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Ende der Welt - Die tägliche Glosse Das Konjunkturpaket

Um die Wirtschaft anzukurbeln, soll ab sofort ja konsumiert und eingekauft werden was das Zeug hält - dazu wird auch gleich mal die Mehrwertsteuer gesenkt, und unser Wocheneinkauf wird dann 1,85 Euro billiger. Aber halten Sie sich ran: Das Silvesterfeuerwerk könnte das letzte Schnäppchen für lange Zeit sein. Und damit Corona im neuen Jahr nicht wieder Fahrt aufnimmt, könnte es sogar wichtig sein, alles in den Himmel zu ballern was geht... Eine Glosse von Helmut Schleich.

Von: Helmut Schleich

Stand: 05.06.2020

„Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt!“, so klang es 1982, als die Charts noch Hitparade hießen. Auch das Bruttosozialprodukt heißt heute anders, aber das was die Bundesregierung diese Woche als Konjunkturpaket zu Corona vorstellt hat, folgt dem Songtext geradezu leitmotivisch. Wir sollen wieder konsumieren auf Teufel komm raus und damit die Wirtschaft zu neuem Leben erwecken. Klingt plausibel.

300 Euro Kinderbonus pro Kind, das reicht für einen neue Playstation. Zumal die Mehrwertsteuer auch noch sinkt. Aber nur bis 31.12., also ranhalten. Das Silvesterfeuerwerk könnte das letzte Schnäppchen für lange Zeit sein, wenn es bis dahin nicht verboten ist, was ja wiederum gegen die Konjunktur wäre.

Geld rausballern, das ist jetzt nämlich angesagt. der Bundesfinanzminister spricht ja nicht umsonst von der „großen Bazooka“. So betrachtet wäre es womöglich sinnvoll, Silvesterfeuerwerk heuer ausnahmsweise ganzjährig zu gestatten, schneller kann man das Geld ja gar nicht verpulvern.

Ist übrigens mein derzeitiger Lieblings-Verschwörungsmythos: Das fast schon hysterische Feuerwerksverbot im letzten Jahr hat dazu geführt, dass die bösen Geister zum Jahreswechsel nicht hinreichend vertrieben worden sind und in der Folge als Corona-Virus fröhliche Urstände feiern konnten. Na also!

Mehr, das ist jetzt die Devise. Allein 50 Milliarden für Digitalisierung und E-Mobilität. Toll! Genau das, was die heimische Wirtschaft in den letzten Jahren verschlafen hat, bekommt sie jetzt vom Staat finanziert. Was lernen wir daraus? Es lohnt sich, in Deutschland Entwicklungen zu verpennen, es müssen nur die richtigen sein, dann zahlt die Allgemeinheit.

Eine gewisse Sehnsucht, den globalen Irrsinn zurückzufahren, die war da

Können Sie sich noch erinnern an die Zeit um Ostern? Den sogenannten Shut-Down? Und an die Formeln, dass wir jetzt zu einem bescheideneren Leben zurück finden müssen, dass weniger mehr sein kann, dass doch letztlich das Menschliche das Entscheidende sei und das der Virus alle Menschen gleich mache? Gut, der Spruch war von Anfang an Quatsch. Aber eine gewisse Sehnsucht, den globalen Irrsinn zurückzufahren, die war da.

Dass uns jetzt dieselben Leute aus der Krise hinausführen wollen, die uns zuvor jahrelang in den Irrsinn hineingeführt haben, das ist der Corona-Treppenwitz schlechthin. Die sozialen und psychologischen Deformationen, die durch Corona entstanden sind, scheinen jetzt einfach mit Geld zugekleistert zu werden. Mit Geld, das es nicht gibt, wohlgemerkt. Das muss erst erwirtschaftet werden.

„Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt…!“ Die Band damals hieß übrigens „Geier Sturzflug“. Und auch der kann ja bekanntlich ein Geschwindigkeitsrekord sein. Bis zum Aufprall.

Eben alles eine Frage der Perspektive.


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