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Hintergrund Morbus Parkinson

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Parkinson Früherkennung und neue Forschungsvorhaben

Hilft Stammzelltransplantation gegen das Fortschreiten der Parkinson-Krankheit? Oder eine Impfung? Und wie kann man Morbus Parkinson früh feststellen?

Von: Beate Beheim-Schwarzbach, Ulrike Ostner

Stand: 12.04.2021

Symbolbild: Entnommenes Knochenmark in einer Kulturflasche | Bild: picture-alliance/dpa

Über Morbus Parkinson wird nach wie vor intensiv geforscht. Das Ziel ist, die Parkinson-Krankheit möglichst früh zu erkennen, idealerweise bevor motorische Probleme auftreten, und in diesem Zustand zu heilen. Davon ist man aber aktuell noch weit entfernt. Hier eine kleine Auswahl an Arbeiten die derzeit durchgeführt werden.

Früherkennung: Schlüssel zur Entwicklung von vorbeugenden Parkinson-Therapien

Vom Beginn der Erkrankung im Körper bis zum Auftreten der ersten klinischen Symptome bei Parkinson oder anderen Bewegungsstörungen vergehen in der Regel Jahre oder gar Jahrzehnte. Dieses Zeitfenster bietet die Möglichkeit, die Krankheit zu erkennen, bevor sie die PatientInnen beeinträchtigt. Um diese Erkrankten ohne Symptome zu identifizieren, stehen der Wissenschaft inzwischen Riechtests, Schlafuntersuchungen, Hautbiopsie-Tests, Nervenwasser-Untersuchungen und die Gendiagnostik zur Verfügung. Kürzlich ist es gelungen, die Verklumpung des Eiweißes alpha-Synuclein, welches im Gehirn die Nervenzellen schädigt, zu diagnostischen Zwecken auch im Nervenwasser und in der Haut nachzuweisen. Damit steht die Wissenschaft nun an der Schwelle zur objektiven und besonders frühen Diagnosestellung der Parkinson Krankheit. Für diese Parkinson-Risikopersonen sucht die Wissenschaft derzeit nach Möglichkeiten, durch frühzeitige Intervention den Ausbruch der klinischen Symptome zu verhindern.

Intelligentes Sensorsystem

Am Universitätsklinikum Erlangen wird derzeit ein Sensorsystem erprobt, das auch die kleinsten Veränderungen am Gangbild erkennt und mehr als 700 Merkmale wie z.B. Schritthöhe und -länge aufzeichnet. Das Gangbild kann Medizinern einen frühen Hinweis auf Parkinson liefern. Geplant ist, das Sensorsystem in eine Schuhsohle zu integrieren.

"Parkinson-Impfung"

Mittlerweile weiß man, dass das Eiweiß alpha-Synuclein bei der Parkinson-Krankheit verklumpt und sich im Gehirn der Patienten ausbreitet. Dies führt zu einer Fehlfunktion und zu einem Verlust von Nervenzellen, gefolgt von den typischen Parkinson Syndromen. In experimentellen Parkinson-Modellen konnte man zeigen, dass eine wiederholte Impfung mit Antikörpern gegen alpha-Synuclein diesen Mechanismus unterbrechen kann. An wenigen Parkinson-Patienten hat man mittlerweile auch zeigen können, dass diese Antikörper bei Menschen das alpha-Synuclein Eiweiß im Blut abfangen können. Im Rahmen einer internationalen großen Studie wurden auch erste Hinweise erzielt, die nahelegen, dass diese ‚Parkinson-Impfung‘ den Verlauf der Erkrankung reduzieren könnte. Diese Ergebnisse werden nun im Rahmen einer größeren internationalen Studie überprüft werden.

Zahlreiche neue Therapieansätze auf molekularer Ebene

Auf dem Gebiet der Therapieentwicklung ist die Forschung für PatientInnen mit Parkinson in Deutschland sehr aktiv. Z.B. gibt es Ansätze mit der neuartigen Antisense-Oligonukleotid-Therapie. Diese Substanzgruppe unterdrückt die Produktion fehlgefalteter Eiweiße auf der Basis defekter Gene („Gene-Silencing“). Das Verfahren wird nun bereits auch in Deutschland in klinischen Studien bei Parkinson-Syndromen eingesetzt. Ein anderes Beispiel für neuartige molekulare Therapiestrategien sind Untersuchungen mit Substanzen, die die Verklumpungen des alpha-Synucleins wieder auflösen sollen.

Warnung vor Heilsversprechen

Seit einigen Jahren gibt es Ansätze, Parkinsonpatienten mit Hilfe von Stammzellentransplantation zu therapieren. Unter wissenschaftlichen Rahmenbedingungen gab es einigermaßen erfolgreiche Tierversuche, doch bei Menschen waren die Ergebnisse nicht befriedigend, so dass dieser Ansatz nach wie vor kein Standardverfahren in der Parkinson-Therapie ist.

"Eine Stammzellentransplantation birgt Risiken und keinen sicheren Therapieerfolg. Wenn Patienten ein solches Verfahren angeboten wird, insbesondere wenn sie auch noch dafür bezahlen sollen, sollten sie sich dringend in einer neurologischen Spezialambulanz einer Universitätsklinik oder einer Parkinson-Spezialklinik beraten lassen."

Neurologe Prof. Höglinger

Die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen

Die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) fördert die Erforschung der Parkinson-Krankheit und verbessert die Versorgung der PatientInnen. Organisiert sind in der wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaft Parkinson-ÄrztInnen sowie GrundlagenforscherInnen. Die Zusammenarbeit dieser beiden Zweige ist entscheidend für die Fortschritte in Diagnostik und Therapie.

Parkinson-Agenda 2030

Unter dem Titel der Parkinson-Agenda 2030 widmet sich die DPG verstärkt den beschriebenen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen.
Es soll eine Sensibilisierung und Aktivierung der Gesellschaft für die Belange der PatientInnen mit Parkinson erreicht werden. Weiterhin unterstützt die DPG mit ihren Arbeitsgruppen die Erforschung der Ursachen, der Früh- und Differentialdiagnostik und neuer Therapiemöglichkeiten. Ein nationales Register für Parkinson und andere Bewegungsstörungen soll etabliert werden. Insbesondere soll auch mit Nachdruck die nationale Forschungslandschaft für die klinische Prüfung neuer Therapieansätze mit Patienten optimiert werden. Als wichtigen Baustein hierfür hat die DPG die Parkinson Stiftung initiiert.

Die Parkinson Stiftung

Die Parkinson Stiftung setzt darauf, über die Krankheit umfassend zu informieren und die weitere Erforschung möglicher Therapieformen voranzutreiben. Die Stiftung wurde 2019 von der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen e.V. gegründet. Ihr Sitz ist in Berlin.


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