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Hochwasserschutz Wie können sich Städte gegen Starkregen wappnen?

Wolkenbruchartige Regenfälle richten in Städten enorme Schäden an. Begünstigt durch den Klimawandel nimmt der Starkregen immer mehr zu. Wie können sich Städte dagegen wappnen?

Stand: 06.07.2018

Durch Hochwasser überfluteter Rathausplatz und Rathaus in der historischen Altstadt Passaus beim Jahrhunderthochwasser im Juni 2013.  | Bild: picture-alliance/dpa

Sintflutartige Regenfälle nehmen durch den Klimawandel immer mehr zu und gleichzeitig leben immer mehr Menschen in den Städten. Beides trägt dazu bei, dass sich mehr Abwasser in der Kanalisation ansammelt. Das begünstigt Überflutungen. An der Technische Universität München wird eine Minikläranlage getestet, wie Regenwasser in mehreren Schritten gleich vor Ort reinigt und ins Grundwasser abfließen lässt.

"Die Anlage könnte dazu beitragen, dass man die Straßenabflüsse nicht mehr in die Kanalisation ableitet, sondern direkt vor Ort behandelt und ins Grundwasser versickert."

Brigitte Helmreich, Professorin für Siedlungswasserwirtschaft, TU München

Regenwasser versickern lassen

Weniger Regenwasser in die Kanalisation zu lassen, ist eine wirksame Maßnahme für einen Hochwasserschutz in den Städten. Eine weitere Möglichkeit ist die Versickerung an Ort und Stelle. Je nach Bodenbeschaffenheit kann das Wasser besser abfließen. Ein Kiesboden ist durchlässiger als ein Lehmboden. Deshalb ist bei Neubaugebieten ratsam, den Zustand des Bodens zu beachten und, wenn es notwendig ist, Regenwasser zu sammeln, abzuleiten und dann gezielt versickern zu lassen.

Wasser verdunsten durch mehr Grün

Mehr grün in der Stadt. Pflanzen auf den Dächern helfen Wasser zu verdunsten und schaffen ein gutes Stadtklima.

In der Stadt der Zukunft sollte Wasser natürlich versickern und verdunsten können. Begrünte Dächer und Parkanlagen sorgen für ein gutes Klima, weil sie Kohlendioxid aufnehmen und Feinstaub binden. Sie helfen aber auch, dass Regenwasser gleich verdunsten kann. Mehr Grün in der Stadt kann deshalb den Hochwasserschutz unterstützen.

Wassermassen auffangen

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, müssen Räume als sogenannte Wasserrückhaltebecken geschaffen werden. Hier bieten sich Tiefgaragen an, oder oberirdisch in Mulden angelegte Sportanlagen. Einzige notwendige Bedingung ist jedoch, dass diese Räume rechtzeitig geräumt werden können und das Wasser nur langsam hineinfließt.  

Häuser auf Stelzen für den Hochwasserschutz

Häuser auf Stelzen schützen die Stadt vor Hochwasser.

Ein weiterer Schutz gegen die Flut gelingt, wenn Häuser wasserdicht gebaut werden oder in besonders gefährdeten Gebieten das Erdgeschoß nur eingeschränkt genutzt wird. Anstatt die Wassermassen aufzuhalten, versuchen Städteplaner und Architekten nun Häuser widerstandsfähiger zu machen. Wie zum Beispiel ein Haus auf Stelzen, das auf den ersten Blick so nicht zu erkennen ist.

"Wenn man rumgeht, sieht man dass das Gebäude komplett aufgebockt und dass das gesamte Erdgeschoß genutzt wird als halb offener Raum, um Dinge unterzubringen, in diesem Fall eben die Autos. Es ist ein Haus auf Stelzen."

Mark Kammerbauer, Technische Hochschule Nürnberg

Hochwasserschutz gelingt nur dann, wenn alle Beteiligten von Städteplanern, Architekten, Behörden bis zu den einzelnen Bewohner zusammenwirken. Nur alle Maßnahmen gemeinsam bieten einen ausreichenden Schutz gegen plötzliche Regenmassen. So können Schäden, die durch Hochwasser entstehen verringert oder verhindert werden.

  • Starkregen und Überflutungen - Wie wappnen sich Städte und Kommunen? 06.07.2018 um 18.05 Uhr in IQ - Wissenschaft und Forschung, Bayern 2
  • Starkregen - Kanalisation vor dem Kollaps. 21.07.2018 um 19:00 Uhr in Gut zu wissen!, BR Fernsehen

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