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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Viele Aufgaben

Warum hat Multi-Tasking eigentlich einen so guten Ruf? Viele Dinge gleichzeitig tun, das ist doch das Dümmste, was die Menschheit jemals hervorgebracht hat. Sehen Sie das anders? Fragen Sie mal erfolgreiche Menschen, ob sie gute Multi-Tasker sind. Eine Glosse von Nicole Hirsch.

Von: Nicole Hirsch

Stand: 07.07.2020

Blöd gelaufen: Ein spanischer Stadtrat hat bei einer Video-Konferenz mit Kollegen geduscht und dabei vergessen, die Kamera auszuschalten. Er wollte sich nur schnell abbrausen und gleichzeitig weiter zuhören, so seine Entschuldigung. Dieser Mann ist unser Mann für die Zukunft! Er dringt in eine weiblich dominierte Sphäre ein: Das Multi-Tasking. Wenn mehr Männer so arbeiten wie dieser spanische Stadtrat, können wir uns die Frauenquote und sonstiges Gleichstellungsgedöns künftig sparen! Denn dann sind diese Männer bald genauso erfolglos wie die vielen Frauen, die sich dem Multitasking verschrieben haben.

Die Sache mit dem sogenannten „Multi-Tasking“ ist das Dümmste, was die Menschheit jemals hervorgebracht hat. Leider muss hier mal die Geschlechterkarte gezogen werden. Denn Multitasking genießt sowohl bei Männern als auch bei Frauen oft einen hervorragenden Ruf, dies hat für sie selbst jedoch recht unterschiedliche Folgen.

Fakt Eins: Erfolgreiche Menschen haben keinen Bock auf Multitasking. Weil sie wissen, dass es anstrengend ist und sie damit keinen Blumenstrauß gewinnen. Wenn Sie ein fußballbegeisterter Mann sind, haben sie keinen Bock, sich auf das Champions League-Spiel im Fernsehen UND die Nudelsoße UND die Vokabel-Aufgaben der Kinder gleichzeitig zu konzentrieren. Sie schreiben auch keine Mail an den Chef währenddessen. Sondern sie konzentrieren sich auf das Fußballspiel. Vielleicht rufen Sie, wenn Sie vom alten Schlag sind, in die Küche: Ach, ihr Frauen, ihr könnt das mit dem Multitasking doch eh so viel besser als wir. Und schauen weiter Fußball.

Das wirklich Bizarre daran ist die Tatsache, dass sich manche Frauen dann auch noch geschmeichelt fühlen. Sie machen Abendessen, schreiben noch schnell während des Pastasauce-Umrührens eine Mail an ihre Chefin, rufen dem Sohn zu, „Multi-Tasking“ heißt auf Deutsch „viele Dinge gleichzeitig tun“ und wundern sich dann, wenn die Nudelsoße anbrennt, in der Mail Tippfehler sind und sie in der Firma keine Karriere machen. Denn die kann ja noch nicht mal richtig rechtschreiben!

Fokussierung ist das Zauberwort

Fakt Zwei: Menschen, die oft multi-tasken, können es notgedrungen auch besser. Sie sind dann „so ganz gut“ in allem, aber in nichts so richtig gut. Wer ein Gedicht schreiben will oder ein Flugzeug steuern, der sollte genau das tun, ein Gedicht schreiben, oder ein Flugzeug steuern. Sonst nichts. Fokussierung ist das Zauberwort. Also genau das Gegenteil von Multitasking.

Und deshalb erzählen wir ab sofort die Geschichte von den vielen erfolgreichen Frauen, die monatelang alles andere hintangestellt haben. Um ihre Doktorarbeit zu verfassen. Um dieses legendäre Pop-Album herauszubringen. Um ihre Firma in die Zukunft zu führen. Falls es richtig oldschool sein soll, sagen wir noch dazu, dass das alles nicht möglich gewesen wäre, „wenn ihnen ihr Mann nicht den Rücken freigehalten hätte“. Denn der ist einfach der bessere Multitasker. Danke, Stadtrat!


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