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Grippewelle Vorläufige Bilanz: 300.000 Krankheitsfälle

Endlich ist der Frühling da – und hat die Grippewelle endgültig beendet. Die hatte dieses Jahr Deutschland über Monate fest im Griff. Die Bilanz ist schaurig: Mehr als Tausend Tote, mehr als Dreihunderttausend Infizierte und das sind nur die offiziellen Zahlen die Dunkelziffer ist vermutlich noch deutlich höher.

Von: Pagels, Uwe

Stand: 05.04.2018

ARCHIV - ILLUSTRATION - 29.07.2017, Berlin: Eine Frau liegt im Bett und putzt sich die Nase (gestellte Szene). Die Grippewelle in Brandenburg macht auch vor Krankenhäusern, Gerichten und dem öffentlichen Nahverkehr nicht Halt. (zu "Grippewelle trifft öffentlichen Nahverkehr und Krankenhäuser" vom 15.03.2018) Foto: Maurizio Gambarini/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Maurizio Gambarini

Haben wir bezüglich der Grippe jetzt wirklich das Schlimmste überstanden?

Dr. Silke Buda, Robert-Koch-Institut: Ja, ich denke, das kann man jetzt sagen: Wir haben den Höhepunkt der Grippewelle vor ein paar Wochen überschritten und jetzt gehen die Zahlen weiter nach unten.

Liegt es wirklich an den wärmeren Temperaturen oder gibt es noch andere Gründe?

An den Temperaturen liegt es weniger. Die Grippewelle beginnt ja immer in etwa nach dem Jahreswechsel – dieses Jahr hat es schon in der zweiundfünfzigsten Kalenderwoche begonnen. Es ist eigentlich bei allen Grippewellen so, dass irgendwann die Zahlen dann auch wieder zurückgehen und auch die Influenza Aktivität abnimmt.

Wieso war die Grippe dieses Jahr so besonders heftig?

Sicher spielte eine Rolle, das die Influenza B-Viren der Yamagata-Linie, die dieses Jahr vorwiegend zirkuliert sind, in den letzten Jahren wenig zur Grippe-Aktivität beigetragen haben. Dadurch scheint ein größerer Teil der Bevölkerung besonders empfänglich gewesen zu sein.

Es gibt bei den saisonalen Grippeviren verschiedene: Es gibt einmal die Typen A und B. Influenza A wird noch einmal unterschieden in zwei Subtypen: Einmal H1N1, die sogenannte Schweinegrippe die 2009 die Pandemie ausgelöst hat und jetzt als saisonale Grippe zirkuliert; und H3N2, die haben letztes Jahr die Grippewelle ausgelöst. Bei den Influenza B-Viren unterscheidet man keine Subtypen sondern Linien mit unterschiedlichen Namen: Yamagata und Victoria. Dieses Jahr ist die B-Linie Yamagata besonders heftig zirkuliert.

Die Saison forderte über Tausend Tote in Deutschland, das klingt unglaublich viel – oder ist das normal?

Dieses Jahr hatten wir besonders hohe Zahlen die uns nach dem Infektionsschutzgesetz übermittelt wurden: dreihunderttausend labor-bestätigte Influenza-Fälle und eben auch über Tausend Todesfälle mit Influenza-Infektion. Das ist sehr viel, was die Melde-Zahlen angeht. Wir können allerdings erst eine längere Zeit nach der eigentlichen Grippewelle Schätzwerte veröffentlichen. Es ist so, dass eine schwere Grippewelle bis zu Zwanzigtausend Todesfälle in Deutschland verursachen kann. Dieses Jahr ist besonders viel getestet worden insofern sind die Zahlen auch hoch, auf die endgültigen Schätzwerte müssen wir noch eine Weile warten.

Stichwort Grippe-Impfung: Jetzt ist es wahrscheinlich nicht mehr sinnvoll für diese Saison – aber sollte man sich grundsätzlich impfen, oder nicht?

Grundsätzlich sollten sich auf jeden Fall alle Personen, für die die ständige Impfkommission eine Grippeimpfung empfiehlt, impfen lassen. Denn die Grippeimpfung ist nach wie vor die beste Möglichkeit, sich gegen Grippe zu schützen und das eben vor der Grippewelle. Damit werden sehr viele Grippeerkrankungen verhindert. Zusätzlich sollte man aber bedenken: Die Grippeimpfung schützt nicht jeden, so dass man sich während der Grippewelle entsprechende Verhaltensweisen angewöhnen sollte. Also oft Händewaschen wenn man in der Öffentlichkeit unterwegs ist, oder auch Abstandhalten von Personen, die offensichtlich schon mit grippetypischen Symptomen erkrankt sind.


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