Bayern 2


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Medizinischer Fortschritt für ältere Menschen

Von: Uli Hesse

Stand: 14.07.2020 15:22 Uhr

Ein älterer Mann, der mit Gehwagen über einen gepflasterten Platz geht, von oben fotografiert. | Bild: picture-alliance/dpa

Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e.V. definiert Geriatrie als "medizinische Spezialdisziplin, die sich mit den körperlichen, geistigen, funktionalen und sozialen Aspekten in der Versorgung von akuten und chronischen Krankheiten, der Rehabilitation und Prävention alter Patientinnen und Patienten sowie deren spezieller Situation am Lebensende befasst."

Experte:

Dr. med. Peter Euler, Internist und Neurologe sowie zukünftiger ärztlicher Leiter der neuen Akutgeriatrie des Klinikums St. Elisabeth an der Kreisklinik Bogen bei Straubing

Die meisten Geriatrie-Patientinnen und -Patienten sind über 80 Jahre alt, obwohl sich diese medizinische Fachrichtung an alle Patienten über 65 Jahre richtet. Das liegt daran, dass viele Über-80-Jährigen gebrechlicher sind als jüngere Senioren, und häufig an einer sogenannten Multimorbidität leiden, also an komplexen Krankheitsbildern und mehreren, oft chronischen Krankheiten gleichzeitig. Da die Behandlung dieser Krankheitsbilder ganzheitlich und individuell aufeinander abgestimmt sein muss, spricht sich im Idealfall ein Team von Fachleuten miteinander ab.

Ziel der Geriatrie ist es, die Unabhängigkeit, Funktionalität und Lebensqualität aller älteren Patienten so lange wie möglich aufrechtzuerhalten und sie aktiv darin zu unterstützen.

Die Altersmedizin wird in der Zukunft immer wichtiger werden, da Menschen, die in Deutschland leben, immer älter werden. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege geht von einem Zuwachs von 35 Prozent in der Altersgruppe der über 65-Jährigen in Bayern bis 2038 aus. Derzeit erleiden in Deutschland jährlich 700.000 hochbetagte Menschen einen Oberschenkel-, Arm- oder Wirbelbruch.

In der Geriatrie gibt es keine Altersgrenzen. Hundertjährige werden genauso behandelt wie Achtzigjährige. Denn die Funktion soll verbessert werden, unabhängig von den Erkrankungen.

"Eine mögliche Ethik-Diskussion wie sie durch die Corona-Pandemie aufgeflammt ist – kann ein Patient behandelt werden oder nicht – findet in der Geriatrie nicht statt, denn diese Entscheidung muss nicht getroffen werden."

Dr. Peter Euler

Dem Text liegt ein Interview Dr. med. Peter Euler zugrunde, Internist und Neurologe sowie zukünftiger ärztlicher Leiter der neuen Akutgeriatrie des Klinikums St. Elisabeth an der Kreisklinik Bogen bei Straubing.

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