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Konflikte in der Familie Wie Eltern am besten mit Geschwisterstreit umgehen

Brüder und Schwestern sind aus evolutionärer Sicht Rivalen. Sechs Mal pro Stunde streiten Geschwister im Durchschnitt, so Nicola Schmidt. Die Wissenschaftsjournalistin gibt Tipps, wie Eltern am besten mit Streit unter Geschwistern umgehen.

Stand: 12.02.2019

Dass Geschwister miteinander streiten, ist völlig normal. Es komme aber auf das "Wie" an und auf das "Wie oft", so die Wissenschaftsjournalistin und Buchautorin Nicola Schmidt. Wichtig sei die Vorbildfunktion der Eltern: Kinder müssten von Vater und Mutter lernen, wie man Interessen ausgleiche, verhandle – und wie man so empathisch werde, dass das Anliegen des anderen nachvollzogen werden könne. "Eltern sollen nicht immer eingreifen. Aber immer dann, wenn seelische oder körperliche Gewalt im Spiel ist", betont Schmidt. Und: Wenn ein Geschwisterteil im Streit immer unterliege, bestehe die Gefahr, dass sich Geschwisterrollen zementierten.

"Wenn wir unseren Kindern beibringen, dass verschiedene Rollen dazu gehören, dann erhalten wir ihnen ein viel breiteres Persönlichkeitsrepertoire, mit dem sie später viel lebendigere Menschen sein können."

Nicola Schmidt, Wissenschaftsjournalistin und Autorin

Die Streithäufigkeit hängt oft mit dem Altersunterschied zusammen

Nicola Schmidts Buch "Geschwister als Team – Ideen für eine starke Familie" ist im Oktober 2018 im Kösel Verlag erschienen.

Wenn Geschwister sich gut verstehen, sagt Schmidt, wisse man aus der Forschung, dass sie in der frühen und mittleren Kindheit viel miteinander zu tun hatten, auch am Anfang ihrer Jugend. Im Studium und im jungen Erwachsenenalter gingen die Wege dann oftmals auseinander, aber im Alter seien diese Geschwister häufig wieder ganz eng zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Und: "Sie werden älter, sind gesünder."

Grundsätzlich streiten Kinder weniger, wenn sie vom Alter her drei und mehr Jahre auseiander liegen, so Schmidt. Sie konkurrieren nicht mehr um Ressourcen. In Patchwork-Familien sei es genau umgekehrt: Wenn der Altersabstand größer sei, lebten sie eher wie zwei Einzelkinder nebeneinander. Jungen und Mädchen streiten im Übrigen etwa gleich viel, sagt die Wissenschaftsjournalistin. Die Häufigkeit der Konflikte hänge viel mehr mit dem Altersunterschied und dem Temperament des Kindes zusammen.

"Was immer Wunder wirkt: Jede Woche fünfzehn Minuten alleine mit einem Kind. Kinder sind sehr genügsam. Wenn man ihnen etwas Zeit alleine mit Mama und Papa gibt, sind sie viel ausgeglichener, als wenn sie immer alles teilen müssen."

Nicola Schmidt


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