Bayern 2


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Ende der Welt - Die tägliche Glosse German Mut

Von wegen „German Angst“, da muss man nur mal an einem sonnigen Tag in München an die Isar oder auf einen der „Hot Spot“ Plätze gehen. Da siehst Du trotz Corona hunderte von Menschen dicht beieinander stehen, sitzen oder Sport machen, da sieht man förmlich den Mut in der Hitze flirren und zwar so viel Mut…, da könnt’s einem schon wieder angst und bange werden. Eine Glosse von Helmut Schleich.

Von: Helmut Schleich

Stand: 14.05.2021

Die Bundestagswahl rückt näher. Das sagt einem nicht nur der Blick in den Kalender, das merkt man auch an der wachsenden Erfinder-Dichte im Land. Also ich rede jetzt nicht von technischen Erfindungen wie Patenten oder bösen Sachen wie Lügen, ich rede von politischen Neu- Erfindern.

Deutschland-Neu-Erfindern, um genau zu sein. Zu denen hat sich jetzt die FDP gesellt. Und für diese Neu- Erfindung Deutschlands, braucht‘s Mut. „German Mut statt German Angst“, wie es der FDP- Generalsekretär genannt hat. Und dann folgt eine Wortneuschöpfungs- Kaskade von wahlkämpferischen Ausmaßen: Der „German Mut“ braucht einen „Tilgungsturbo“ für die Corona- Schulden, „digitale Freiheitszonen“ in strukturschwachen Regionen, ein „Kinderchancengeld“ und überhaupt: einen „Entfesselungspakt für die Wirtschaft“.

„Entfesselungspakt“, das klingt wie eine Mischung aus Houdini und Mephisto, womit wir bei Goethes Faust wären, sprich, dem Zweifel und der Verführbarkeit und damit bei der „German Angst“. Weist das FDP-Wahlprogramm hier also philosophische Tiefen aus, die man in einem Wahlkampf so nicht erwarten würde? Oder anders gefragt, kann man in Deutschland überhaupt erfolgreich einen Pakt gegen die Angst schließen?

Die Grünen zum Beispiel, die schließen einen Pakt mit der Angst indem sie sagen, der Klimawandel ist eine riesen Gefahr, aber wir können Euch davor schützen. Das kommt an im Lande.

Während ein Pakt mit der FDP bei vielen Wählern stark von der Angst geprägt ist, am Ende doch nur einer Golfspieler-Sekte auf den Leim zu gehen, die statt einer Entfesselung nur ein Jamaika- Aus zustande bringt. Muss aber nicht sein. 2021 ist schließlich nicht 2017 und eine Ampelkoalition aus CDU, SPD und FDP könnte nach der Wahl rechnerisch durchaus eine Mehrheit haben.

Umso mutiger ist es natürlich, mit Armin Laschet als Kanzlerkandidat ins Rennen zu gehen

Aber dazu bräuchte es wohl eher den „German Mut“ von SPD und CDU - und die CDU hat derzeit ja noch nicht mal ein Wahlprogramm. Umso mutiger ist es natürlich, mit Armin Laschet als Kanzlerkandidat ins Rennen zu gehen. Einfach mal nichts versprechen und das dann nach der Wahl halten. Das ist traditioneller deutscher Polit-Helden-Mut.

Aber kann man mit dem Deutschland neu erfinden? Nachdem absolute Mehrheiten für niemand in Sicht sind, wird sich nach der Wahl der am leichtesten tun, wer sich vorher am wenigsten weit aus dem Fenster gelehnt hat.

Die anderen politischen Neuerfinder müssen sich in olympischen Disziplinen üben, in denen Deutschland nicht besonders Medaillen-verdächtig ist: Zurückrudern und über- den- eigenen- Schatten- Springen. Ich bin gespannt, wer da im Herbst den meisten „German Mut“ aufbringt.

Eben alles eine Frage der Perspektive.


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