Bayern 2


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Bayern 2-HörbuchFavorit Jens Harzer liest "Mephisto" von Klaus Mann

Klaus Mann schrieb Mitte der 1930er Jahre im Exil "Mephisto". Der Roman beschreibt den Lebensweg des Schauspielers Hendrik Höfgen. In der Person des Höfgen ist unschwer Gustav Gründgens zu erkennen, Manns Ex-Schwager. Der Roman erschien 1936 im Exilverlag Querida, nach Ende des 2. Weltkriegs hintertrieben Gründgens und seine Erben das Erscheinen des Romans in der Bundesrepublik und erwirkten 1968 ein Verbot beim Bundesgerichtshof. Erst 1981 veröffentlichte der Rowohlt Verlag den Roman trotz des Verbots. Jetzt ist zu einer Neuausgabe des Buchs erstmals eine ungekürzte Lesung erschienen.

Von: Bernhard Jugel

Stand: 14.05.2019

CD-Cover "Mephisto" von Klaus Mann, gelesen von Jens Harzer | Bild: tacheles/RoofMusic; Montage: BR

"In vollkommener Stille, in devoter Regungslosigkeit lauschte man der langen, pathetischen und platten Glückwunschrede, die der Intendant, Senator und Staatsrat für seinen Ministerpräsidenten hielt. Alle Augen waren auf Hendrik Höfgen gerichtet. Alle bewunderten ihn. Er gehörte zur Macht. Er war ihres Schimmers teilhaftig - solange der Schimmer hielt."

Zitat aus Hörbuch  

Ob diese Glückwunschrede tatsächlich so stattgefunden hat, weiß man nicht. Klaus Mann musste sich im Pariser Exil mit Zeitungsausschnitten behelfen, um die pompöse Feier zum 43. Geburtstag einer Nazigröße zu beschreiben. Obwohl er versichert, er hätte Typen darstellen und keine Porträts entwerfen wollen, sind die im Roman vorkommenden Personen der Zeitgeschichte leicht zu entschlüsseln.

Mit dem "Ministerpräsidenten" ist der damalige Ministerpräsident Preußens gemeint, Hermann Göring; mit Hendrik Höfgen die Hauptperson des Romans, Gustav Gründgens. Barbara Bruckner, dessen zeitweilige Ehefrau, ist Klaus Manns Schwester Erika und ihr Freund Sebastian ist Klaus Mann selbst, der im Roman immer wieder versucht, dem Mysterium des karriereversessenen Theatermanns auf den Grund zu gehen.

"'Ich glaube ihn zu kennen', sagte Sebastian. 'Er lügt immer, und er lügt nie. Seine Falschheit ist seine Echtheit - es klingt kompliziert, aber es ist völlig einfach. Er glaubt alles, und er glaubt nichts. Er ist ein Schauspieler.'"

Zitat aus dem Hörbuch

Den Werdegang dieses Schauspielers von idealistischen Anfängen bis zur Komplizenschaft mit der Macht zeichnet Klaus Mann minutiös nach. Zu Beginn seiner Karriere spielt Höfgen an einem Hamburger Künstlertheater, hegt Symphatien für die Kommunisten und will ein "Revolutionäres Theater" ins Leben rufen, wozu es jedoch nie kommt. Stattdessen reüssiert er in Wien und Berlin, wird zum gefeierten Star. Nach der Machtübernahme der Nazis befürchtet er, zur persona non grata zu werden, gewinnt jedoch dank guter Beziehungen und geschickter Schmeicheleien die Gunst eines hochrangigen Politikers und kann wieder in großen Rollen brillieren, vor allem in der des "Mephisto" in Goethes "Faust".

"'So ist denn alles, was ihr Sünde, / Zerstörung, kurz, das Böse nennt, / mein eigentliches Element.' An dieser Stelle nickte der Ministerpräsident bedeutungsvoll - und von nun an verfolgte er mit amüsierter Aufmerksamkeit die Handlung – genauer gesagt: das tänzerisch gewandte, durchtrieben anmutige, ruchlos charmante Spiel Hendrik Höfgens."

Zitat aus dem Hörbuch

Jens Harzer meidet in seiner Lesung jedes Rollenspiel und jede große Geste und gibt so den Blick frei auf die Sprache Klaus Manns, ihr manchmal unzeitgemäß wirkendes Pathos, ihre detailverliebten Beschreibungen. "Mephisto" von Klaus Mann ist als ungekürzte Lesung auf 2 mp3-CDs bei tacheles! erschienen und ist auch heute noch aktuell als eine schonungslose Analyse der Faszination von Macht und Erfolg.

"Ist es nicht phantastisch? Ich kenne ihn doch von früher - ja, wir sind in Hamburg zusammen engagiert gewesen. Das waren ulkige Zeiten! Und was hat der Mensch seitdem für eine Karriere gemacht!"

Zitat aus dem Hörbuch


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