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Cäsar-Chiffre bis Enigma Geheimschriften und Codes - eine Zeitreise

Julius Cäsar entwickelte seine eigene Geheimschrift. Die Wehrmacht glaubte mit der Enigma unknackbare Botschaften verschicken zu können. Und heute verschlüsseln wir fast täglich - im Internet oder am Bankautomat. Eine kleine Geschichte der Kryptologie

Von: Constanze Kainz

Stand: 21.09.2020

Kdoor! Oder unverschlüsselt: Hallo! Schon vor tausenden Jahren versuchten Menschen Nachrichten geheim zu übermitteln. Der römische Feldherr Julius Cäsar nutze dafür die sogenannte Cäsar-Chiffre - einen Klassiker der Verschlüsselungstechnik.

"Bei der sogenannten Cäsar-Chiffre wird das Alphabet untereinander geschrieben, zum Beispiel auf zwei Stäben oder in den Sand. Dann wird es um drei Buchstaben verschoben."

Carola Dahlke, Deutsches Museum

Aus "Hallo" wird so "Kdoor". Leicht zu knacken, wenn man den Schlüssel kennt. Cäsar aber hat die Schrift Zeit verschafft. Feinde, die Nachrichten abfingen, konnten diese nicht sofort verstehen.

Immer ausgefeiltere Methoden

Im Laufe der Zeit wurden die Verschlüsselungsmethoden immer ausgefeilter. Verschiedene Werkzeuge halfen Nachrichten zu codieren und zu decodieren. In der Renaissance erfand der italienische Schriftsteller und Mathematiker Leon Battista Alberti eine Chiffrierscheibe: Die Scheibe bestand aus zwei drehbaren Scheiben. Auf der einen Scheibe war das "Klartext-Alphabet" abgebildet, auf der anderen ein "Geheimtext-Alphabet". Im 15. Jahrhundert entwickelten Ingenieure den Chiffrierzylinder: Auf einer Spindel aufgereihte Rädchen. Darauf jeweils Buchstaben. Dreht man die Scheiben so, dass in einer Zeile der richtige Text erscheint, erzeugt man in einer anderen Zeile gleichzeitig die verschlüsselte Botschaft. Der nächste große Schritt kam im 19. Jahrhundert mit der Erfindung der Telegrafie.

"Die Geheimschrift hat sich immer im Fahrwasser der Kommunikationstechnik entwickelt. Man hat die Telegrafie erfunden, also musste man neue Verschlüsselungsverfahren für diesen Zweck entwickeln. Dann kam das Telefon, dann die Funknetze, dann die Datennetze - immer mussten neue Verfahren entwickelt werden. Ansonsten war es leider so, dass die Kriege dafür gesorgt haben, dass die Technik einen Sprung nach vorne gemacht hat, weil man halt im Krieg so etwas gebraucht hat."

Klaus Schmeh, Krypto-Experte

Seit Menschen Nachrichten verschlüsseln, versuchen anderen sie zu knacken. Vor allem im Ersten Weltkrieg machten die Decodierer enorme Fortschritte.

"Im Ersten Weltkrieg wird eigentlich alles geknackt, was es an Verschlüsselungsverfahren gab. Und so kam man nach dem Ersten Weltkrieg auf die Idee, dass man zum Verschlüsseln Maschinen einsetzten sollte. Viele sahen aus wie Schreibmaschinen."

Klaus Schmeh, Krypto-Experte

Die (doch nicht) unbezwingbare Enigma

Auch die Enigma, die die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg verwendete. Erfunden aber wurde sie schon früher: 1918 von Arthur Scherbius. Der deutsche Erfinder benannte die Maschine nach dem griechischen Wort für Rätsel. Mit auf besondere Weise verdrahteten Walzen verschlüsselte die Enigma Nachrichten. 14.000 Jahre bräuchte es, die Enigma zu knacken, sagte ihr Erfinder. Unknackbar, glaubten die Deutschen und setzten über 30.000 Stück im Zweiten Weltkrieg ein.

Was sie nicht wussten: Im Auftrag des britischen Geheimdienstes arbeiteten hunderte Männer und Frauen in Bletchley Park bei London daran, den Code zu knacken. Sie schafften es und konnten so die Funksprüche der Wehrmacht verstehen, sagt Carola Dahlke vom Deutschen Museum:

"Die Entzifferung der Marine-Enigma hatte Auswirkungen auf den Atlantik-Krieg. Sobald die Briten wussten, wo U-Boote waren, konnten sie ihre eigenen Konvois umlenken und Aufklärungsflugzeuge genau dahin schicken."

Carola Dahlke, Deutsches Museum

Solche Beispiele faszinieren den Krypto-Experten Klaus Schmeh an Geheimschriften und Codes:

"Es gibt einfach total viele Beispiele dafür, dass die Verschlüsselungstechnik in die Geschichte eingegriffen hat. Es wurden Kriege oder Schlachten entschieden."

Klaus Schmeh, Krypto-Experte

Unknackbare Codes

Und dann gibt es Codes, die bis heute Rätsel aufgeben. So wie das Voynich-Manuskript: Über 300 Seiten geheimnisvoller und bis heute nicht entzifferter Zeichen aus dem Mittelalter. Oder die Briefe des Zodiac-Killers, ein Serienmörder aus den USA, der die Briefe in den 60er Jahren an die US-Polizei schickte. Drei der vier Briefe konnten bis heute nicht entschlüsselt werden, das Verbrechen blieb teilweise ungelöst.

Wer Codes knackt, kann Geheimnisse lösen, wer sie nutzt, wichtige Nachrichten geheim übermitteln. Klaus Schmeh ist sich sicher: Die Geschichte der Kryptologie geht weiter.


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