Bayern 2


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"Einsam stirbt öfter. Ein Requiem" Wie müssen wir leben, um glücklich zu sterben?

Gesche Pienings Hörspiel erzählt von all denen, die vereinsamt leben, unbemerkt versterben und schließlich von Amts wegen bestattet werden, weil niemand ihre Totenfürsorge übernehmen will oder kann.

Stand: 28.10.2020 17:06 Uhr

Eine Miniatur-Figur steht auf steinigem Gelände. | Bild: picture alliance/chromorange

→ Das Hörspiel "Einsam stirbt öfter" gleich anhören!

Als der Autorin und Theatermacherin Gesche Piening 2017 das Buch "Recht auf Trauer"  in die Hände fiel, in dem die Soziologin Francis Seek "Bestattungen aus machtkritischer Perspektive" betrachtet, hatte sie den Begriff "ordnungsbehördliche Bestattung" noch nie gehört. Inzwischen hat sich Piening intensiv mit denen befasst, die mitten in der Großstadt vereinsamen und unbemerkt sterben.

Gibt es keine Briefträgerin, die feststellt, dass die Frau, die niemals Post bekam, nun auch nicht mehr die Wohnung verlässt? Keinen Bäcker, der den Toten vermisst? Niemanden, der den Unterschied zwischen tot und lebend bezeugen kann? Pienings Hörspieldebüt Einsam stirbt öfter. Ein Requiem erkundet, was im Leben wirklich wichtig ist und fragt: Was bleibt, wenn keiner zurückbleibt, der weint? Und: Wie müssen wir leben, um glücklich zu sterben? → Autorin Gesche Piening im artmix-Gespräch über "Einsam stirbt öfter"

"Das Hörspiel ist ein Klagegesang, der teilweise die Wucht einer antiken Tragödie entwickelt"

– Stefan Fischer, Süddeutsche Zeitung

"Gesche Piening lässt in ihrem Hörspiel Raum für eine Vielstimmigkeit, die auch den Blick richtet auf das Leben davor"

– Mathias Hejny, Abendzeitung

→ Das beste ARD-Hörspiel 2020? Stimmen Sie mit ab.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Theatermacherin und Dramatikerin Gesche Piening sich mit dieser Thematik auseinandersetzt. Für das Bayern 2- radioFeature begibt "Der Tod unterscheidet nicht. Wir schon" sie sich auf Spurensuche nach den einsamen und befragt diejenigen, die sich anstelle der Angehörigen um ihre Bestattungen kümmern.

Autorin und Theatermacherin Gesche Piening

Als dritter und letzter Akt von Pienings künstlerischer Trauerarbeit war für Sommer 2020 ein Theaterstück mit der Uraufführung von sechs Requiems geplant, stellvertretend für die vielen einsam in München Verstorbenen. Dann kam Corona und hat das Theaterstück zunichte gemacht – und viele Menschen offener für das Thema. "Requiem für Verschwundene" ist nun bis zum 22. November als kontaktfreie Hörinstallation direkt neben der Münchner Kirche St. Lukas, zu erleben, der Kirche an der Isar, die für ihre wechselnden Ausstellungen bekannt ist. An sechs Stelen mit jeweils sechs Lautsprechern kann jeder und jede Einzelne unter freiem Himmel, bei freiem Eintritt und zu jeder Tages- und Nachtzeit die Requiems hören.


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