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Grundregeln der Ernährung Ernährungsmängeln vorbeugen

Der beste Schutz vor ernährungsbedingten Mangelerscheinungen heißt: ausgewogen essen und trinken! Wer auf Abwechslung achtet, hat schon viel gewonnen!

Von: Holger Kiesel

Stand: 29.06.2018

Es ist immer besser, einem Ernährungsmangel vorzubeugen, als eine Mangelernährung therapieren zu müssen.

Regelmäßig essen

Um unseren Nährstoffbedarf zu decken ist eine regelmäßige und individuell ausreichende Nährstoffzufuhr erforderlich. Immerhin hängen davon unsere geistige und körperliche Leistungsfähigkeit, die Lebensqualität sowie ein starkes Immunsystem ab. Drei Mahlzeiten sind empfehlenswert. Abends sollte man jedoch nicht mehr so viel zu sich nehmen, um seine Schlafqualität nicht unnötig zu verschlechtern. Hilfreiche Ernährungstipps gibt auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Obst und Gemüse

'Nimm fünf am Tag, immer eine Hand voll', lautet ein Merksatz. Obst und Gemüse decken so den täglichen Bedarf an Vitaminen, Spurenelementen, Ballaststoffen und Mineralien. Wird diese Bedarfsdeckung nicht erreicht, müssen möglicherweise bestimmte Vitamine oder Spurenelemente künstlich zugeführt werden.

Vegetarisch oder vegan?

Zu den Vegetariern ist zu sagen, dass sie nicht unbedingt besonders anfällig für Ernährungsdefizite sind, zumindest sofern sie immer wieder auch Milchprodukte und Fisch zu sich nehmen. Bei Veganern dagegen kann es durchaus zu Mangelerscheinungen kommen, die dann möglicherweise 'künstlich' ausgeglichen werden müssen. Besonders häufig ist hier ein Mangel an Vitamin B 12, der zu Blutarmut (Anämie) führen und vor allem für Schwangere und ihr ungeborenes Kind gefährlich sein kann. Versuche, fehlendes Vitamin B 12 über Algen auszugleichen, waren bislang nicht besonders erfolgreich.

Einen Mangel erkennen

Wer bei sich einen Nährstoffmangel vermutet, sollte einen spezialisierten Ernährungsmediziner aufsuchen. Dieser kann dann zunächst am Gewichtsverlauf ablesen, ob möglicherweise eine Mangelernährung vorliegt. Dazu wird als erstes anhand von Größe und Gewicht des Patienten die optimale Körpermasse berechnet. Auch der BMI kann als Kriterium herangezogen werden, ist aber umstritten. Hier gilt allgemein ein Wert unterhalb von 20 kg/m² als kritisch.

Weitere Diagnostik

In der weiteren Diagnostik kann etwa eine Hautfaltenmessung, bei der mit Hilfe einer Zange die Schichtdicke des Unterhautfettgewebes bestimmt wird, oder die sogenannte 'Bioelektrische Impedanz-Analyse' Aufschluss geben, ob ein Mangel vorliegt. Letztere ist eine Methode zur Bestimmung der Körperzusammensetzung. Es werden Wasseranteil und der Anteil an stoffwechselaktiver Körperzellmasse gemessen. Hierbei handelt es sich um Zellen, die Sauerstoff verbrauchen und reich an Kalium sind (Muskeln und Organzellen).

Der Weg zur richtigen Therapie

Mangelernährung ist der zusammenfassende Begriff für eine ganze Reihe einzelner Diagnosen und damit ein Syndrom. Die eigenständigen Einzeldiagnosen unterscheiden sich voneinander und erfordern eine unterschiedliche Behandlung, in jedem Fall aber eine Ernährungstherapie, die vom normalen Ess- und Trinkverhalten abgegrenzt werden muss. Die Mangelernährung als solche stellt eine Umstellung des gesamten Stoffwechsels dar. Dieser stellt auf Katabolie, also Abbau körpereigener Masse, um. Weitere Umstände, wie eine Krebserkrankung, eine Chemotherapie und eine Strahlentherapie verstärken die Katabolie-Rate. Deshalb ist es so wichtig, den Patienten über den gesamten Behandlungsverlauf zu begleiten.

"Leider wird dies oft zu wenig berücksichtigt. Die Verbesserung des Ernährungszustandes durch Ernährungstherapie findet nur ungenügend Berücksichtigung, was zu einer schlechteren Lebensqualität, zu höheren Komplikationsraten und durchaus auch zum Therapieabbruch führen kann. Dem Gesundheitssystem drohen unnötig hohe Kosten."

Dr. Jens Putziger, zertifizierter Ernährungsmediziner und Leiter der Arbeitsgruppe Mangelernährung beim Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner


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