Bayern 2


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Ein Lehrer auf Reisen „Fahren Sie einfach los …“

Weil er mehr über die Herkunftsländer seiner Schülerinnen und Schüler erfahren wollte, reiste der Lehrer Jan Kammann um die Welt.

Stand: 11.09.2018

Buchcover "Ein deutsches Klassenzimmer" von Jan Kammann | Bild: Malik-Verlag

Zum Schulanfang in Bayern sprach die radioWelt mit einem außergewöhnlichen Lehrer: Jan Kammann wollte etwas von und über seine Schüler lernen. Weil mehr als 20 Nationen in seiner Klasse vertreten sind, wollte er mehr über die Heimat seiner Schülerinnen und Schüler erfahren. Dafür war er mehrere Monate auf Reisen – unter anderem in Kuba, Nicaragua, Süd-Korea, Russland und in Ghana. Seine Erlebnisse hat er in seinem Buch „Ein deutsches Klassenzimmer“ beschrieben.

Wann kam Ihnen die Idee für diese Reise?

Jan Kammann: Einen konkreten Zeitpunkt kann ich Ihnen nicht sagen, aber eigentlich hatte ich von Anfang an ganz großes Interesse daran zu erfahren, wer da sitzt. Ich bin eben ein neugieriger Mensch. Wir sind ein Gymnasium und haben internationale Vorbereitungsklassen. So heißen diejenigen Schulklassen, in die erst mal alle Schüler hinkommen die Deutsch lernen müssen. Das tun sie für ein Jahr und nach Ablauf des Jahres, und nach Ablegen eines Sprachdiploms, kommen sie dann entsprechend in reguläre oder normale Schulklassen. Am liebsten hätte ich alle 22 Herkunftsländer meiner Schüler bereist, aber alle habe ich doch nicht geschafft.

Wie haben Sie diese Reise organisiert?

Jan Kammann: Als Lehrer kann ich relativ leicht ein Sabbat-Jahr beantragen, ein echtes Privileg. Das habe ich dann auch getan im Jahr 2015/16, und im Schuljahr darauf konnte ich dann losfahren, mit meinem halben Gehalt. Weil ich ein Jahr davor nur die Hälfte meines Gehalts für volle Arbeit bekommen habe. Bevor es losging, hat mir jeder einzelne Schüler einen Reiseführer gebastelt. Da waren kleine Sprachführer drin, kulinarische Spezialitäten, und auch Tipps, was man tun sollte, oder was man besser lassen sollte.

Welche Länder haben denn nun die größten Eindrücke bei Ihnen hinterlassen?

Jan Kammann: In der Rückschau rede ich ganz sicher am häufigsten über den Iran, weil das, was ich dort gesehen und erfahren habe, überhaupt nicht deckungsgleich ist mit dem, was man hier in den Medien hört und sieht. Das war etwas völlig Anderes. ,Ich möchte eigentlich gar nicht viele Worte machen‘, schrieb der Schüler sinngemäß, ,fahren Sie einfach los, der Iran ist großartig.‘ Eigentlich war das auch der perfekte Tipp für den Iran. Die große Zivilisiertheit der Menschen, die Gesprächskultur fand ich sehr angenehm. Ich habe so angenehme Begegnungen gehabt und mit so angenehme Menschen gesprochen.

Wie hat diese Erfahrung Ihre Arbeit als Lehrer verändert?

Jan Kammann: Es fängt schon damit an, dass ich viele Schüler jetzt mit ,Hallo‘ in ihrer Landessprache begrüßen kann und auch, dass ich jetzt einfach weiß, wo sie geografisch herkommen. Die Schüler fühlen sich dann sehr wertgeschätzt und wir haben dann einen ganz anderen Start.


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