Bayern 2


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Zum 25. Todestag Golo Mann – Thomas Manns begabtester Sohn. Ein Porträt

Golo Mann – lange stand er im Schatten seines Vaters, aber auch seiner Geschwister Klaus und Erika. Dabei war er ein Genius sehr eigener Art: Historiker, Essayist und Verfasser geschichtlicher Werke von literarischem Rang. Ein Porträt von Gustav Seibt.

Von: Gustav Seibt

Stand: 06.04.2019 | Archiv

Golo Mann | Bild: Monacensia

Gottfried Angelus, genannt Golo, geboren 1909, war Thomas Manns drittes Kind. Die Eltern haben es nicht so geliebt wie ihre ersten beiden Kinder, Erika und Klaus, die stürmischen, zwillingshaft dämonischen Götterkinder. Golo war verschlossen, wunderlich und drollig. Der Vater verurteilte ihn in seinem Tagebuch als unsauber und unehrlich. Golo spielte in Familienaufführungen gern tragische Frauenrollen. Unterwürfig folgte er seinem strahlenden älteren Bruder Klaus, aber anders als dieser verschloss er alle seine Gefühlsnöte im Inneren – und spiegelte sich in Beispielen der Literatur, den Tagebüchern Hebbels und den Memoiren Tocquevilles.

Die Kinder der Manns

Der Tragiker der Familie

Golo war der Tragiker der Familie. Auch aus politischer Erfahrung: Da er Historiker wurde – angeregt durch frühreife Schiller-Lektüre, bildete er als einziger im Mann-Clan ein besonnenes zeitgenössisches Urteil heran. Der alte Thomas Mann erkannte Golos Tüchtigkeit und Klugheit und las dessen ersten Werke, eine Biographie des Staatsmannes Gentz und lange politische Essays voller Zustimmung. Doch erst nach Thomas Manns Tod kam ans Licht, dass dieser Sohn, der immer im Schatten gestanden hatte, als einziges unter den sechs Kindern dem Vater an epischer Kraft und langem Atem gleichkam. Tausendseitige Werke entstanden: eine „Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts“ und ein noch umfangreicherer „Wallenstein“ auf den Spuren Friedrich Schillers. Und ein nicht endender Strom glanzvoller Essays floss weiter. Memoiren, die zu den schönsten der deutschen Literatur gehören, runden ein Werk, das zwischen Historie, Erzählung, Philosophie und Literatur in freiester Schwebe hängt.

Der wunderliche Golo, der Zeit seines Lebens für sich blieb, aber ein treuer, zärtlicher Freund war, brachte es zu Erfolg und Glanz – mehr trotz als wegen seiner ruhmreichen Familie. Am 7. April 1994 ist er gestorben.

Aus Anlass von Golo Manns 25. Todestag wiederholen wir eine Sendung aus der Feder des Historikers und Schriftstellers Gustav Seibt.

BR 2005

CD-Edition „Die Kinder der Manns“

Die sechsteilige CD-Edition der BR-Produktion „Die Kinder der Manns“ (2005), in der auch diese Sendung enthalten ist, ist im „Hörverlag“ erschienen. Mit vielen Originaltönen der Familie Mann sowie den Stimmen von Rufus Beck, Gert Heidenreich, Sophie von Kessel, Ilse Neubauer u. v. a.


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