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Bayern genießen Federn - Bayern genießen im November

Im Herbst geht's Gänsen und Enten an den Kragen. Und auch die wichtigste Hinterlassenschaft der Vögel, ihre Federn, ist in der kalten Jahreszeit begehrt. Nicht bloß fürs Bett - Federn genießen kann man auf vielfältige Art.

Stand: 28.10.2019 | Archiv

Hier unsere Genuss-Themen aus den bayerischen Regionen rund ums Motto "Federn"

Ohne Federn: Martinigänse aus Oberfranken. Von Anja Bischof
Schöne Federn: Schmuckfedern aus dem Bayerischen Wald. Von Renate Rossberger
Flinke Federn: Schreiben mit Gänsekiel in Mainfranken. Von Christiane Scherm
Edle Federn: Das Goldene Buch in Nürnburg. Von Matthias Rüd
Saubere Federn: Die Erben des Flederwischs in Regensburg. Von Thomas Muggenthaler
Stürmische Federn: Auf einen Federweißen im Augsburger Stadtmarkt. Von Barbara Leinfelder
Berühmte Federn: Donald Duck aus München. Von Sarah Khosh-Amoz

Martinigänse

Als erstes unter den Masttieren gehts in jedem Bauernjahr den Vögeln an den Kragen. Fleisch ist bei warmen Temperaturen leicht verderblich. Weil aber das Schlachtgewicht von Vögeln geringer ist als das von Schweinen oder gar Ochsen, sind sie nicht gefährdet, weil schnell verzehrt. Manchmal schon auf Kirchweih, ganz besonders auf Martini und sogar noch Weihnachten kommt daher traditionell Gänsbraten auf den Tisch. Versteht sich von selbst, dass man nur Fleisch von glücklichen Gänsen isst. Und wenn man heuer keine mehr erwischt – muss man halt warten bis zur nächsten Saison. Bei uns in Franken, Schwaben und Altbayern ist übrigens immer noch die Bayerische Landgans verbreitet, eine gefährdete alte Haustierrasse, die eng verwandt ist mit der wilden Graugans und besonders feines mageres Fleisch gibt. Wer gezielt danach fragt, hilft die Rasse zu erhalten.

Federschreibkurse

Wenn Gänse und Enten geschlachtet sind, müssen sie gerupft werden. Eine mühsame Angelegenheit, wenn mans von Hand machen muss. Da kann es schon sein dass die Federn wehen wie die Schneeflocken. Es kommt eben nicht von ungefähr, dass die Goldene Jungfrau bei Frau Holle die Betten aufschütteln muss, so dass es auf Erden schneit. Wenn man bedenkt, dass die Menschen schon aus purer Not immer alles verwendet haben, was ein Schlachttier hergeben hat, dann ist es aber verwunderlich, dass die ältesten Daunenbetten genauso wie der Federkiel zum Schreiben erst in der ausgehenden Antike aufkommen.

Vorher hat man sich ausschließlich mit Fellen gewärmt und zum Schreiben hat man das Schilfrohr benutzt. Im Orient blieb das bin die Neuzeit so. Im Abendland dagegen kamen jetzt die Federbetten auf und das Schreiben mit großen Vogelfedern, hauptsächlich mit dem Gänsekiel. Von dem haben die heutigen Schreibfedern ihren Namen. Immer noch unabdingbar fürs besonders schöne Schreiben, die sogenannte Kalligraphie. Kalligrafie- oder Handlettering-Kurse gibt’s zum Beispiel bei Gosbert Stark aus Karlstadt am Main oder Marina Greb aus Würzburg. Im Internet finden Sie aber fast in jeder Stadt ein entsprechendes Kursangebot.

Abstaubfedern

Früher hat man ja auch zu unserem Federbett auf gut französisch plumeau gesagt. Von lateinisch pluma = Flaumfeder, Daune.Von diesem lateinischen pluma kommen auch unsere deutschen Wörter Flaumund Flausch. Enten, Schwäne, Gänse - alle Vögel halten sich im grauslichsten Wetter flauschig warm durch eine spezielle Eigenschaft ihrer Federn. Die laden sich nämlich durch die Körperbewegung der Tiere allesamt negativ auf und stoßen sich anschließend gegenseitig ab wie gleichgepolte Magneten. Dadurch plustern sich die Federn, vor allem die Daunen darunter auf. Tierhaare dagegen haben viel weniger statische Eigenschaften. Diese Besonderheit der Vogelfedern hat man sich schon früh zunutze gemacht. Zum Saubermachen, vor allem zum Staubwischen. Und da sind sie durch moderne Kunststoffe bis heute noch nicht zu ersetzen. Während man Federn, die Staub angezogen haben, anschließend durch leichtes Schütteln wieder davon befreien kann, geht das mit Kunststoffwedeln nicht so einfach. Kurz: Der berühmte Flederwisch hat immer noch nicht ausgedient. Wo Sie sowas kriegen? Zum Beispiel im 125 Jahre alten Laden von Bürsten Ernst in der Regensburger Glockengasse.

Schmuckfedern

Übrigens, lassen Sie sich nicht irr machen: 97% aller weltweit verwendeten Federn stammen von geschlachteten Tieren. Lebendrupf ist in der EU ist längst verboten. Man kann sich also mit weitgehend guten Gewissen ins Federbett legen, sich einen Daunenanorak zulegen und sich mit fremden Federn schmücken. Natürlich nur im konkreten und nicht im übertragenen Sinn. Wahrscheinlich schon vor vielen vielen Jahrtausenden haben sich die Menschen bunte Vogelfedern gesammelt, um sie sich an den Hut zu stecken oder Schmuck daraus zu basteln. Und auch wenn heute seltener kostbar gefertigte Hüte getragen werden - die Nachfrage nach Schmuckfedern ist nach wie vor groß. Und in Cham im Bayerischen Wald sitzt die Firma Josef Reinl, der traditionsreichste und größte Schmuckfedernhersteller Europas.

Donald Duck

Besonders beliebte Schmuckfedern waren schon immer Hahnenfedern – grad bei uns im Alpenraum. Die sichelförmige Schwanzfeder vom sprichwörtlich streitlustigen Gockel, besonders kostbar die eines sich aufgockelnden Spielhahns, die sogenannte Schneid, die haben sich die Burschen gern an den Hut gesteckt – und damit Mut und Kraft, Schneid eben, demonstriert. Wollte man einen Händel anfangen hats geheißen Was kost dSchneid? – sOwatoan war die Antwort. Und tatsächlich hat man dann dem Verlierer den Schneid obkafft, er hat im Wortsinn Federn lassen müssen. Ein anderer hat sich damit als Zeichen seines Sieges geschmückt. Sowas ist dem Donald Duck, bekennende Donaldisten sagen Donald Duck noch nicht passiert, obwohl er eine überaus streitlustige und dabei ewig verlierende Ente ist. Zum kleinen Kreis derer, die den gefiederten Einwohnern Entenhausens ein Gesicht geben dürfen, gehört der Münchner Jan Gulbransson. Gulbransson ist übrigens der Enkelsohn des berühmten Simplicissimus-Zeichners und Karikaturisten Olaf Gulbransson, der sich Anfang des 20. Jahrhundert ein Haus am Englischen Garten gekauft hat. Dort wohnt jetzt sein Enkel und zeichnet und textet tagtäglich Geschichten rund um das wohl berühmteste Federvieh aller Zeiten.

Bayerische Federn

In allen Völkern und Kulturen galten Federn schon immer als wichtige Symbole für Macht; Kraft, die letztlich über das menschliche Maß hinausgeht, also nur göttlichen Ursprungs sein kann: Vom ägyptischen Amun, der eine Krone aus Federn trägt, über den Vogel Phönix, einem uralten Symbol der Wiederauferstehung von den Toten oder Zeus, für den der majestätische Adler und seine Federn stehen bis zu den federweißen Engeln des christlichen Himmels. Und tatsächlich war vom Menschen noch lang nicht die Rede, da hat es längst Federn gegeben. Bekanntlich haben ja die zweibeinigen Raubsaurier der Jurazeit vor rund 150 Millionen Jahren allmählich angefangen, Federn zu entwickeln und sich damit in die Lüfte erhoben - die Vögel sind ihre Nachkommen. Das älteste bisher bekannte dieser Federtiere heißt Archäopteryx. Der griechische Name des berühmten Urvogels bedeutet ganz bescheiden Alte Feder. Sie können ihn sich anschauen als echte Versteinerung und quasi live im Dinosaurierpark Altmühltal. Weil Archäopteryx, der erste Vogel, ist halt ein echter Altmühltaler, ein echter Franke, ein echter Bayer. Beißt die Maus koan Faden. In diesem Sinn: Einen schönen Allerseelentag!


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