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Emma Goldman Frauenrechtlerin, Rebellin und Anarchistin

Die »Rote Emma« war zu ihren Lebzeiten eine gleichermaßen verehrte wie gefürchtete Symbolfigur des Anarchismus. Sie setzte sich für die Rechte der Arbeiter, Frauen und Kinder ein. Zu ihrem 150. Geburtstag empfehlen wir ihre Biografie "Gelebtes Leben".

Von: Ulrike Hagen

Stand: 27.06.2019

Es ist 1981, ich bin 19 Jahre jung, und aufgebrochen aus der Enge meiner Kleinstadt zur großen Nach-Abi –Freiheitsreise in die weiten Prärien Nordamerikas. Ein Gefühl wie fliegen, und genau da kreuzt Emma Goldmans entschlossenes Gesicht meinen Weg: aufgedruckt auf einem goldgelben T-Shirt, und darunter das Zitat, bei dem ich mich sofort gemeint fühle: „If I can´t dance, I don´t want to be part of your revolution”. Das klingt so frei, so schön, dass ich das T-Shirt sofort anziehe.

…dabei hat sie den Satz wohl so nie gesagt. Aber dafür viele andere.

Emma Goldman, Kosmopolitin, Anarchistin, wird 1869 in Kaunas im heutigen Litauen geboren. Sie emigiriert in die USA, lebt als Textilarbeiterin in New York City - mitten im sozialen Elend. Dort gelangt sie in anarchistische Widerstandskreise. Bald schon erkennt sie ihr rhetorisches Talent und setzt es in landesweiten Kampagnen ein: Vor riesigen Versammlungen spricht Emma Goldman über die Daumenschrauben des Kapitalismus und die verzweifelten Versuche der Arbeiter, gerechte Löhne zu erstreiken. Sie begehrt lautstark und mutig auf für Frauenrechte, gegen die Wehrpflicht, für das Recht auf Familienplanung, die Rechte von Homosexuellen, überhaupt das Recht auf Liebe in Freiheit. Sie glaubte, dass eine freiere und gerechtere Welt möglich ist. Dafür gibt sie ab 1906 die Zeitschrift „Mother Earth“ heraus.  

Schon früh wehrt sich die Anarchistin gegen Unterdrückung

Sie hat den Mut, sich für ihre Überzeugungen ins Gefängnis stecken, verprügeln, mit Vergewaltigungsfantasien bedrohen zu lassen. Dagegen setzt sie ihre Wortgewandtheit und Klarheit ein, gegen alle Unterdrückung anzurennen und sie nicht hinzunehmen.

Früh lehnt sie sich auf gegen den Vater, der sie mit 15  verheiraten will, und schon im Alter von 13 in die Fabrik zum Arbeiten schickt. Er findet: „Mädchen brauchen nichts zu lernen! Alles was eine jüdische Tochter wissen muss, ist, wie man gefüllten Fisch zubereitet, Nudeln fein schneidet und einem Mann eine Reihe von Kindern schenkt.“

Nach einer gescheiterten Ehe trotzt sie ihm die Erlaubnis ab, nach Amerika auszuwandern, da ist sie gerade mal 17. 1889 ist das, knapp hundert Jahre vor meiner Reise, bevor ich mich nach dem Abitur in den Flieger nach Amerika setze, steigt sie aufs Schiff, und befindet selbstbewusst:

"Niemals will sie sich jemals wieder in einer Ehe unterjochen lassen, nein!"

Emma Goldman, Frauenrechtlerin

In den Augen des FBI war sie eine höchst gefährliche Frau

Emma Goldman redet immer Klartext. Und deshalb ist ihre Autobiographie auch so lesenswert: Living my Life – Eine Frau geht ihren Weg. Sie benennt klar, wenn sie Unrecht am Wegrand sieht. Was den FBI Chef Edgar Hoover zu der Einschätzung bringt, sie sei einer der gefährlichsten Anarchisten Amerikas. Aber sie lässt sich dabei nicht verbittern.

Insofern stimmt der Satz auf dem goldgelben T-Shirt schon: So hat sie das zwar nicht gesagt. Doch während ihr Lebensgefährte Alexander Berkman findet, es sei unvereinbar für einen Anarchisten, sich an Luxus zu erfreuen, während das Volk in Armut lebt, schreibt sie:

"Warum darf man Schönes nicht lieben? – Blumen zum Beispiel, Musik, Theater? Schöne Sachen sind kein Luxus. das Leben wäre unerträglich ohne sie."

Emma Goldman, Frauenrechtlerin

Emma Goldman: Gelebtes Leben

Autobiographie mit einem Vorwort von Ilija Trojanow
Sonderausgabe von 2014
Edition Nautilus
29,90 €


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