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Zu langsam, zu schnell oder unregelmäßig Herzrhythmusstörungen im Überblick

Herzrhythmusstörungen sind der Überbegriff für eine ganze Reihe von Taktverschiebungen des Herzschlags. Da diese Ausdruck einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems sein können, muss immer zunächst eine Abklärung vom Arzt erfolgen.

Von: Doris Schleich

Stand: 11.02.2019

Das EKG ist ein wesentlicher Bestandteil für eine Diagnose von Herzrhythmusstörungen - im Bild: Rettungssanitäter beim Sichten eines EKG-Ausdrucks | Bild: picture-alliance/dpa

"Jede Herzerkrankung per se, sei es nun ein Herzinfarkt, eine Herzmuskelentzündung oder -erkrankung, kann Rhythmusstörungen verursachen." Prof. Ellen Hoffmann

Die verschiedenen Arten der Herzrhythmusstörungen

Ärzte unterscheiden Herzrhythmusstörungen nicht nur nach ihrer Frequenz, sondern auch nach dem Ort ihres Auftretens: Sowohl der Sinusknoten als eigentlicher Taktgeber des Herzschlags als auch die Vorhöfe oder die Herzkammern können betroffen sein.

Regel: Welche Störung gefährlich ist

Was passiert bei einem Herzschlag? Klicken Sie aufs Bild, um die Grafik mit den Erläuterungen zu vergrößern.

Tendenziell gilt: Störungen in den Herzkammern sind ernster zu beurteilen als die, die sich auf die Vorhöfe beschränken. Es ist auch bekannt, dass Herzrhythmusstörungen ihre Ursache nicht immer innerhalb des Herzens haben.

"Es gibt Störungen, die knapp außerhalb des Herzens in den Lungenvenen entstehen und von dort auf das Herz übergeleitet werden. Sie können dann Vorhofflimmern bei ansonsten herzgesunden Patienten auslösen." Prof. Ellen Hoffmann

Kurzes Glossar:
Bradykardie: Die Herzfrequenz liegt unter 60 Schlägen pro Minute.
Extrasystolen: Zusätzliche Herzschläge außerhalb des eigentlichen Taktes.
Hypersensitiver Karotissinus: Der Messfühler für den Blutdruck in der Halsschlagader meldet irrtümlich falsche Werte, was zu einer Veränderung des Herzschlags führt.
Tachykardie: Die Herzfrequenz liegt über 100 Schlägen pro Minute.
Sick-Sinus-Syndrom: Der Sinusknoten ist als Folge einer anderen Herzerkrankung nur eingeschränkt funktionsfähig.
Supraventrikulär: Bezeichnet die Vorhöfe als Entstehungsort der Störung.
Ventrikulär: Bezeichnet die Herzkammern als Entstehungsort der Störung.

Gefahr: Vorhofflimmern

Senioren haben ein erhöhtes Risiko für eine an sich eher harmlose Form von Herzrhythmusstörungen, die aber langfristig fatale Folgen haben kann: Das sogenannte Vorhofflimmern. Fünf bis zehn Prozent aller über 75-Jährigen sind davon betroffen. Beim Vorhofflimmern kontrahieren die Vorhöfe nicht mehr regelhaft, so dass das Blut nicht mehr richtig fließen kann. Es können sich Blutgerinnsel bilden, die wiederum – wenn sie ins Gehirn geschwemmt werden – einen Schlaganfall auslösen können.

Therapie des Vorhofflimmerns

Deshalb ist eine Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten unumgänglich. Meist bemerken  Menschen mit Vorhofflimmern die Rhythmusstörung nicht oder haben nur uncharakteristische Beschwerden wie eine schlechtere körperliche Belastbarkeit. Daher warnt Prof. Gohlke davor, zu leichtfertig mit Vorhofflimmern umzugehen:

"Bei vielen wird diese Herzrhythmusstörung erst dann entdeckt, wenn sie den ersten Schlaganfall gehabt haben."

Prof. Ellen Hoffmann

Ignorieren oder reagieren? Wann der Weg zum Arzt führen sollte

Das gesunde Herz ist ein enorm flexibles und belastungsfähiges Organ. Es kann daher auch Einiges an Beschleunigung, Verlangsamung und Zusatzschlägen verdauen, ohne dass der Betroffene in Panik verfallen muss.

Tipp von Prof. Hoffmann:

"Wenn jemand nachgewiesenermaßen herzgesund ist, eine gute Leistungsfähigkeit hat und sich ansonsten vom Herzen her alles zutrauen kann, dann sind auch die Herzrhythmusstörungen, die meistens abends auftreten, nicht beängstigend. Anders sieht die Sache aus, wenn die Herzrhythmusstörungen mit anderen Symptomen einhergehen. Dazu gehören Schwindel, allgemeine Leistungsschwäche, innere Unruhe, Schmerzen hinter dem Brustbein, Luftnot, Schweißausbrüche und im Extremfall Bewusstlosigkeit. Dann wird es höchste Zeit, einen Arzt zuzuziehen."

Prof. Ellen Hoffmann


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