen Landeskriminalamt, sitzt an seinem Arbeitsplatz. Neben der Analyse von Fingerabdrücken und DNA setzt das LKA auch eine Software zur Gesichtserkennung bei der Ermittlung bei Straftaten ein. Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Sven Hoppe

Wie gut muss ein Bild sein, damit Sie es auswerten können?

Das hat sich sehr verändert. Wir haben 2008 mit unserem strategischen Innovationszentraum als Pilotprojekt damit angefangen, da mussten die Bilder noch sehr, sehr gut sein und eine Anfrage hat eine halbe Stunde oder Stunde gedauert. Heute können wir mit ganz schlechten Bildern schon arbeiten und die Anfragen werden im Sekundenbereich beantwortet. Es kommt aber kein Ergebnis, sondern ein mathematischer Vorschlag, der dann von Lichtbildexperten entsprechend identifiziert werden muss.

Wer landet denn in dieser Datei?

In dieser Datei landen im Grunde nur verurteilte Straftäter und die Speicherfrist ist auch begrenzt, je nach Delikt und je nachdem, wie alt der Täter war. Jugendliche werden weniger lang gespeichert als Erwachsene.

Viele Fotos sind ja mehr oder weniger frei verfügbar im Internet. Durchsuchen Sie diese Bilder auch?

Also zum einen würde das nicht funktionieren mit unseren Mitteln und zum anderen ist das natürlich eine rechtliche Frage, ob man das machen wollen würde, und das machen wir nicht.

Welche Gesichtsmerkmale vergleicht die Software?

Die Software arbeitet nicht visuell, sondern vermisst das Gesicht, also die harten Punkte des Gesichtes. Durch einen Algorithmus wird ein Muster gebildet, das die Datenbank durchsucht und als Ergebnis die Wahrscheinlichkeit in Prozent ausgibt. Wir lassen uns im Normalfall immer 200 Vorschläge anzeigen und arbeiten dann mit den Lichtbildexperten weiter. Das hat auch Vorteile für uns, dass es eben nicht visuell funktioniert, weil Täter sich ja oft absichtlich verändern oder auch durch Alter verändern, und das spielt dann bei der Software fast keine Rolle.

Wie fahndet man denn nach solchen Bild-Spuren?

Das Schwächste an der Gesichtserkennung ist, dass sie noch nicht so richtig im Bewusstsein aller Kollegen angelangt ist. Zum einen ist noch unklar, was man mit solchen Fotos machen kann, aber auch, wo man solche Fotos findet. Bei jedem Tatort wird bislang vor allem überlegt, wo ein Fingerabdruck sein kann? In Zukunft wird man sich eher fragen, wo Bilder sein könnten, wer welche haben könnte und wo man entsprechende Bilder gewinnen könnte?


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