Bayern 2


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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Winterkorn

VW bleibt sich wenigstens treu. Sie zahlen den Geschädigten im Diesel-Skandal so gut wie nix, sie verlangen dafür aber auch von den Managern so gut wie nix, weniger als ein Prozent der Schadenssumme und das meiste davon zahlt dann auch noch deren Versicherung. Das ist doch mal eine klare, geradlinige Firmenpolitik, nach innen wie nach außen. Das schafft vertrauen. Und wie hieß es doch gleich in der VW-Werbung: Es läuft und läuft und läuft… oder so ähnlich. Eine Glosse von Helmut Schleich.

Von: Helmut Schleich

Stand: 11.06.2021

Es geht halt einfach nichts über eine gute Versicherung. Wenn Sie einen Kratzer ins Parkett machen und haben eine Haftpflicht: Kein Problem. Ein bisserl Eigenbeteiligung, das schon, aber das Gros, das übernimmt die Versicherung.

Genauso ist das jetzt bei Martin Winterkorn und VW. Gut, der Kratzer, den der ins Parkett von VW gemacht hat, der ist tiefer als der Marianengraben und der Gesamtschaden ist so hoch, dass er alles in allem nicht zu beziffern sein wird. In so einem Fall bekommt dann der Bergriff „Schaden- ERSATZ“ eine völlig neue Bedeutung.

Der Ersatzschaden, der wurde jetzt beziffert und der beträgt bei Herrn Winterkorn persönlich 270 Millionen Euro. Davon zahlt 259 Millionen die Versicherung und die restlichen 11 Millionen, ja, die muss er wohl oder übel selber bezahlen. Eigenbeteiligung eben. Wie gut, dass er damals von VW so eine schöne Abfindung bekommen hat. In dem Topf ist garantiert genug drin.

Und dieses Geld braucht er eh nicht, weil er ja zusätzlich von VW 3100 Euro Betriebsrente kriegt. Davon kann man im Alter leben, wenn man mietfrei wohnt, besonders wenn diese 3100 Euro nicht der Monats- sondern der Tagessatz sind. Alles Peanuts eben!

Interessant ist ja der Versicherungsanteil: Wenn Ihr Parkettschaden sagen wir 500 Euro kostet, dann zahlen sie einen Hunderter und die Versicherung 400. Das kann man sich vorstellen. Aber 259 Millionen Euro?

Auf welchem Baum wächst das Geld, das die Versicherung da VW rüberschiebt?

Auf welchem Baum wächst das Geld, das die Versicherung da VW rüberschiebt? So wahnsinnig viele von diesen sogenannten D&O Policen wird es ja nicht geben, dass derartig hohe Schadensummen über die Prämien abgedeckt sind, oder? Ist die Management- Haftpflicht am Ende ein Zuschussgeschäft? Oder anders gefragt: zahlen Sie mit ihren Versicherungs- Prämien den Schaden vom Winterkorn mit? Ich meine, Solidarität steht ja momentan hoch im Kurs. Das wäre mal eine interessante Interpretation des Solidaritätsgedankens: Die Kleinen halten zusammen, damit es der Großen nicht naß nei geht.

Ein Glück, dass es solche Haftpflicht- Versicherungen nicht auch für Politiker gibt. Allein die Schäden, die Spahn und Scheuer angerichtet haben, übersteigen jede mögliche Deckung durch Prämieneinnahmen um ein Vielfaches. Oder stellen Sie sich vor, die Grünen verklagen die Baerbock auf Schadenersatz… Ich meine, wenn die so weitermacht, sind die Grünen bis September wieder auf 10%.

So viele private Versicherungen können wir gar nicht abschließen, dass die Schäden, die die Politik verursacht von den Versicherern damit querfinanziert werden könnten! im Leben nicht. Aber das braucht’s auch gar nicht, weil die Schäden, die durch die Politik entstehen, die zahlen wir am Ende sowieso - und zwar ganz direkt.

Eben alles eine Frage der Perspektive.


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