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Heiraten ist teuer Der lukrative Wirtschaftszweig mit dem schönsten Tag des Lebens

Wer heute heiratet, muss vorher sparen: Eine ordentliche Hochzeit mit Fotograf, Torte, ausgefallener Deko und besonderem Veranstaltungsort kostet schnell 20.000 Euro. Die Ansprüche sind riesig - und das Angebot wächst ständig.

Stand: 16.04.2018

Heiraten ist teuer | Bild: colourbox.com

Man muss in Deutschland heute nicht mehr heiraten, um eine gemeinsame Wohnung mieten zu können. Viele Paare geben sich das Ja-Wort, um der Welt die Liebe füreinander zu zeigen. Die Ansprüche an diesen vermeintlich schönsten Tag im Leben sind riesig – und das Angebot wächst ständig.

In den USA kostet eine Hochzeit durchschnittlich 30.000 Dollar

Ein Beispiel dafür ist die Messe „Hello Bride“ in Augsburg: alles ist szenig, teuer, schick und fototauglich. Ein restaurierter VW-Bus, in dem sich Partygäste fotografieren lassen können, Miete: 600 Euro. Eine Sängerin für die Einlage: 500 Euro. Catering, Reden-Schreiber, Fotografen, Floristen, Konditoren, Goldschmiede, Friseure, Schneider – viele dieser Berufszweige haben sich auf Hochzeiten spezialisiert und verdienen damit gutes Geld.

Nicht selten mieten Paare für die Hochzeit ein stilvolles Auto

Der Trend kommt aus den USA, und soziale Netzwerke wie Pinterest und Instagram haben einen unglaublichen Einfluss auf die Erwartungen und Vorstellungen von Paaren auf der ganzen Welt. In Amerika geht der Heiratsboom viel weiter: Dort gibt es beispielsweise Social-Media-Manager, die die Hochzeit Facebook-tauglich inszenieren. Im Durchschnitt geben US-Amerikaner mehr als 30.000 Dollar für ihre Hochzeit aus, es gibt sogar extra Kreditanbieter dafür.

"Wenn die Paare nach Barcelona fliegen oder nach Mailand, um das Kleid zu kaufen, dann kommen noch die Blumen, der Fotograf, die Location muss passen. Die Torten müssen megatoll aussehen. Dann summiert sich das. Das ist wirklich ein Mittelklassewagen."

Karin Mausz, Organisatorin der Messe „Hello Bride“

Immer mehr Menschen sagen "Ja"

Die Zahl der Eheschließungen steigt: In Deutschland wurden im Jahr 2016 410.000 rechtlich bindende Ja-Worte gesprochen, das sind 36.000 mehr als noch zehn Jahre zuvor. Auch in Bayern wird mehr geheiratet: mehr als 66.000 Hochzeiten gab es im Jahr 2016. Die Zahlen für die kommenden Jahre dürften auch wegen der gleichgeschlechtlichen Eheschließungen nochmal zunehmen.

Hochzeitspaar auf einer Vintage-Postkarte

Bei den Vorbereitungen für ihre Hochzeit hat eine Besucherin der "Hello Bride"-Messe eine bittere Erkenntnis gewonnen: Die Liebe als Emotion wird ausgenutzt. Oder anders: Mit Hochzeiten werden gute Geschäfte gemacht. Sie versucht zwar, sehr viel mit Freunden und Familie selbst zu machen. Trotzdem muss sie tief in die Tasche greifen: Ein Drei-Gänge-Menü in einer schönen Location kostet zwischen 80 und 100 Euro pro Person. Mit 80 Gästen summieren sich schnell 8.000 Euro. Ein Fotograf nimmt gut 2.000 Euro, so beläuft sich die Rechnung bereits auf 10.000 Euro.

"Unter 10.000 Euro kann keiner mehr heiraten"

"Dann hast du noch kein Kleid, keinen Anzug, keine Ringe, keine Band, keinen DJ, kein Hochzeitsauto, was auch immer. Das kommt alles noch on top und das ist dann schon ganz schön viel... Also 15.000 Euro muss man rechnen. Unter 10.000 Euro, glaube ich, kann keiner mehr heiraten."

Messebesucherin

Hochzeiten sind zwar zu einem wichtigen Wirtschaftszweig geworden – aber es sind doch die intimen Momente des Paares, die den Tag einer Heirat wirklich einzigartig machen. Da sind sich alle einig: die Paare, die Gäste und vielleicht sogar die Dienstleister, von der Wedding-Plannerin bis zum DJ.


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