Bayern 2


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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Wer hat was gesagt?

Beim Bund-Länder-Treffen im Kanzleramt war ein Vorschlag, aus allen Bundesländern eines zu machen. Auf diese Weise kann man den Föderalismus als Bund-Land beibehalten, hätte aber dann überall die gleichen Corona-Regeln. Die Reaktionen der Anwesenden vielen so heftig aus, dass Bayern den Vorschlag wieder zurücknahm. Eine Glosse von Helmut Schleich.

Von: Helmut Schleich

Stand: 16.10.2020

Eine gipfelige Woche liegt hinter uns und eine harte. Zumindest für alle, die das Wort „Corona“ nicht mehr hören können. Sollen ja doch einige sein.

Angefangen hat’s am Dienstag. Pressekonferenz in München. Markus Söder teilt mit, das die Maske „ein Instrument der Freiheit“ sei. Da muss man erst einmal drauf kommen. Auch wenn einigermaßen klar ist, was er uns damit sagen wollte, nämlich, dass er uns am liebsten ohne Maske gar nicht mehr aus dem Haus lassen würde, ist Freiheit nicht unbedingt die allererste Assoziation, die mir beim Anblick von Masken in den Sinn kommt.

Nachgelegt hat dann seine ziemlich gute Freundin Susanne Breit-Kessler. Die pensionierte evangelische Regionalbischöfin ließ uns Kulturschaffende wissen, dass sie an uns denkt. Ja dann kann freilich dem Kulturbetrieb in Bayern in diesen Zeiten rein gar nichts mehr passieren, wenn Frau Breit- Kessler an uns denkt. Zumal das ja nicht das Einzige war, was sie gesagt hat. Sie hat sich auch Masken für Obdachlose gewünscht, die Ärmsten der Armen, wie sie das formuliert hat. Wenn sie kein Brot haben, sollen sie halt Masken essen, so klingt das fast.

Die Dame sagt das alles auf einer Söder- Pressekonferenz, weil sie im Grundrechts- Dreierrat sitzt. Mit „Grundrechts“ ist keine politische Richtung gemeint, sondern ein Gremium, das darauf achten soll, dass die Grundrechte in Bayern durch die Corona- Massnahmen der Staatsregierung nicht beschädigt werden. Scheint so, als wäre das in besten Händen…

Aber die Woche ging ja weiter. Am Mittwoch dann Ministerpräsidententreffen in Berlin. Mit der Kanzlerin. Ihr Amtschef Braun witterte „Historisches“. Das war’s zum Glück nicht, denn um historische Beschlüsse zu fassen, dafür fehlt diesem Corona-Gremium schlicht die demokratische Legitimation. Aber auf die schaut ja im Moment sowieso keiner.

Und die Gipfel-Beschlüsse kommen auf Wiedervorlage, sagte Markus Söder

Durchgestochen - wie es heute so schön heißt - wurde eine Merkel- Äußerung. Sie soll gesagt haben, die Ergebnisse seien „nicht hart genug um Unheil abzuwenden“. „Unheil abwenden“ - klingt schon wieder religiös auch wenn bei Frau Merkel nur der Vater evangelischer Pfarrer war. Macht nichts, färbt trotzdem ab. Und die Gipfel-Beschlüsse kommen auf Wiedervorlage, sagte Markus Söder.

Das sogenannte Beherbergungsverbot kippt ja jetzt schon in einem Bundesland nach dem andern, sei’s durch Beschlüsse der Regierungen, sei’s durch Klagen.

Von der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz soll übrigens folgendes Merkel-Zitat schon vorab durchgestochen worden sein, das sie so natürlich nie gesagt haben wird: „Wenn immer alle nur meckern, können wir so was wie Corona eben nich‘ mehr machen.“

Eben alles eine Frage der Perspektive.


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