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Rückzugsorte großer Musiker Freddie Mercury zog in München um die Häuser

Der prominente Sänger der Band "Queen" - oder nur ein Engländer, der Anschluss sucht: Als Freddie Mercury in Münchens Schwulenkneipen unterwegs war, wurde er zunächst kaum erkannt. Gewohnt hat er bei der Schauspielerin Barbara Valentin. Eine Spurensuche.

Von: Bernhard Jugel

Stand: 08.08.2019

Aus Steuergründen sollte die britische Band Queen ab Ende der 70er Jahre ihre Plattenaufnahmen im Ausland machen. Ab 1979 entstanden vier Queen-Alben in den Münchner Musicland-Studios, in denen vorher schon die Rolling Stones, Led Zeppelin und Deep Purple aufgenommen hatten.

Stammgast im "Ochsengarten"

Es waren nicht die Sehenswürdigkeiten oder Biergärten, die Freddie Mercury an München faszinierten – es war ein kleines Viertel in der Innenstadt, in dem eine Subkultur blühte wie damals vielleicht nur noch in New York oder San Francisco. Während es die anderen Queen-Musiker eher in Discos und Clubs wie das Shugar Shack oder das New York zog, wurde Freddie Mercury 1979 im Münchner Glockenbachviertel Stammgast in diversen Schwulenkneipen.

"Er kam rein und hat sich meistens an die hintere Bar gestellt und man kannte ihn ja gar nicht, weil er war ja meistens voll in Leder, die Lederkappe ins Gesicht reingezogen. Dunkel ist es bei uns auch, oder ‚intim‘ – wie man das so sagt."

Fridolin Steinhauser

Fridolin Steinhauser ist nach wie vor der Wirt vom Ochsengarten – Münchens ältester Leder- und Fetischkneipe.

"Er war angenehm und ruhig", sagt Steinhauser über seinen ehemaligen Stammgast. "Der hat halt sein Bier oder mal eine Schnaps getrunken. Er war halt nicht der Star. Er war Freddie."

Nur ein unbekannter Engländer, der sich nicht auskennt

Auch Franz Prost hat Freddie Mercury nicht als Star kennengelernt. Der damalige Geschäftsführer der "Deutschen Eiche" wollte gerade mit seiner Freundin Barbara Valentin von einer Disko in die nächste wechseln.

"Da haben wir uns mit dem Wirt noch unterhalten, der Wirt hat gsagt, da drüben hätt‘ ich einen Engländer sitzen, der kennt sich nicht aus in München, könnt ihr den nicht mitnehmen. Wir wussten nicht, wer er ist, dann haben wir ihn mitgenommen, sind ins New York, da sind wir bis drei geblieben, und am nächsten Abend haben sie mich dann wieder in der Eiche – die Barbara hat mich immer in der Eiche abgeholt von der Arbeit, wenn ich nachts um eins Feierabend g‘habt hab, und da kam Freddie dann beim zweiten Mal a scho mit."

Franz Prost                                                                                  

Dass Franz Prost und Filmstar Barbara Valentin mit einer Berühmtheit um die Häuser zogen, war ihnen zunächst gar nicht klar. "Wir wußten’s lange nicht. Wir haben zwar gewußt, dass er in München Musik aufnimmt, aber Queen war koa Begriff für uns", sagt Franz Prost.

Ende der 70er galt Queen nämlich noch als Rockband, in München wurde aber zu Discorhythmen gefeiert. Die färbten schließlich auch auf Queen ab und verhalfen ihnen zu einigen ihrer größten Hits.

Unerkannt durch die Stadt oder im Mittelpunkt stehen

Zwei Seelen wohnten damals in der Brust von Freddie Mercury. Einerseits genoss er es, in München unerkannt durch die Stadt zu streifen. Und zwar am liebsten zu Fuß.

"Er hat gsagt, er genießt es, diese Ruhe. Er braucht ned schnell gehen noch sonst was, er braucht sich nicht verstecken und er will einfach zu Fuß gehen", erzählt Franz Prost.  

Anderseits wollte Freddie Mercury auch in München im Mittelpunkt stehen. Legendär seine Party zum 39. Geburtstag in der Disko "Old Mrs. Henderson".

"Es war ein traumhaftes Fest. Das ganze Lokal wurde umgebaut, für hunderte, tausend von D-Mark, damals als Schwarz-Weiß. Das wollte er damals haben. Es gab sehr viel Champagner, sehr viel Kaviar."

Franz Prost.                                                                                                            

Die BBC filmte mit. Ausschnitte kann man in dem Videoclip zum Freddie-Mercury-Song "Living on my own" sehen - ein Art Querschnitt durch die ehemalige schwule Münchner Subkultur. "Was in der Szene einen Namen hatte, waren alle geladen, die ganzen Travestie-Stars und so", erinnert sich Franz Prost.  

Abschied aus München

Ab 1984 war München dann aber für Freddie Mercury kein Rückzugsgebiet mehr. Musikvideos von Queen liefen im Fernsehen, die Fans erkannten ihn jetzt auf der Straße, versammelten sich vor Lokalen, die er besuchte. Franz Prost sah ihn dann nur noch selten, behält ihn aber bis heute in bester Erinnerung.

"So eine Persönlichkeit, so eine Ruhe und Klasse, für so einen Weltstar, was er ja war, gab‘s wirklich kein zweites Mal."

Franz Prost


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