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Equal Pay Day Frauen verdienen immer noch weniger als Männer

Heute ist der Equal Pay Day – ein internationaler Aktionstag, der auf die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen aufmerksam machen will. Im Bundesdurchschnitt erhalten Frauen 21 Prozent weniger Lohn, in Bayern sollen es sogar 24 Prozent sein. Interview mit Uta Zech, Präsidentin des BPW Germany.

Stand: 18.03.2019

Wie sehr nervt es Sie, dass wir heute, am 18. März, den Equal Pay Day begehen müssen?

Eigentlich wäre ich froh, wenn wir den nicht mehr begehen müssten. Aber in Deutschland ist es ja noch nicht so. 21% Lohnunterschied, das ist noch eine ganze Menge und ein langer Weg.

Nun werden diese 21% häufig relativiert, weil die sich auch daraus ergeben, dass Frauen häufig in Teilzeit und in Minijobs arbeiten, und im Zweifel eher Friseurin sind als Ingenieurin, und da sagen dann die Kritiker. Was sagen Sie?

Dieses Jahr beschäftigen wir uns ja mit dem Thema „Wertsache Arbeit“. Und es gibt eine wunderbare Untersuchung von der Hans-Böckler-Stiftung, die nennt sich „Comparable Worth Index“, und die untersucht, wie geschlechtsneutrale Kriterien bei der Berufsbezahlung sich auswirken würden. Das erste Kriterium ist Konsequenz: Was kann jemand? Das zweite ist Verantwortung; und zwar nicht nur in Führungspositionen, sondern auch für das Wohlergehen von Menschen. Das dritte sind die psychosozialen Anforderungen, wie z.B. Kommunikationsfähigkeit. Und der vierte Punkt sind die physischen Anforderungen, also die körperlichen Anforderungen, zu denen etwa auch Lärm- oder Staubbelästigung gehören. Und würden wir die Berufe nach diesen Kriterien beurteilen, dann müssten die frauentypischen Berufe besser bezahlt werden als wir das im Moment tun. 

Diese Problematik ist schon lange bekannt.Haben Sie Hoffnung, dass wir da noch neue Wege beschreiten werden?

Ich glaube, das ist wirklich ein gesellschaftliches Problem. Als erstes: Es ist keine Frauenfrage, mit der wir uns beschäftigen, sondern tatsächlich eine gesellschaftliche Frage. Es ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Und außerdem steht die Gleichberechtigung im Grundgesetz. Wir feiern ja dieses Jahr 70 Jahre Grundgesetz, aber in der Realität sind wir da noch nicht so weit. Es ist ja auch so, dass wir frauentypische Berufe tatsächlich weniger wertschätzen. Also alles was mit Sozialem, Pflege, mit Erziehung zu tun hat, da sind wir immer noch der Überzeugung, dass das weniger wert ist, eben auch in der Bezahlung als tatsächlich produktive Berufe. Das bedeutet, wir müssen uns auch überlegen, wie wollen wir in Zukunft leben? Ist uns tatsächlich Produktivität so wichtig? Oder ist uns Pflege, und wenn wir alt werden (und wir werden alle älter), ist uns da wichtig, dass wir wertschätzend bezahlen?

Aber selbst wenn wir über die gleichen Berufe sprechen, gibt es eine Gehaltslücke von sechs Prozent. Das ist doch eine Diskriminierung von Frauen, die gar nicht zu rechtfertigen und zu relativieren ist, oder?

Genau so ist es. Selbst wenn wir sagen, es sind "nur" sechs Prozent, sind es ja immer noch, wenn wir von etwa von 35 Erwerbsjahren ausgehen, 50.000 Euro, die die Frauen weniger verdienen als die Männer, wenn wir von einem Gehalt von 2.000 Euro im Monat ausgehen. Und interessant ist auch, dass besonders in den höheren Führungspositionen der Gender Pay Gap sogar bei 28% liegt. Also da müssen wir nochmal genau hingucken. Und ich glaube da spielt es auch eine Rolle, dass wir die Arbeit von Frauen tendenziell schlechter bewerten als die von Männern.

Wir haben jetzt seit über einem Jahr das "Entgelt-Transparenz-Gesetz". Da kann man dann erfahren, wenn der Betrieb groß genug ist, ob der männliche Kollege in gleicher Position mehr verdient oder nicht. Hat uns das irgendwie weitergebracht?

Positiv betrachtet ist es so, dass es immerhin in 10% der Betriebe Anfragen gab, dass immerhin 12% der kleineren Betriebe und 23% der größeren Betriebe ihre Lohnstrukturen zumindest angeschaut haben, das ist das Positive. Also, wir überlegen schon mal. Offensichtlich hat sich nicht so viel verändert. Am Freitag hat das Statistische Bundesamt ja den neuen Gender Pay Gap verkündet, und der liegt immer noch bei 21%. Ich glaube, dass es hier die Aufgabe ist von Frauen, nachzufragen, man muss ja nicht sofort klagen, aber fragen schadet nichts, und kann einfach Lohnstrukturen klarmachen. Wenn das alles nicht hilft; wenn die Unternehmen das nicht als Chance sehen, ihren Betrieb gerade für junge Arbeitsuchende als begehrlich aufzustellen, dann müssen wir das Entgelt-Transparenz-Gesetz nachrüsten. Und zwar: wichtige wäre etwa ein Verbands-Klagerecht, also dass nicht einzelne klagen müssen, sondern durch einen Verband gestützt klagen können, wichtig wären einheitliche Kriterien, nach denen nach Lohndiskriminierung geforscht wird, und wichtige wäre auch noch, dass es Sanktionen gibt, falls sich herausstellt, dass Betriebe diskriminierend bezahlen.


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