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Fast wie neu? Handy-Refurbishing

Wer ein gebrauchtes Smartphone kauft, möchte sich darauf verlassen können, dass es gut in Schuss ist. Aber Vorgaben fürs "Handy-Refurbishing" gibt es nicht. Ein Hinweis kann die Gewährleistung bzw. Garantie des Händlers sein. Kostengünstiger und umweltschonender sind runderneuerte Geräte auf jeden Fall.

Von: Susi Weichselbaumer

Stand: 10.04.2019

Zwei Stapel mit gesammelten Smartphones und Handys | Bild: picture-alliance/dpa

Die Online-Suche nach Refurbished-Anbietern liefert eine ganze Reihe an Adressen. Manche trumpfen auf mit: "Wie neu, nur billiger!" Andere argumentieren nachhaltig: "Man muss nicht alles immer gleich wegschmeißen!" Welchem Anbieter kann man vertrauen?

Runderneuerung kann rechtlich durchaus unrund sein

"Unter refurbished versteht man normalerweise gebrauchte Geräte, die unter einer qualitätsgesicherten Überholung wieder auf den Markt gebracht werden", erklärt die Rechtsberaterin Julia Berger von der Verbraucherzentrale Bayern. "Im besten Fall haben Sie ein Produkt, das von einem Neugerät gar nicht zu unterscheiden ist und bei dem alles funktioniert. Und im schlechtesten Fall hat der vielleicht nur einmal mit dem Lappen drüber gewischt und sonst nichts unternommen."

Merke:

Man muss selbst herausfinden, was der jeweilige Anbieter unter "Generalüberholung" versteht.

Tatsächlich ist mit dem Begriff "refurbished" rechtlich keine Qualitätsgarantie verbunden. Mann muss sich also selbst durch die Händlerseiten klicken: Woher kommen die Geräte? Aus Privatgebrauch? Oder sind das ganze Kisten von Firmen­Handys, die nach einem Jahr ausgetauscht werden und regelmäßig bei diesem Refurbisher, also Runderneuerer landen? Und was heißt hier "Runderneuerung" überhaupt? Welche Kriterien legt der Händler an? Oder die Plattform? Oft fungieren Plattformen bloß als Bindeglied zwischen Käufer und Anbieter – sprechen aber von ihrem "Refurbish-Sortiment".

Angebotstechnisch alles möglich

"Es gibt keine Vorgaben", erläutert Kilian Kaminski, Geschäftsführer von refurbed.at. "Im Markt können Leute einfach reparieren mit günstigen, illegalen Teilen, vielleicht aus China, die nach einer kurzen Zeit wieder kaputtgehen und dementsprechend natürlich dann auch keinen langen Nutzen haben."

Die Online-Plattform refurbed.at hat Kilian Kaminiski 2017 gemeinsam mit zwei Freunden in Wien gegründet. Wiederaufbereitete Smartphones, Notebooks, iPads gibt es hier bis zu 40 Prozent günstiger als das Neuprodukt. Und es gibt einen Qualitätscheck: 40 Kriterien, nach denen Händler, die auf dieser Plattform anbieten wollen, ihre Produkte wieder in Stand setzen müssen. "Und wenn irgendeine Komponente nicht funktioniert, dann wird dieses Teil ausgetauscht durch Ersatzteile, die vom Hersteller zertifiziert sind, damit die Qualität gewährleistet werden kann", so Kaminski. Entsprechend gibt es eine ein- bis zweijährige Garantie.

Garantiert gut runderneuert

Für Julia Berger von der Verbraucherzentrale Bayern bedeutet "Garantie" ein wesentliches Plus für den Kunden. Schließlich heißt "rundumüberholt" rechtlich, dass es sich nach wie vor um ein gebrauchtes Produkt handelt. Und für ein solches geben die meisten Anbieter nur für ein Jahr Gewährleistung, erklärt Julia Berger: "Das Problem ist die Beweislast: Im ersten halben Jahr haben sie gute Karten, da muss der Verkäufer nachweisen, dass der Mangel nicht bestand. Und im zweiten Halbjahr haben Sie das Problem, dass Sie als Käufer beweisen müssen, dass der Mangel vorhanden war."

Und die Umwelt … ?

Auf refurbed.at rechnet Kilian Kaminski vor, dass sich durch Wiederaufbereitung von gebrauchten Smartphones, Tablets, Notebooks und Co. siebzig Prozent an Kohlendioxid-Emissionen einsparen lassen. Doch das Unternehmen will vollkommen klimaneutral sein, deshalb gilt: pro verkauftem Produkt – ein Baum. "Mit diesem einen Baum, den wir mit einer Partnerorganisation in Nepal, Haiti und in Madagaskar pflanzen, gleichen wir diese restlichen 30 Prozent aus. Damit wir sagen können: Die Produkte, die bei uns auf refurbed gekauft werden, sind zu 100 Prozent nachhaltig."

Die Umweltreferentin der Verbraucherzentrale Bayern, Heidemarie Krause-Böhm, kennt noch keine umfänglichen und unabhängigen Studien zu Refurbish, aber auch sie stellt klar: "Gebrauchte Smartphones aufmöbeln ist nachhaltiger, als sich jedes Jahr ein neues Handy anzuschaffen: Es gibt Komponenten, die zwar nur im Milligrammbereich enthalten sind, wie Gold oder Coltan und andere seltene Erden, die aber beispielsweise im Kongo unter nicht sehr umweltfreundlichen und menschenfreundlichen Bedingungen produziert werden. Und dann ist es auf jeden Fall von Vorteil, wenn ich sagen kann: Es wird weniger von diesen Stoffen benötigt, weil ich weniger Geräte herstelle und ein schon existierendes nutzen kann."

Lieber verwerten als vergessen

Allein in Deutschland schlummern gut 124 Millionen Handys in Schubladen ungenutzt vor sich hin. Viele sind sicher ein Fall fürs Verschrotten – und landen am besten bei einer der zahlreichen Sammelaktionen, die sich um die noch verwertbaren Teile kümmern. Aus den gut dreißig in Smartphones verbauten Metallen, lassen sich mittlerweile siebzehn Metalle recyceln!

Andere Schubladen-Handys funktionieren aber vielleicht wieder wie neu – wenn man sie zur Runderneuerung gibt. In den allermeisten Fällen sind es nämlich nur drei Komponenten, die ausgetauscht werden müssen: Bildschirm, Home-Button und Akku.


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