Bayern 2


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Zum 100. Todestag Franziska zu Reventlow

Am 26. Juli 1918, starb – materiell arm, aber reich an Erfahrungen jenseits der bürgerlichen Konventionen – Franziska Gräfin zu Reventlow. Diese Ausgabe unseres Feuilletons erinnert an die Galionsfigur der Münchner Boheme und an ihre lebenslangen Sorgen um das "liebe Geld".

Von: Marita Krauss

Stand: 12.07.2018

"Ich habe die Sache mit dem Geld niemals ernst genug genommen, ließ es so hingehen und dachte, es würde schon einmal anders werden. Ich ließ es kommen und gehen, wie es gerade kam und ging ... die Wohnung ist gekündigt, jedes menschenwürdige Einrichtungsstück gepfändet. Trotzdem tauchen immer neue Leute auf, die Geld wollen, Geld, Geld und noch einmal Geld."

Schriftstellerin, Malerin - und verarmte Gräfin


Franziska zu Reventlow, die zentrale Figur der Münchner Bohème um die Wende zum 20. Jahrhundert, zieht in ihrem Roman "Der Geldkomplex" ironisch die Bilanz eines Lebens ohne festes Einkommen, ohne kontinuierliche Arbeit, ohne bürgerliche Sicherheit. Geld spielt im Leben der Künstler, Lebenskünstler und Bonvivants eine zentrale Rolle, eben weil niemand welches hat. Jeder schmiedet verrückte Pläne, wie man zu Geld kommen könnte, pflegt die große Kunst des Schnorrens bei Besser-Gestellten und Gönnern, des Geldausleihens auf vage Sicherheiten, der kleinen Verdienste durch Gelegenheitsarbeiten oder Gelegenheitsprostitution. Die Bohème lebt einen Gegenentwurf zum Bürgertum und seiner materiellen Grundstruktur. Wenn Geld da ist, feiert man furiose Feste, es gibt Champagner und Kaviar, große Reisen - und das Geld ist genauso schnell wieder weg wie es kam.

Autorin Marita Krauss

Marita Krauss verfolgt durch Romane, Briefe, Tagebücher und Chansons das Verhältnis der Münchner Bohème zum Geld im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Eine Sendung aus Anlass des 100. Todestages von Franziska zu Reventlow; die Gräfin starb am 26. Juli 1918 - materiell arm, aber reich an Erfahrungen jenseits der bürgerlichen Konventionen.

Eine Wiederholung aus dem Jahr 2005


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