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Hintergrund Fasten

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Kein Allheilmittel Fasten gibt Impulse

Eine Fastenkur gilt vor allem als präventive Maßnahme. Sie gibt den Impuls, einen neuen Zugang zu sich und zum eigenen Körper zu finden.

Von: Justina Schreiber

Stand: 10.02.2018

Heilfasten | Bild: picture-alliance/dpa

Saft, Brühe und morgens 1 Löffel Honig in den Tee. Etwa 200 Kilokalorien nimmt man beim Fasten täglich zu sich. Am Alltag sind es meist mehr als zehnmal so viele. Die reduzierte Energiezufuhr ermöglicht dem Körper, Selbstregulationsmechanismen in Gang zu setzen. Vor allem Typ-2-Diabetes-Patienten, aber auch Menschen, die an anderen chronischen Krankheiten leiden, profitieren von einer Fastenkur.

Wer auf keinen Fall fasten sollte:

  • Menschen, die an akuten Psychosen oder auszehrenden Krankheiten wie Krebs leiden und noch nicht stabil behandelt sind
  • Patienten mit entgleisten Stoffwechselzuständen wie Typ-1-Diabetes oder einer Schilddrüsenüberfunktion
  • Schwangere, stillende Mütter, Kinder und Jugendliche
  • Demenzkranke und alte Menschen mit Untergewicht

Wann Fasten gut tut:

  • Bei Depressionen und Erschöpfungszuständen wie "Burnout"
  • Bei chronischen Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht, kurz bei Fettstoffwechselstörungen oder dem metabolischen Syndrom
  • Bei Rheuma und anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen

Während des Fastens tritt eine tiefgehende Veränderung im Organismus ein. Aber: Wer sich nicht um grundsätzliche Verhaltensänderungen bemüht, verschenkt die positive Wirkung einer Kur. Sprich: Erst ein neuer, gesünderer Lebensstil garantiert langfristige Erfolge wie dauerhaft verbesserte Laborwerte oder eine Gewichtsreduktion.

"Gute Ernährung und Fasten gehören zusammen. Die Fastenkur soll Impulse für ein in Zukunft genussvolleres und gesünderes Leben liefern, indem sie die Achtsamkeit für Körperbedürfnisse weckt."

Dr. Walter Kronsteiner, Chefarzt der Kurpark-Klinik, Überlingen

Wie geht es weiter?

Eine gelungene Fastenkur wirkt meist sehr motivierend. Sie stellt ein echtes Erlebnis dar. Man spürt ganz konkret, dass und wie man Einfluss auf das eigene Wohlbefinden nehmen kann.

"Das ist eine Art erlebnisorientierter Lernprozess, weil zum Beispiel Typ-2-Diabetes-Patienten direkt merken, die Werte werden nicht ein Vierteljahr später besser, sondern innerhalb weniger Tage. Das ist ein enormes Motivationsinstrument für viele Menschen, aus einer etwas verfahren erscheinenden Situation einen Neuanfang aus eigenen Kräften heraus zu wagen."

Dr. Walter Kronsteiner, Chefarzt der Kurpark-Klinik, Überlingen

Neuanfang wagen

Ein erster Schritt ist getan. Nun gilt es, das in der Klinik oder beim Selbststudium Erlernte anzuwenden. Und zwar:

  • Sich vollwertig und - bei Übergewicht - kalorienreduziert zu ernähren
  • Sich täglich zu bewegen: Eine halbe Stunde spazieren gehen genügt!
  • Sich regelmäßig Pausen und inneren Rückzug zu gönnen  

Die Gefahr besteht, dass die geschmolzenen Pfunde schnell wieder auf den Rippen sind. Deshalb müssen Übergewichtige umso konsequenter darauf achten, dass sie langfristig weniger Kalorien als vor der Kur zu sich nehmen und sich deutlich mehr bewegen.

Und noch etwas hilft, das Gewicht zu halten:

  • Sich an die Freiwilligkeit des Verzichts und den seelischen Gewinn zu erinnern

Immer wieder fasten

Nicht wenige Menschen machen einmal im Jahr eine Fastenkur, für sich allein oder in einer Gruppe. Es gibt auch die Variante des intermittierenden Fastens: Man legt einmal pro Woche 16 Stunden ohne feste Nahrung ein oder macht sogar zwei Tage lang Tee-/Saftfasten. Empfehlenswert sind auch sogenannte Entlastungstage mit jeweils ausschließlich rohem oder gedünstetem Gemüse oder auch Reistage. Es geht darum, sich hypokalorisch, also unterkalorisch, zu ernähren und den normalen Grundumsatz des Körpers zu unterschreiten. Rohkosttage haben den Vorteil, dass man sich mit dem ungekochten Gemüse viele Ballaststoffe, Mineralstoffe und Vitamine zuführt. Oder man isst morgens ein kleines Müsli, mittags gedünstetes Gemüse und abends eine Suppe, so dass man auf maximal 500 Kilokalorien kommt.

"Das ist schon so wenig im Vergleich zur alltäglichen Ernährung der meisten Menschen, dass es dieselben körperlichen Reaktionen bewirkt, wie wenn sie nur Suppe und Tee zu sich nehmen würden."

Dr. Walter Kronsteiner, Chefarzt der Kurpark-Klinik, Überlingen

Lese-Tipps:

Ein Klassiker zum Thema:
Dr. Hellmut Lützner: "Wie neugeboren durch Fasten", GU Ratgeber Gesundheit


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