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Psychotherapeut über "Konversionstherapien" für Homosexuelle "Wo keine Krankheit ist, bedarf es keiner Therapie"

Homosexualität "heilen"? Das versprechen die sogenannten, sehr umstrittenen "Konversionstherapien". Bundesgesundheitsminister Jens Spahn möchte sie jetzt verbieten - nach monatelangem Druck und politischem Eiertanz. Der Psychiater und Psychotherapeut Prof. Götz Mundle erklärt, warum diese Konversionsverfahren für Betroffene schädlich sein können.

Von: Isabelle Hartmann

Stand: 21.02.2019

Wie oft werden sogenannte "Konversionstherapien" in Deutschland durchgeführt?

Selten, so der Psychiater und Psychotherapeut Götz Mundle. In der Medizin habe sich durchgesetzt, dass Homosexualität keine Krankheit ist, sondern eine gesunde Form der vielfältigen sexuellen Orientierungen, die es zu unterstützen gilt. 1990 wurde diese Diagnose aus dem Klassifikationssystem gestrichen. Diejenigen, die dieses "Verfahren" durchführen, seien oft religiös motivierte Menschen, meistens Ärzte oder Pfarrer.

"Da wo keine Krankheit ist, bedarf es auch keiner Therapie!"

Götz Mundle

Wie sehen diese Behandlungen aus?

Laut Mundle bestehen sie aus Gebet, Homöopathie und Psychotherapie, mit der Grundannahme, dass Homosexualität eine Störung aufgrund eines frühkindlichen Traumas sei, bzw. einer schlechten Beziehung zu Vater und/oder Mutter.

Was bewirken diese Behandlungen?

Langzeitstudien zeigen: Maximal fünf bis zehn Prozent der Teilnehmer würden davon profitieren, erklärt Prof. Mundle. Dafür würden ein Viertel bis ein Drittel der Teilnehmer dadurch Schaden nehmen. Sie entwickeln Depressionen, Angststörungen bis hin zu suizidalen Krisen. Vereinzelt haben sich auf Grund dieses Verfahren Menschen das Leben genommen.

Was ist besser als "Konversionstherapien"?

Für den Psychiater Mundle können Homosexuellen durchaus mit Therapien geholfen werden, allerdings mit genau dem Gegenteil von Konversionsversuchen, nämlich mit "affirmativen Therapien". Diese beruhen darauf, dass die Betroffenen lernen - oder darin bestärkt werden - zu ihren sexuellen Empfindungen zu stehen.


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