Bayern 2

Twitter-Kampagne für mehr Homeoffice Was der Hashtag #MachtBuerosZu über die Arbeitswelt verrät

Von wegen Homeoffice: Trotz der hohen Infektionszahlen müssen viele weiterhin ins Büro. Mit dem Hashtag #MachtBuerosZu sammelt die Grünen-Politikerin Laura Sophie Dornheim Erfahrungen von Angestellten und Ausreden von Vorgesetzten.

Von: Birgit Harprath

Stand: 13.01.2021

Homeoffice in Coronazeiten | Bild: dpa-Bildfunk/Sebastian Gollnow

Birgit Harprath: Nach wie vor gibt es Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter*innen lieber im Büro arbeiten lassen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagt, die Bereitschaft, Homeoffice zu ermöglichen, sei schon einmal größer gewesen. Sind das auch Ihre Erfahrungen?

Laura Sophie Dornheim: Ja, die Bereitschaft war definitiv schon einmal größer. Es gibt mit Sicherheit viele vorbildliche Unternehmen. Aber es gibt einfach immer noch viel zu viele schwarze Schafe, die aus Sturheit und Fahrlässigkeit auf Präsenzpflicht bestehen, obwohl es inhaltlich nicht begründet ist.

Unter dem Hashtag #MachtBuerosZu findet man viele User, die gerne ins Homeoffice umziehen würden, aber keine Erlaubnis dafür bekommen. Welche Gründe der Arbeitgeber werden genannt?

Ich habe mehr als 200 Nachrichten von Menschen erhalten, die mir ihr Leid klagen.

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graefin_aenne Würde mir gerne einen Kaffee holen, aber in der Büroküche stehen aktuell 6 Leute, weil wir einheitliche Pausenzeiten haben. #machtbüroszu

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MsSophie Bei uns diverse Großraumbüros, voll besetzt, Toiletten ohne Lüftung oder Fenster, Pausenraum, der immer gut besetzt ist und die Kolleg*innen den Geschirrspüler ausräumen, ohne sich vorher die Hände zu waschen. Allet jut, ne? #machtdiebueroszu

Der Hauptgrund sind Vorgesetzte, die auf Präsenz bestehen. Da kommen so Sachen wie: "Mein Chef sagt, Homeoffice sei wie Urlaub. Da kann man niemanden kontrollieren. Da weiß man gar nicht, was die Leute machen. Da wird nicht konzentriert gearbeitet“. Das ist der Haupttenor. Dann kommen Argumente wie: "Wenn wir zu Hause arbeiten, bräuchten wir eine VPN-Verbindung für eine sichere Internetverbindung. Das kostet zehn Euro im Monat. Das will man uns nicht zahlen.“ Oder so Sachen wie: "Wir sind gerade in neue Räume gezogen, die sollen jetzt nicht leer stehen.“

Aber auch Skurrilitäten von einem Süßwarenhersteller, der sagt: "Süßigkeiten sind auch Nahrungsmittel. Und deswegen müssen alle unsere Büroleute ins Büro, weil sie systemrelevant sind.“ Und dann gab es auch ganz viele Rückmeldungen von Leuten, die wirklich Angst um ihre Gesundheit haben, weil sie einer Risikogruppe angehören oder pflegebedürftige Angehörige zu Hause haben. Die werden von ihren Vorgesetzten dann teilweise als Hypochonder bezeichnet.

Was glauben Sie, warum die Arbeitgeber das machen?

Ich kann das nur aus den Nachrichten, die ich kriege, ableiten, dass es noch sehr viele rückständische Chefs und Chefinnen gibt, die leider wirklich diesem Irrglauben aufsitzen, dass Menschen nur arbeiten, wenn jemand mit der Peitsche hinter ihnen steht.

Auf der anderen Seite gibt es auch Beschäftigte, die nicht ins Homeoffice wechseln können, weil es die Wohnung beispielsweise nicht zulässt. Oder die es auch nicht wollen, weil sie den Kontakt mit ihren Kolleginnen und Kollegen für ihre Arbeit brauchen. Ist das nicht auch verständlich?

Das ist absolut verständlich. Und das ist auch einer der Punkte, über die ich mich ärgere: Im Privaten sind mittlerweile sämtliche soziale Kontakte verboten und werden scharf sanktioniert. Aber im Büro kann ich mich, wenn ich will, noch mit zehn Leuten treffen. Ich kann einerseits das Bedürfnis nach Kontakten verstehen, würde mir aber wünschen, dass es nicht so ungleich geregelt ist.

Und auf der anderen Seite sehe ich natürlich auch, dass es Ausnahmen gibt. Beispielsweise für Menschen, die zu Hause immer noch keine ordentliche Internetverbindung haben oder die mit zwei kleinen Kindern zu Hause sitzen. Aber ich bin der Meinung: Wenn wir klare Vorgaben hätten, dass alle, die irgendwie können, ins Homeoffice gehen, dann könnte man für die Gruppe von Leuten sichere Ausnahmen schaffen, die ins Büro müssen. Dann sitzen dort nicht mehr hundert Menschen im Großraumbüro, sondern vielleicht wirklich nur noch die fünf, bei denen es gar nicht anders geht.

Sie haben wieder von "können“ gesprochen. Was ist mit denen, die nicht ins Homeoffice umziehen wollen?

Für die habe ich bei den aktuellen Infektionszahlen und mehr als tausend Toten jeden Tag leider kein Verständnis. Ich sitze auch seit März letzten Jahres im Homeoffice. Mir fällt auch oft die Decke auf den Kopf. Aber das ist für mich kein Grund, ein Infektionsrisiko in Kauf zu nehmen.

Aber die Arbeitgeber haben eine Schutzpflicht. Sie müssen im Betrieb Hygienekonzepte umsetzen. Reicht das nicht?

Das reicht leider nicht, wenn nicht zu befürchten ist, dass es Kontrollen gibt, die Missstände zeigen. Solange Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer selber nachweisen müssen, dass ihr Unternehmen nicht für den entsprechenden Infektionsschutz sorgt, ist das leider ein zahnloser Tiger. Diese Fürsorgepflicht gibt es auf dem Papier, aber es gibt für Arbeitnehmer keine Möglichkeit, diese wirklich einzufordern oder eine Kontrolle der Arbeitsschutzbehörden einzufordern.

Der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat ein Recht auf Homeoffice durchsetzen wollen. Das ist an der Union gescheitert. Wäre ein zweiter Versuch angesichts der jetzigen Infektionszahlen ihrer Meinung nach erfolgreicher?

Ich denke schon, dass das jetzt erfolgreicher wäre, weil ich auch sehe, welche Fahrt das Thema aufgenommen hat und wie viel Aufmerksamkeit darauf liegt. Es gibt nachweislich immer noch viele Ansteckungen in Büros – da muss etwas getan werden. Und ich denke auch, dass die SPD da gerade mehr Rückenwind hat und hoffe, dass die Union nicht so anachronistisch auf Seiten mancher Arbeitgeber beharrt.

Und Sie würden dann jeden Arbeitgeber verpflichten, wo es geht, Homeoffice anzuordnen?

In der aktuellen Lage? Ja.