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Brustkrebs Experten sehen neuen Bluttest skeptisch

Heidelberger Mediziner haben einen Bluttest vorgestellt, mit dem Brustkrebs früh und schonend erkannt werden soll. Renate Haidinger, Vorstand bei Brustkrebs Deutschland e.V., sieht den Test noch skeptisch. Sie sagt, dass es dazu noch keine vollständige wissenschaftliche Auswertung gibt.

Stand: 22.02.2019

Nicht nur die Erfinder selbst, auch Experten sagen, dieser Bluttest sei ein Meilenstein in der Brustkrebsdiagnostik. Teilen Sie diese euphorische Einschätzung?

Im Moment teile ich sie noch nicht. Ursprünglich sollten 2000 Frauen angeschaut werden, und momentan ist man erst bei 900. Erst muss die volle Zahl erreicht werden, um wirklich aussagekräftig zu sein. Außerdem muss es auch eine wissenschaftliche Auswertung mit einer Veröffentlichung geben, damit man nachvollziehen kann, was in dieser Studie genau untersucht wurde.

Dieser Bluttest ist als Frühwarnsystem gedacht. Nach ihm sollen die Frauen zu weiteren Untersuchungen überwiesen werden, wenn der Test positiv ausfällt. Was bringt er dann überhaupt, ist er einfach nur schneller und weniger unangenehm als eine Mammografie?

Wenn es so funktioniert, wäre das eine schöne Sache. Aber ich frage mich: Was passiert mit den Frauen, bei denen man in dem Bluttest etwas gefunden hat, dann die Bildgebung macht und in der Bildgebung nichts findet? Werden die dann einfach behandelt aufgrund des Bluttests? Weiß man dann überhaupt, welche von den verschiedenen Arten Brustkrebs die Frau hat? Oder muss man dann in einem bestimmten Abstand immer wieder sämtliche bildgebende Verfahren machen?

Wie viel Sicherheit bieten denn andere Untersuchungsmethoden, die es jetzt schon gibt, also die Mammografie, Ultraschall oder MRT?

Wenn eine familiär genetische Disposition festgestellt worden ist – das betrifft etwa 15 bis 18 Prozent der Frauen – dann bekommen die Frauen in regelmäßigen Abständen ein MRT. Damit kann man bei jüngeren Frauen aufgrund der Dichte des Drüsengewebes der Brust eher etwas finden. Bei älteren Frauen werden Mammografie und Ultraschall kombiniert.

Trotz dieser Vorsorgemöglichkeiten sind im letzten Jahr 70.000 Frauen neu an Brustkrebs erkrankt. Woran liegen diese hohen Zahlen?

Wenn man untersucht, verhindert man damit nichts – ein Brustkrebs entsteht trotzdem. Aber man findet ihn möglichst früh, gerade auch, wenn wir an das Mammografie-Screening denken für die 50- bis 69-Jährigen, die alle zwei Jahre dazu eingeladen werden. Dadurch kann man sowohl von der Operation als auch oft von der Behandlung sehr viel leichtere, nicht so belastende Methoden wählen. Die Heilungsraten, wenn der Brustkrebs früh gefunden wird, liegen bei 85 bis 90 Prozent. Trotzdem kann der Brustkrebs noch nach 10, 15 Jahren im Körper streuen.


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