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Heuschreckenplage in Kenia hält an Ivo Körner, Caritas: "Schlimmste Plage seit 70 Jahren"

Seit Monaten schon wird Ostafrika von einer verheerenden Heuschreckenplage heimgesucht. Eine schwierige Situation in einer Region, in der die Menschen wegen der Trockenheit ohnehin schnell von Hunger bedroht sind. Ivo Körner ist gerade für die Caritas in Kenia und sprichst von der schlimmsten Plage seit 70 Jahren.

Von: Rolf Büllmann

Stand: 12.03.2020

Kenia, Katitika: Schwärme von Wüstenheuschrecken fliegen über einem Feld. Monatelanger schwerer Regen in Ostafrika hat zur schlimmsten Heuschreckenplage seit Jahrzehnten in der Region geführt - und diese könnte Experten zufolge eine Hungersnot auslösen. | Bild: dpa-Bildfunk/Ben Curtis

Herr Körner, wie ist die aktuelle Lage in Kenia?

Es ist tatsächlich katastrophal. Man muss sich vorstellen: mehrere Regionen im Norden des Landes haben gerade eine schwere Dürre hinter sich, im Herbst kamen sintflutartige Überschwemmungen mit Dutzenden Toten hinzu und jetzt fallen die Heuschrecken über diese schwer erreichbare Region her, in der die Menschen ohnehin ständig in Armut leben.

Entwicklungshilfeminister Müller spricht von der größten Plage seit Jahrzehnten in der Region, stimmt das?

Auf jeden Fall für Kenia – es ist die größte Heuschreckenplage seit 70 Jahren. Man muss sich das vorstellen: ein Schwarm enthält 40 bis 50 Millionen Individuen, also einzelne Heuschrecken. Der Größte hat eine Ausdehnung von 40 auf 60 Kilometer. So ein Schwarm würde unseren Schwarzwald in wenigen Tagen kahlfressen. Da ist ja klar, was das für eine Region bedeutet, in der die Mehrheit ständig unter dem Existenzminimum lebt.

Erledigt sich das Problem denn dann nicht irgendwann von selbst, weil einfach alles aufgefressen ist?

Ein kenianischer Junge versucht mit einem Stock Heuschrecken zu erschlagen, die überall in der Luft herum fliegen.

Ja, wer weiterzieht kommt auch gern mal wieder zurück. Es handelt sich um eine unvorstellbar große Region – betroffen sind gar nicht so sehr um die Felder der Bauern, sondern vor allem Weideland. Die ganze Halbwüste besteht aus sehr kargem Weideland, dort leben nomadische Viehhalter. Es gibt Prognosen, dass die Heuschrecken mit dem Wind in den Südsudan getragen werden, dort ihre Eier ablegen und dann mit dem nächsten Wind zurückkommen. Die Natur hat es so eingerichtet, dass die Heuschrecken von Hochdruckgebieten in Tiefdruckgebiete gezogen werden, also in Gebiete, wo es regnet, wo das bisschen Gras gerade wieder anfängt zu wachsen. Und die Bauern und Viehhalter sind verzweifelt – sie können außer einem bisschen Krach mit Ratschen und Geschrei, in der Hoffnung, dass die Heuschrecken weiterziehen, nicht viel machen.


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