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Grenzen der Schlüsselloch-OP Wann minimalinvasive Operationen nicht gehen

Es ist nicht immer möglich, eine Operation minimalinvasiv durchzuführen. Dies kann vor allem dann schwierig werden, wenn jemand bereits mehrere Eingriffe im Bauch- oder Brustraum hinter sich hat und dadurch Verwachsungen entstanden sind, die den freien Zugang zur betroffenen Körperregion blockieren oder die Übersicht des Operateurs einschränken, so dass das Risiko für unerwünschte Verletzungen von Nachbarorganen steigt.

Von: Holger Kiesel

Stand: 19.07.2018

Operationsbesteck auf einem OP-Tisch. | Bild: picture-alliance/dpa

Nur eingeschränkt geeignet sind minimalinvasive Methoden auch für Patienten mit schweren Herz- oder Lungenerkrankungen. Und: Manche möchten auch einfach lieber konventionell operiert werden.

Risiken von Schlüsselloch-OPs

Riskant ist die Anwendung minimalinvasiver Operationsmethoden immer dann, wenn durch vorangegangene Eingriffe Verwachsungen entstanden sind, die den Zugang für den Operateur behindern. Dann kann es zu unbeabsichtigten Organverletzungen kommen. Das größte Risiko bei minimalinvasiv durchgeführten Operationen ist ein unerfahrener Operateur. Die Lernkurve für den Chirurgen ist bei solchen Eingriffen etwas länger. Es gibt allerdings mittlerweile sehr gute Trainingsmöglichkeiten, um sich die Grundlagen dieser Techniken anzueignen, bevor man am Patienten operiert.

"Man darf diese Methode auch nicht überfordern! Jeder Operateur ist gut beraten, auf eine offene Operationstechnik umzusteigen, wenn er nicht die Übersicht gewinnt, die er benötigt, um mit entsprechender anatomischer Orientierung den Eingriff zuverlässig und sicher zu beenden. Ein Umstieg auf ein offenes Operationsverfahren ist jederzeit möglich und muss auch vorher mit dem Patienten im Rahmen der OP-Aufklärung besprochen werden. Im Bedarfsfall kann und muss auch während der OP ein Kollege mit ähnlich viel oder mehr Erfahrung zu Rate gezogen werden, um richtige Entscheidungen im Sinne des Patienten zu treffen. Denn es sollte in keinem Fall um jeden Preis minimalinvasiv operiert werden!"

Prof. Dr. med. Matthias Anthuber

Vorsicht mit Vergleichen!

Sehr viele Operationen können heute sowohl offen als auch minimalinvasiv durchgeführt werden. Qualitätsvergleiche sind aber nur dann sinnvoll, wenn sich die jeweiligen Operateure auf einem ähnlichen Erfahrungslevel befinden, mit vergleichbaren technischen Standards arbeiten und die publizierten Studien über die notwendige Qualität verfügen. Sonst würde man Äpfel mit Birnen vergleichen!


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