Bayern 2


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Arrangierte Ehen und die Liebe Auguste von Bayern und Napoleons Stiefsohn

Auguste Amalie, Tochter vom späteren König Max I. Joseph, und "schönste Prinzessin" soll mit Eugène Beauharnais, Stiefsohn Napoleons verheiratet werden. Ein Schock! Was mit "lang anhaltenden Ohnmachten" Augustes begann, endete in einer großen Lovestory zwischen Mailand, Paris und Ismaning.

Von: Thomas Kernert

Stand: 17.07.2021 | Archiv

Hätte es damals bereits Paparazzi und Klatschreporter in großer Stückzahl gegeben, sie hätte sich nicht aus der noch recht bescheidenen Münchener Residenz hinauswagen können. Sie galt als die „schönste Prinzessin ihrer Zeit“: Auguste Amalie, die älteste Tochter des nachmaligen ersten Königs von Bayern, Max I. Joseph.

Ein Königreich für eine Zwangsehe

Eugène Rose de Beauharnais, Stiefsohn von Napoleon Bonaparte

Ihre Schönheit stelle sie allerdings vor ein gewaltiges Problem: Napoleon, der Schrecken des alten Europas, wollte sie für seinen Stiefsohn Eugène Beauharnais zur Frau.

Auguste schrie, hyperventilierte und fiel - angeblich - in „langanhaltende Ohnmachten“, doch es half alles nichts. Wenn Bayern ein Königreich (von Napoleons Gnaden) werden wollte, musste die schöne Auguste eine Französin werden. Der Preis war heiß, aber unvermeidbar.

Tausche Frau gegen Weltreich!

"Der Raub der Sabinerinnen", Skulptur des Bildhauers Gianbologna

Erstaunlich begehrte Tauschgüter in fast allen Miseren zu fast allen Zeiten waren - Menschen, genauer gesagt: Frauen, noch genauer gesagt: junge, hübsche, gebärfähige Frauen. Im Vergleich zum nackten Frauenraub - Humanisten erinnern sich an die armen Sabinerinnen - mag die Praxis des Frauentausches ein zivilisatorischer Fortschritt gewesen sein, für die Frauen, nun ja ... Geraubt oder getauscht ist wie gegrillt oder mariniert: Am Ende wird man ungefragt gefressen. Heute ist 'Frauentausch' eine Sendung bei RTL.

Auf die höchste Zivilisationsstufe führte den Frauentausch indes nicht das kommerzielle Fernsehen, sondern der europäische Adel. Unter dem Geheimcode „Tu felix austria nube“ - „Du, glückliches Österreich, heirate!“ tauschten sich einst die Habsburger ein ganzes Weltreich zusammen. In allen Ländern des Erdkreises hatte man seine Finger resp. Töchter im Spiel. Was den Männern und Söhnen Kontakte, Verbindungen, Familienbande, Erbrechte und Landgewinne einfuhr.

Gleiches taten selbstverständlich auch die anderen, die Franzosen, die Engländer, die Spanier, die Portugiesen, die Russen, die Preußen, sowie die Bayern. Frau gegen Acker, Frau mit Acker, war ein gängiges Geschäft. Jeder Bauer kannte es. Frau gegen Königstitel hatte insofern nichts wirklich Aufregendes an sich.

Aus der arrangierten Ehe wurde schließlich doch noch eine große Lovestory

Und so trat sie am 14. Januar 1804 wie ein Opferlamm vor den Traualtar, bereit ihr Glück für Bayern hinzugeben. - Doch was machte das Glück? Es ließ sich nicht opfern, nicht hingeben, sondern ganz im Gegenteil: Es blieb bei den beiden, Auguste und Eugène, und überdauerte wahrlich turbulente Zeiten zwischen Mailand, Paris und Ismaning.

Letzte Ruhestätte in der Fürstengruft von St. Michael in München

Auguste Amalia Ludovika Prinzessin von Bayern, verheiratete de Beauharnais, Vizekönigin von Italien, Herzogin von Leuchtenberg, Fürstin von Eichstätt verstarb im Mai 1851 mit 63 Jahren im Palais Leuchtenberg zu München an einer Lungenentzündung. Ihr Sarkophag steht neben dem ihres Mannes Eugène de Beauharnais in der Fürstengruft von St. Michael im Herzen von München.

Bayerns napoleonische Jahre im Zoom


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