Bayern 2


2

Allergene meiden Die Pollen draußen lassen

Pollenallergiker kennen die Empfehlung der Ärzte, den Allergenen als erstes aus dem Weg zu gehen, doch in der Praxis ist das oft sehr schwierig. Deswegen gibt es eine ganze Reihe von praktischen Tipps, wie man sich den Alltag leichter machen kann, denn entgegen landläufiger Meinung ist Heuschnupfen keine banale Krankheit.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 03.05.2016

Frau mit Atemmaske hält Blumenstrauß in der Hand | Bild: Imago Stock

Um zu wissen, wann die riskante Zeit beginnt und die Pollen fliegen, verlassen sich manche Patienten einfach auf ihre Nase, denn wenn die läuft, geht es los. Andere werfen zusätzlich noch einen Blick auf den Pollenflugkalender des Deutschen Wetterdienstes, um gewappnet zu sein. Generell raten Ärzte Heuschnupfenpatienten, sich den Pollen so wenig wie möglich auszusetzen, vielleicht sogar während der Pollen-Saison in den Urlaub ans Meer oder ins Hochgebirge zu fahren, dort gibt es weniger bis keine Pollen.

Allergengehalt

Egal ob Hasel- oder Erlenpollen, das Prinzip ist immer gleich: Erst ungefähr eine Woche bevor ein Pollen fliegt, beginnt er, Allergene zu produzieren. Nach und nach saugt sich dann der Pollen wie ein kleines Schwämmchen mit den Allergenen voll. Dann hängt alles von den Temperaturen ab.

"Ist das Wetter schön, öffnet sich das Pollenkätzchen rasch und setzt dann wenig potente Pollen frei. Ist es aber feucht, dann entwickelt der Pollen mehr Allergene - sie sind gemeiner und potenter."

Prof. Jeroen Buters, Zentrum Allergie & Umwelt (ZAUM) Technische Universität München

Regen, Schnee, Gewitter

Regnet es, dann werden Allergene zwar aus den Pollen ausgewaschen, aber sie sind dann harmlos. Schneeflocken sind so groß, dass sie Pollen einfach zu Boden schlagen, es besteht also auch keine Gefahr mehr. Manchmal jedoch gibt es im Sommer so heftigen Gewitterregen, dass Pollen zwar beschädigt werden, ihre Allergene aber freisetzen. Wissenschaftler sprechen in diesem Fall von einem „thunderstorm asthma“, bei dem die Patienten kurz nach einem Gewitter eine plötzliche Attacke bekommen. Pollenallergie in jeder Form sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen.

"Bedenken Sie immer: Wenn Sie relevante Symptome haben, sind Sie im Grunde genommen so unterwegs wie mit 0,5 Promille Alkohol im Blut."

Dr. Adam Chaker, HNO-Facharzt, Klinikum rechts der Isar in München

Besondere Körperhygiene

Generell gilt, am Abend zu duschen und die Haare zu waschen, so dass Allergene, die man tagsüber mit den Haaren aufgenommen hat, nicht ins Bett gelangen, auf dem Kopfkissen verteilt und anschließend wieder aufgenommen werden können.

Wäsche besonders behandeln

Darüber hinaus raten Ärzte, weder die Wäsche im Freien zu trocknen, noch das Bettzeug zum Lüften nach draußen zu hängen. Außerdem sollten Heuschnupfenpatienten ihre im Freien getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer ablegen, denn dort könnten sich Pollen verteilen. Manche Patienten haben auch gute Erfahrungen mit spezieller Allergiker-Bettwäsche gemacht.

Zur richtigen Zeit lüften

"Bei Pollenallergien ist es wichtig, in der Saison sehr früh morgens zu lüften, wenn die Pollenbelastung im Tagesverlauf am niedrigsten ist. Anschließend sollte man die Fenster eher geschlossen lassen, doch all das muss man pragmatisch den aktuellen Umständen anpassen."

Dr. Oliver Fuchs, Oberarzt, Facharzt Pädiatrie und Allergologie, in Weiterbildung pädiatrische Allergologie und Immunologie, am Inselspital, Universitätsspital Bern (Schweiz)

Pollengitter und -filter benutzen

Ein Mechaniker tauscht einen Pollenfilter im Auto aus.

Wer auf geöffnete Fenster zum Beispiel nachts nicht verzichten will, kann außen Pollengitter anbringen. Sie bestehen aus engmaschiger Textilfaser und können regelmäßig in der Waschmaschine gereinigt werden. Eine ähnliche Funktion erfüllen Pollenfilter, die man in die Lüftung des Autos einbauen lassen kann.

Innenräume schützen

Außerdem gibt es spezielle Luftreiniger für den Wohninnenraum. Sie können behilflich sein, Allergene zu minimieren. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) empfiehlt Geräte mit einem so genannten HEPA-Filter (High Efficiency Particulate Air-Filter) zu verwenden und das Gerät regelmäßig zu warten.

"Es gibt auch Filter, die man in Staubsauger einsetzen kann. Die filtern kleine Partikel heraus, die in anderen Staubauffangbeuteln nicht zurückgehalten werden."

Oliver Fuchs, Oberarzt, Facharzt Pädiatrie und Allergologie, in Weiterbildung pädiatrische Allergologie und Immunologie, am Inselspital, Universitätsspital Bern (Schweiz)

Schutz im Freien

Viele Patienten schützen ihre tränenden Augen vor Wind und hellem Licht mit Hilfe einer Sonnenbrille. Das kann auch beim Sport im Freien sinnvoll sein. Doch besonders wenn es warm und windig ist, sollten Heuschnupfenpatienten im Freien keine körperlichen Anstrengungen auf sich nehmen.

Nase duschen

Nach wie vor bewährt hat sich ein uraltes Hausmittel: die Nasendusche aus der Apotheke. Diese milde Salzlösung spült man regelmäßig durch die Nase und löst so die Allergene.


2