Bayern 2


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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Homeschooling überall

Die Lockerungen bei den Biergärten hat das Kultusministerium durchgedrückt. Da die Lernplattform Mebis immer noch nicht richtig geht, kam der Vorschlag, die Dokumente zwischen Schülern und Lehrern per Brieftauben auszutauschen, die stürzen nicht so oft ab, auch nicht bei hohem „Traffic“. Fehlte nur noch der Platz zum Landen. Prost! Eine Glosse von Helmut Schleich.

Von: Helmut Schleich

Stand: 08.05.2020

Jetzt ist alles wieder gut. Nicht einmal das BR-Fernsehen schreibt mehr den Befehl „daheim bleiben“ ins obere rechte Bildschirmeck. Hurra, wir dürfen wieder, was viele eh die ganze Zeit gemacht haben. Ab und zu Familienmitglieder oder Freunde treffen, und konsumieren dürfen wir auch wieder was das Zeug hält.

Gut, das mit der Schule… aber das ist ja nicht ganz sooo wichtig, wie es scheint. Und immerhin gibt’s auch hier Lockerungen. Das Kultusministerium hat erklärt: „Wer homeschoolt, muss nicht in Bayern sein, Hauptsache er hat Internet und ist übers Netz mit dem Freistaat verbunden.“ Gut, man darf im Moment zwar noch nicht nach Hawaii, aber immerhin an die Nordsee. Da lernt sich’s doch viel schöner. Theodor Storm, „Der Schimmelreiter“, im Strandkorb kriegt man doch zu einem Deichgrafen ganz einen anderen Bezug wie in einem abgeranzten bayerischen Klassenzimmer. Oder am Chiemsee. Eine Fahrt auf dem Segelboot übers Bayerische Meer, das ist angewandte Physik. Großartig.

Und da haben wir jetzt vom Biergarten noch gar nicht geredet. Da dürfen wir ja demnächst auch wieder hin. Zwar nur bis 20 Uhr, aber danach ist es ja auch wirklich gut mit Schule. Nach der dritten Maß kann man sich eh nur noch mit kreativen Fächern beschäftigen. Kunst, Musik, da braucht’s Inspiration.

Ich kann mich in meiner Schulzeit übrigens durchaus an Lehrer erinnern, die das mit uns ganz ohne Corona gemacht haben: Im Biergarten unterrichten. Und wenn es nur das Neigungsfach Schafkopf war. Aber das ginge im Moment natürlich gar nicht. Schließlich gilt ja auch im Biergarten strikt der Mindestabstand. Ein Traum für altbairische Grantler. Allein mit einer Mass und der nächste fünf Meter weg. Das gelebte „Lasst’s ma mei Ruah’!“ Auch in Teilen Frankens sollen professionelle Biergärtner daran nicht uninteressiert sein… Draußen bis 20 Uhr, drinnen bis 22 Uhr. Und das, wo doch in geschlossenen Räumen die Ansteckungsgefahr angeblich viel größer ist.

Statt Applaus wird gehupt!

Dieses Södersche Gastro-Paradoxon mag Virologen sauer aufstoßen. Beim Grantler löst es Begeisterung aus. Im Rahmen der Möglichkeiten versteht sich. Wenn der Wirt draußen am helllichten Tag um 20 Uhr abkassieren muss, kann der Grantler einen verächtlichen Blick in die Gaststube werfen, und sich mit einem missmutigen „do kannst Dich selber neihocken!“ abwenden und heim gehen. DER Abend ist gerettet!

Übrigens: Live-Kabarett findet momentan und mancherorts im Autokino statt. Und statt Applaus wird gehupt! Kein Witz. Die Szenen wird sich womöglich spalten: In blitzblanke Tesla-Comedians und subversive Gebraucht-Diesel-Kabarettisten

Eben alles eine Frage der Perspektive.


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