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Empfindsame Powerfrau Doris Dörrie – Erfolgsregisseurin und Bestsellerautorin

Mit ihrem Film "Männer" gelang ihr ein Welterfolg. Ihre Bücher finden sich regelmäßig auf den Bestsellerlisten. Sie selbst nennt sich eine "Schnecke auf Speed". Eine empfindsame Powerfrau, die in den gleichermaßen umkämpften Zonen des Kinos und des Buchmarkts Erfolge feiert ohne sich verbiegen zu lassen.

Von: Lydia von Freyberg

Stand: 23.04.2022 | Archiv

Einen Tag lang mit Doris Dörrie durch Schwabing wandern, um sie kennen zu lernen - das war ihre Idee. Das sei nicht so langweilig, wie einfach nur da zu sitzen und Fragen zu beantworten. Lieber unterwegs sein und sich überraschen lassen, in ihrem persönlichen Bermudadreieck, wie sie die Gegend nennt, ihr Zuhause seit über vierzig Jahren.

Interview bei vietnamesischer Nudelsuppe

Doris Dörrie in ihrem "Außenbüro", einem kleinen, vietnamesischen Lokal in Schwabing

Und sie weiß auch noch, wo es in München die beste vietnamesische Nudelsuppe gibt. Das sei jetzt die perfekte Stärkung für uns, sagt sie, "gehen wir auf eine Suppe in mein Außenbüro!"

Ein kleines Lokal, keine zehn Tische, schlicht eingerichtet, Fliesenboden. Sie setzt sich an einen der dunklen Holztische gleich am Fenster ...

Mit ihrer Komödie "Männer" wurde sie schlagartig berühmt

Szene aus Doris Dörries Film "Männer" (1985); v.l. Ulrike Kriener, Heiner Lauterbach als Gorilla und Uwe Ochsenknecht

Doris Dörrie ist ein echtes Multitalent: über 30 Spielfilme und Dokumentationen hat sie gedreht, fast ebenso viele Bücher geschrieben, Kurzgeschichten, Romane, Kinderbücher, gerade ein Sachbuch. Sie hat Opern inszeniert, ist Professorin für "Creative Writing" an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, unterrichtet auf der ganzen Welt.

Nebenbei hat sie eine Tochter großgezogen. Schlagartig berühmt wurde Dörrie 1985 mit der Komödie "Männer", ein Welterfolg, der auch in Asien und den USA die Kinos füllte.

"Ich muss raus in die Welt ..."

Doris Dörrie auf einer Bank am Alten Nördlichen Friedhof in Schwabing

Mehr als drei Jahrzehnte später begleiten wir sie nun auf einer Erkundungstour durch ihre Heimatstadt München. "Ich muss raus in die Welt, hinschauen und hinhören", sagt sie. Im vietnamesischen Imbiss wird klar, dass große Geschichten überall lauern.

Der alte Schwabinger Friedhof ist Schauplatz eines Romans, in dem Doris Dörrie den frühen Tod ihres Mannes zu verarbeiten sucht. Und in der ehemaligen Filmhochschule erklärt sie, wie jeder es schafft, beim Schreiben an seine innere Schatzkiste zu kommen.

Ihr Erzählen sei immer auch autobiographisch grundiert, sagt sie. Schließlich kann keiner aus seiner Haut - oder seinem Geist. Manche ihrer Kurzgeschichten oder Romane werden zu Drehbüchern. Das Erleben, die Literatur, der Film – alles fließt ineinander.

Gleich muss sie weiter - sagt sie - hat noch einen Termin heute. Trotzdem: noch kurz den Moment genießen, auf der Bank, unter dem Baum, hier und jetzt. Wenn wir das nicht tun, verpassen wir das Leben!

DVD-Tipps:

"Grüße aus Fukushima" (2016)
"Kirschblüten - Hanami" (2008)
"Keiner liebt mich" (1994)
"Männer ..." (1985)

Buchtipps:

Die Heldin reist
Verlag: Diogenes; 2. Edition (23. Februar 2022)

Die Welt auf dem Teller: Inspirationen aus der Küche
Verlag: Diogenes; 1. Edition (26. August 2020)

Leben, schreiben, atmen: Eine Einladung zum Schreiben
Verlag: Diogenes; Auflage: 8 (28. August 2019)

Diebe und Vampire
Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (20. Mai 2015)

Das blaue Kleid
Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (2. Januar 2004)


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