Bayern 2


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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Selbstdarsteller

Was darf Satire und was nicht, wo fängt sie an und wo hört sie auf oder hat sie vielleicht gar keine Grenzen? Eine Glosse von Helmut Schleich.

Von: Helmut Schleich

Stand: 26.06.2020

Haben Sie Lust auf einen schlechten Witz? Achtung: „Wo gehören Polizisten hin? Auf die Müllhalde, weil sie da unter ihresgleichen sind.“ Ist eigentlich gar kein Witz. Ist einfach eine saudumme Bemerkung und wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn dieser Spruch nicht kürzlich Teil einer Kolumne in der taz gewesen wäre. In die fügt sich der Satz wunderbar ein, weil die Kolumne so daneben ist und das regelmäßig und egal worum es geht, dass es eine helle Freude ist.

Geschrieben wird sie von Hengameh Yaghoobifarah, einer Aktivistin aus der queer-Szene. Der Aufschrei war gewaltig. Die Polizeigewerkschaft will dagegen vorgehen - erwartbar. Horst Seehofer wollte Anzeige erstatten oder vielleicht auch nicht oder doch oder schau mer mal und schließlich: Nein. Wer ihn in letzter Zeit vermisst hat, den Horst, darf beruhigt sein - er ist noch der Alte.

Auch Sigmar Gabriel hat seine zahlreichen Beratertätigkeiten kurz unterbrochen und sich zu Wort gemeldet:„Die Frau hat nicht alle Latten am Zaun!“, hat er gesagt. Das könnte richtig Ärger geben für das Jobwunder aus Goslar. Nicht wegen der „Latten“ aber wegen der „Frau“.

Diese Anrede verbittet sich Hengameh Yaghoobifarah als nicht-binäre Person nämlich. Wer da nicht korrekt gendert ist raus. Wörter wie „Frau“ oder „Mann“, „er“ oder „sie“ sind Zuschreibungen, die die freie Entfaltung einer Persönlichkeit von vorne herein blockieren. Wer so redet, ist - vereinfacht gesagt - rechts oder zumindest ein „alter weißer Mann“, womit wir wieder bei Horst Seehofer wären. Der liest keine taz- Kolumnen, der lässt sie lesen und dann haut er einen raus.

Ein Glück für die taz übrigens. Dank des gemeinsamen äußeren Feindes Horst und seiner angedrohten Strafanzeige gegen die Zeitung und damit gegen die Pressefreiheit konnte man bei der taz die Spaltung der Redaktion wohl gerade noch einmal abwenden, heißt’s.

Das kann nur der Horst!

Der Seehofer hat also einen journalistischen Totalschaden verhindert, indem er einen juristischen in Erwägung gezogen und damit einen politischen verursacht hat. Das kann nur der Horst!

Halt, stimmt nicht ganz. Denken Sie an die Geschichte bei Forchheim wo die Feuerwehr nach einem schweren Unfall den Fahrer aus seinem zerstörten Auto heraus schneiden musste und der sich dabei selber gefilmt hat. Der Voyeur des eigenen Totalschadens sozusagen. Das wäre noch eine Steigerung, die der Horst in Erwägung ziehen könnte. Aber der hat’s nicht so mit social media. Hengabeh Yaghoobifarah schon. Die wird im Netz gefeiert für ihren Quatsch. Satire darf halt alles. Auch richtig schlecht sein.

Eben alles eine Frage der Perspektive.


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