Bayern 2


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Medizin, Magie und Mut Das bewegte Leben des Dr. Walter Grein

Ulrich Chaussy hat mit Dr. Walter Grein über dessen bewegtes Leben als Arzt in Bayern, Saudi-Arabien und Togo gesprochen. Walter Grein hatte in München im Umfeld der Geschwister Scholl studiert und war selbst nur knapp einer Anzeige wegen Hochverrats entgangen.

Von: Ulrich Chaussy

Stand: 05.01.2019 | Archiv

Er ist Naturwissenschaftler und Schulmediziner, erforscht paranormale Phänomene und praktiziert Naturheilverfahren: Der Chirurg und Gynäkologe Dr. Walter Grein, geboren 1921 und ausgebildet in seiner Geburtsstadt München.

"Ich bin am 4. Januar 1921 in Schwabing geboren. Gewohnt haben wir in der Leopoldstraße am Feilitzsch-Platz in München, einem alten Haus, in dem es auch gespukt hat. Wir haben, die ganze Familie, Dinge erlebt, was meinen Vater veranlasst hat, auszuziehen."

(Dr. Walter Grein)

Er rettete einem abgestürzten US-Piloten das Leben

Er studierte in der Studentenkompanie im Umfeld der Widerstandskämpfer der Weißen Rose und entging nur knapp einer Anklage wegen Hochverrats. 1944 rettete er einen abgestürzten Piloten der US-Armee, den fanatisierte Nazis lynchen wollten.

Dr. Walter Grein

"Da stürmten zwei Männer heraus, zwei große Männer - Ich bin ja klein - und stürzten über den Amerikaner (US-Sergeant Richard Travers). Ich seh‘ ihn noch – er fiel dann auf die Knie, war auf den Knien und hat die Hände nach oben gehoben, und da haben sie ihn nieder geknüppelt. Der eine, der hat Springerstiefel angehabt, der wollte im gerade auf den Bauch springen. Das hätte der nicht überlebt. Und daraufhin habe ich mein Fahrrad hingeschmissen und bin ihm an die Gurgel gegangen. Da haben die beiden sich erst mit mir beschäftigt. Sie mussten mich ja abhalten, weiter zuzuschlagen, haben mich also verprügelt, und während die mich verprügelt haben, kam die Polizei. Die zwei mit der Pistole waren weg, die waren weg. Die hätten sich sicher wehren können, die waren weg! Ich war allein. Und dann habe ich mir eben gedacht: die sind sicher zur Polizei, denn die Polizei kam dann. Zwei Polizisten kamen und führten den Amerikaner ab. Und er hat damit überlebt."

(Dr. Walter Grein)

Dr. Walter Grein - Arzt aus Leidenschaft

Saudi-Arabien und Afrika hatten es ihm angetan

Dr. Walter Grein mit verschleierten Patientinnen in Saudi-Arabien

Nach dem Krieg hielt es Grein nicht in Deutschland. Als junger Arzt  ging er in den fünfziger Jahren nach Saudi-Arabien. In den sechziger Jahren half er, in Togo das Gesundheitssystem aufzubauen. Auf den afrikanischen Kontinent kehrte er nach ärztlichen Stationen im Allgäu in Leutkirch und Bad Wurzach immer wieder zurück.

"Und da wollte ich einfach einmal weg aus dem Land. Ich habe gesagt, dieses Land muss erst einmal zu sich selber kommen und erst einmal anfangen, Gewissenserforschung zu machen. Wo stehen wir denn überhaupt? Wo sind wir denn? Wie soll es weitergehen? Das möchte ich jetzt erstmal nicht mitmachen. Ich möchte jetzt völlig frei sein von all diesen Dingen. Und deswegen habe ich die erste Chance ergriffen, nach Saudi-Arabien zu gehen."

(Dr. Walter Grein)

1957 stieg Walter Grein in eine amerikanische Superconstellation. Er hatte einen Vertrag, abgeschlossen mit dem saudischen Gesundheitsminister, der ihn in München als Regierungsarzt am neuerbauten King-Saud-Hospital in Riad verpflichtet hatte.

Afrika wurde Seelenheimat für Walter Grein

Dr. Walter Grein mit Neugeborenem in Togo

1959 kehrte Walter Grein nach Deutschland zurück und schloss zwei Facharztausbildungen ab, zum Chirurgen und zum Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe. Vier Jahre später ging die Reise nach Afrika, nach Togo. Im Landeszentralkrankenhaus in Lome baute er die Gynäkologie- und Geburtshilfestation sowie die Hebammenschule des Landes auf. Er war jahrelang der einzige Gynäkologe in Togo. In seiner Geburtshilfestation wurden etwa 6.000 Kinder pro Jahr geboren. Grein führte ungezählte Kaiserschnitte durch. In seine Sprechstunde für ungewollt kinderlose Frauen reisten die Patientinnen aus ganz Westafrika an. Wenn in der Regenzeit bei gynäkologischen Notfällen die Anreise über Land unmöglich war, setzte sich Grein, der inzwischen den Pilotenschein erworben hatte, an das Steuer seiner Propellermaschine und flog als Buschdoktor zu den Patientinnen.

"Afrika wurde Seelenheimat für Walter Grein. Seine Augen beginnen zu leuchten, wenn er im Arbeitszimmer seiner Bad Kreuznacher Wohnung, umringt von Erinnerungstücken, von seinen Jahren in Togo berichtet."

(Ulrich Chaussy)

"Ich bin aus tiefstem Herzen dankbar!"


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