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Gravelbiketour durchs Leutstettener Moos Mit breiten Reifen

Der Starnberger See liegt vor den Toren Münchens und ist ein beliebtes Ausflugsziel, auch für Radler. Die Vielfalt an Strecken von der Stadt an den See ist groß. Auf der Olympiastraße können Rennradler richtig Gas geben, Mountainbiker kommen bei der Fahrt durchs idyllische Mühltal auf ihre Kosten und Gravelbiker bei der Tour auf Waldwegen durchs Leutstettener Moos.

Author: Petra Martin

Published at: 6-7-2024

Gravelbiketour durchs Leutstettener Moos | Bild: BR; Petra Martin

Los geht’s am Klinikum Großhadern im Süden von München. Zum Starnberger See sind es 55 Kilometer mit 340 Höhenmetern. Der Vorteil vom Gravelbike: Dank der breiteren Reifen können auch Wald- und Feldwege gut befahren werden und man muss nicht auf der stark befahrenen Verbindungsstraße nach Neuried bleiben, sondern kann sie nach ein paar Hundert Metern Richtung Wald verlassen. Auf dem gut gepflegten Forstweg im Wald geht’s zügig voran. Ein Blick aufs Navi ist aber nötig, weil die Wege im Forstenrieder Park ein Raster bilden und man sich leicht verirren kann. Dafür ist es unter dem grünen Blätterdach angenehm kühl, die Sonne blitzt nur ab und zu durchs Laub und die Vögel singen dazu.  

Wegkreuzung im Wald

Bald führt ein asphaltierter Weg durch den Wald zur Straße nach Leutstetten. Kurvig geht’s bergab, vor dem Biergarten muss man links abbiegen, dann eine Steigung hinauftreten, zuletzt folgt ein Schotterweg zur Villa Leutstetten. Der Glaskasten auf der Anhöhe ist nicht zu übersehen. Karl Hebler ist der 1. Vorsitzende der Gesellschaft für Archäologie und Geschichte in Gauting. Der Verein betreut die römische Ausgrabungsstätte, deren Herzstück eine Fußbodenheizung ist. Sie ist in dem Glaskasten auch von außen gut zu sehen. So können sich Besucher jederzeit selbstständig hier umsehen und auf den Infotafeln informieren, Die Steine auf dem Boden bilden eine Art Labyrinth. Hier hinein wurde die warme Luft von einem Feuer außerhalb des Hauses geleitet, um den Raum zu heizen. Die Römer waren ja für ihre Raffinesse bekannt - eine Fußbodenheizung in einem Bauernhaus? Ganz normal. Den fast 2000 Jahre alten großen Schlüssel mit Bart und Einkerbungen zu dem alten Bauernhof haben die Archäologen im Brunnen gefunden, er ist auf der anderen Seite der Vitrine zu sehen.

Fundstücke

Scherben von Tongefäßen und Wandfliesen, die beim Ackern an die Oberfläche kamen, waren der Grund, warum die Archäologen hier überhaupt gegraben haben. Im sechs Kilometer entfernten Gauting gab es zudem eine größere Römersiedlung. Das Graben hat sich gelohnt. Außer der Fußbodenheizung wurden noch die Grundmauern des Bauernhauses, einer Villa Rustica, freigelegt.

Gleich neben der Ausgrabungstätte steht ein Insektenhotel. Denn das Leutstettener Moos ist ein Naturschutzgebiet und bietet Lebensraum für viele Vögel, Insekten und Pflanzen. Andrea Gehrold vom Landesbund für Vogelschutz ist die Gebietsbetreuerin und betont die Bedeutung der Moore: „Moore speichern einerseits klimaschädliche Gase, andererseits dienen sie als Wasserspeicher. Sie können enorme Wassermengen aufnehmen und in Trockenphasen auch wieder abgeben.“

Auf einem Acker würde das Wasser bei starkem Regen kaum versickern und oberflächlich abfließen.

Im Moos ist es auch mal naß

Das Moos ist keine saftig-grüne Wiese, sondern eher bräunlich. Doch für die Ornithologin stehen diese verschiedenen Grün- und Brauntöne für Artenvielfalt. Im Moos leben hochspezialisierte Tiere wie die Bekassine. Sie ist ein absoluter Moorspezialist, mit ihren langen Beinen und dem langen Schnabel kann sie hier im Nassen nach Nahrung stochern. Als Bodenbrüter braucht sie allerdings besonderen Schutz vor Menschen oder Hunden, die ihr Nest unabsichtlich zertreten könnten. Sie ist vom Aussterben bedroht, weil ihre Lebensräume immer kleiner werden. In Feuchtwiesen und Mooren findet die Bekassine ihre Nahrung: Vor allem Schnaken, Käfer und Schwebfliegen stehen auf dem Speiseplan. Aber auch die Insekten brauchen das Moos und seine Pflanzen, sie bilden eine Symbiose und weil sie oft klein und unscheinbar sind, würde man sie beim Betreten zerstören. Deshalb: Auf den Wegen bleiben!

Im Leutstettener Moos führen enge Holzstege über die Feuchtflächen. Es empfiehlt sich, langsam zu radeln, denn bei Gegenverkehr wird’s eng. Dann führt der Schotterweg aus dem Naturschutzgebiet heraus und hinein in ein Wohnviertel. Von hier ist es nicht mehr weit zum Starnberger See. Sanft schlagen die Wellen ans Ufer, das Sonnenlicht tanzt auf ihnen. Wer mag, kann im blauen Wasser eine Runde schwimmen, bevor es dann wieder zurück nach München geht. Alternativ kann man auch in die S-Bahn am Bahnhof Starnberg einsteigen.

Info S-Bahn und Fahrrad

Auf Holzpfaden durchs Moos

Ab dem 1. August 2024 wird der Geltungsbereich ausgeweitet. Das Ein-Euro-Fahrradticket gilt dann auch innerhalb der bayerischen Verkehrsverbünde, unter anderem im Münchner Verkehrsverbund MVV und im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg, VGM. Auch auf den Strecken nach Bayrischzell, Tegernsee und Lenggries sowie zwischen Memmingen und Lindau kann es benutzt werden.

Es gibt aber zeitliche Einschränkungen: Von Montag bis Freitag gilt das Ein-Euro-Radlticket erst ab 9.00 Uhr, also nicht in der morgendlichen Hauptverkehrszeit. Vom 15. März bis 3. Oktober gilt es zudem an Freitagen nur zwischen 9.00 und 12.00 Uhr. An Wochenenden gibt es das Ein-Euro-Ticket im Sommerhalbjahr gar nicht, sondern nur im Winterhalbjahr zwischen dem 4. Oktober und dem 14. März.

Ansonsten: Radl-Ticket MVV: 3,40 Euro, Bayern: 6.50 Euro, gültig den ganzen Tag, bei der S-Bahn trotzdem Sperrzeiten beachten!

Buchangaben:

Titel: München und Umgebung mit dem Gravelbike - 20 ultimative Touren von leicht bis abenteuerlich
Autoren: Jessica Holst, Yvonne Streit
Verlag: Bruckmann-Verlag

ISBN: 9783734329913
Preis: € 22,99


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