Bayern 2


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Vom Ende großer Pläne Genial daneben: Bayerische Irr- und Holzwege

Auch in Bayern trifft nicht jeder Geistesblitz ins Schwarze, auch in Bayern trinken große Ideen manchmal Schnaps. Tragisch, dramatisch, entsetzlich, komisch oder auch ein wenig töricht reißen sie alle und alles in den Abgrund.

Von: Thomas Kernert

Stand: 03.11.2020 | Archiv

Auf dem Friedhof gescheiterter Innovationen ruhen freilich nicht nur Tüftler und Erfinder, sondern auch jede Menge Weltverbesserer, Eremiten, Künstler - und ganz besonders - Lebenskunsterfinder. Denn in jeder Niederlage steckt auch ein kleines Stückchen Sieg.

"Alles geben die Götter, die unendlichen, ihren Lieblingen ganz,
Alle Freuden, die unendlichen, alle Schmerzen, die unendlichen, ganz."

(Johann Wolfgang von Goethe)

Pleiten, Pech und Pannen

Bayerische Flugpioniere stürzten ab, bayerische U-Bootbauer soffen ab, bayerische Motorrad-Fabrikanten gingen Pleite.

Was ist schon der geplatzte Traum eines Edmund Stoiber, der partout nicht mit einer Spielzeugeisenbahn spielen wollte wie einer seiner Amtsnachfolger, sondern mit einem ganz großen Zug, einem, der in nur zehn Minuten ... Was ist so ein Traum im Vergleich zu den Sorgen eines gewissen Herrn Sörgel aus Regensburg, der sein Leben lang verbissen dafür warb, das Mittelmeer trockenzulegen - aus Angst, Europa könne der Platz ausgehen.

"Es irrt der 'Sepp', solang' er strebt!"

Mit kräftigem Flügelschlag geht es anfangs steil nach oben ...

Einen weiß-blauen Höhenflug ganz anderer Art startete in den Wirtschaftswunderjahren ein Oberösterreicher. Sein Name: Friedrich Jahn, seine Geschäftsidee: halbe Hähnchenleiber. Von seiner ersten Wienerwald-Filiale 1955 in Schwabing spannte er seine Flügel immer weiter - bis nach Übersee. In den 80er Jahren besaß der Imbiss-Imperator schließlich 1.536 Restaurants mit 27.000 Mitarbeitern. Und dann ... dann kam der Absturz. In Amerika bekamen seine Flugobjekte keinen Aufwind, in Europa verlor er den Überblick. Ergebnis: Schulden im dreistelligen Millionenbereich.

Das 'Finale dahoam' wird zum Fiasko dahoam

Abpfiff! Verzweiflung!

2012 - der siegverwöhnte FC Bayern reibt sich verwundert die Augen. In der Meisterschaft nur Zweiter und im DFB-Pokal auch nur Zweiter. Letzte große Trumpfkarte: Das Championsleague-Finale! Austragungsort: Zum ersten Mal überhaupt die Münchner Allianz-Arena! Heimspiel! Finalgegner: Der FC Chelsea, eine mit russischen Sponsorenmillionen aufgepäppelte Altherrenriege. So weit, so gut: Alles lief für die Dusel-Bayern!

Aber dann, am Ende, sprich nach 120 Spielminuten und anschließendem Elfmeterschießen, stand es plötzlich 4:3 für Chelsea. Ein Desaster. München heulte Rotz und Wasser.

Märchenhafte Niederlagen

Wie der FCB träumte auch Edmund Stoiber einst davon, "in der Championsleague" zu spielen, sprich, einmal Bundeskanzler zu werden. Die Rechnung ging nicht auf. Stoiber erlitt eine hauchdünne Niederlage. Doch knapp vorbei ist eben auch daneben.
Aber schon ein Jahr später stieg der Phönix aus der Asche: Bei der Landtagswahl fuhr Stoiber sagenhafte 60,7 % ein.

Der Kini trieb Bayern fast in den Ruin

Märchenhaft verrückt.

Wie nahe Sieg und Niederlage beieinander liegen, zeigt das Schicksal des bayerischen Märchenkönigs Ludwig II. Ein Spinner, Träumer und Revolutionär, einer, der seine verrückten Ideen verwirklichte. Die Wittelsbacher trieb er damit fast in den Ruin und sich, wie manche glauben, sogar in den Tod. Doch was wäre Bayern ohne seine Schlösser und ohne den Mythos vom 'Bavarian Mad King'?


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