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Von der Suchmaschine zur Datenkrake 20 Jahre Google: Tief verankert in unserem Leben

Google wird 20. Für die meisten ist ein Leben ohne die zahlreichen Anwendungen des Riesenkonzerns kaum vorstellbar. Welche Macht Google über uns hat, erklärt Jürgen Pfeffer von der Hochschule für Politik der TU München.

Stand: 04.09.2018

Google-Logo | Bild: picture-alliance/dpa

radioWelt: Wie ist es Google gelungen, binnen 20 Jahren eine solche Position zu bekommen?

Jürgen Pfeffer: Zum einen muss man sehen, dass das Internet auch nicht älter als 20 Jahre ist, Google ist mit dem Internet gewachsen, und Google war von Anfang auch sehr gut, Google ist deshalb auch so weit verbreitet, weil es so gut funktioniert und in vielen Bereichen exakt das macht, was sich die Benutzer wünschen. Generell sehen wir auch im Internet, dass sich am Ende nur ein, zwei Firmen durchsetzen. Das heißt, dass der Trend zur Konzentration im Internet genauso, wenn nicht noch stärker ist, als im wirklichen Leben – und da hat Google eindeutig die Nase vorn.

Ist sich Google seiner Marktmacht bewusst und nimmt es diese Macht verantwortungsvoll wahr im Moment?

Ja, die Internetkonzerne sind sich sehr wohl dessen bewusst, wer sie sind, was sie sind und was sie bewirken. Sie haben ja täglich ihre Analysen. Die wissen ganz genau, wie viele Milliarden Menschen ihre Services benutzen – das ist ja keine Überraschung für sie. Nehmen sie ihre Verantwortung wahr? Es scheint zum aktuellen Zeitpunkt, dass sie die Verantwortung ganz gut wahrnehmen. Wir haben in letzter Zeit wenig über Google-Datenskandale gehört, aber das muss nicht für immer so gelten.

Wissen die Nutzer, dass sie eigentlich ihr ganzes Leben offenlegen in Google?

Nein, ich glaube, die meisten Nutzer sind sich der meisten Dinge, die sie online tun, nicht wirklich bewusst. Wer denkt sich schon, dass – wenn er am Morgen seine Lieblingszeitung online liest - bereits hunderte oder tausende andere Firmen wissen, was man gerade liest, wahrscheinlich auch, wer man ist, wo man ist. Wenn man das Haus verlässt, speichert Google, wie man geht, wie schnell man geht, welche Verkehrsmittel man verwendet, eventuell sogar wen man trifft, denn der andere hat ja auch ein Handy. Man geht in die Arbeit, man macht Pausen, das wird alles mitgelogged und mitgetracked von diesen Firmen, und natürlich ist man sich dessen in der Regel nicht bewusst. Ehrlich gesagt kann man auch wenig dagegen tun. Und das hier ist der klare Auftrag an Politik: Dass man sich auch regulatorisch überlegen muss, solche marktdominierenden Konzerne, die hier quasi der ganzen Menschheit Services anbieten und gleichzeitig die Daten der gesamten Menschheit sammeln, wie man die zumindest ein bisschen unter Kontrolle bekommt.

Hinkt da die Politik in ihrem Handeln hinterher?

Auf jeden Fall. Zum einen ist es einfach Wissensrückstand, glaube ich. Das heißt, in vielen Bereichen ist nicht ganz klar, was hier wirklich passiert. Wir kommen täglich in der Forschung auf neue Dinge, was hier auch in Deutschland mit unseren Daten passiert, wenn wir ganz harmlose Dinge tun. Und zum anderen darf man natürlich nicht vergessen, dass hier Milliarden im Spiel sind. Das heißt, wenn Google ab und zu eine Milliardenstrafe bekommt, dann stecken die die einfach weg und machen weiter. Die Frage ist schon, wie man überhaupt mit Konzernen, die weltweit agieren, die vielleicht in Europa gar keine richtigen Ansprechpersonen haben, wie man mit denen überhaupt interagiert. Und da muss die Politik noch einiges erproben und lernen.


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