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Vatikan-Gipfel zur Missbrauchskrise "Ich schätze den Reformwillen sehr hoch ein"

Heute startet im Vatikan die Kinderschutz-Konferenz. Das Treffen, zu dem die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen aller Länder geladen sind, soll die katholische Kirche nach diversen Missbrauchsskandalen in mehreren Ländern aus der tiefen Krise führen. Im Gespräch dazu: BR-Kirchenexperte Tilmann Kleinjung.

Stand: 21.02.2019

Wie hoch schätzen Sie den Aufklärungswillen in der katholischen Kirche ein?

Ich schätze den Aufklärungswillen sehr, sehr hoch ein, und, was ja noch viel wichtiger ist: den Reformwillen. Alle haben erkannt, wie ernst dieses Problem ist, alle sind sich einig, dass hier über die Zukunft der katholischen Kirche gesprochen und entschieden wird.

Welche Rolle spielen denn die Opfer bei dieser Konferenz?

Sie spielen keine aktive, große Rolle. Es wird ein Video eingespielt, in dem einige Überlebende ihre Geschichte erzählen, aber es findet kein richtiger Austausch statt. Andererseits geht es dem Papst und den Organisatoren der Konferenz auch um eine Bewusstseinsbildung insbesondere bei den Bischöfen, die der Meinung sind, dass ihr Land mit dem Thema überhaupt nichts zu tun hat.  Es gibt Teile der Welt, die der festen Überzeugung sind, das ist ein Problem des verdorbenen und verkommenen Westens, das ist nicht unser Problem.

Wie groß ist denn der Handlungsspielraum des Papstes?

Der Papst kann ja im Grunde durchsetzen, was er will. Er hat sich allerdings angreifbar gemacht, weil er einen gewissen Schlingerkurs gefahren ist. Er hat beispielsweise einen Gerichtshof angekündigt, der Vertuschung von Missbrauchsfällen untersuchen sollte. Daraus ist nie etwas geworden. Er hat sich bei einer Reise in Chile schützend vor einen Missbrauchstäter gestellt. Später hat er sich dann ausdrücklich dafür entschuldigt. Er macht also gerade eine gewisse Lernkurve durch. Ich glaube, dass er die Konferenz einberufen hat, ist schon auch ein Zeichen  dafür dass er sieht: Hier ist ein ganz zentrales Problem der katholischen Kirche, dass es anzugehen gilt.


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