Bayern 2


7

Alexa & Co Die Gefahren der digitalen Sprachassistenten

Hinter jedem digitalen Gadget mit Mikrophon versteckt sich eine Wanze, so heißt es. Fakt ist, dass die digitalen Sprachassistenten wie Alexa Unmengen an Daten sammeln, indem sie zuhören und mitschneiden. Netzaktivistin Katharina Nocun sieht darin Gefahren.

Stand: 07.09.2018

Digitale Sprachassistenten wie Alexa von Amazon erfüllen auf Zuruf eine Menge Wünsche: Einkäufe, Anrufe, Licht an oder aus. Auch Google Home und Siri von Apple versprechen diese Hilfe. Doch die funktioniert nur, indem die Geräte die Befehle verarbeiten und somit die damit verbunden Daten speichern.

Alexa hat ein offenes Ohr

Die digitalen Sprachassistenten hören in eingeschaltetem Zustand immer mit, was zu Hause gesprochen wird. Nehmen sie ihren Namen wahr, verstehen sie das als Befehl und werden aktiv. Das Problem dabei, sagt Netzaktivistin Katharina Nocun, ist die noch nicht ausgereifte Spracherkennung. Einer Studie des Bundesverbands der Verbraucherzentralen zufolge reagiere Alexa zum Beispiel auch auf ähnliche Namen, wie etwa "Alexander" oder sogar auf "Amazonas". Außerdem kann aus "Komm Peter!" schnell "Computer" werden oder statt "Ham wir schon" "Amazon" verstanden werden.

Einstellungen der Sprachassistenten nutzen

Wichtig ist es daher, rät Nocun, die Einstellungen der Geräte so anzupassen, dass ein Ton vor jeder und nach jeder Aufzeichnung erklingt. So wissen die Nutzer genau, wann die Sprachsassistenten aktiv sind. Wer das Gerät längere Zeit nicht nutzen wird, sollte es außerdem einfach ganz ausschalten.

Daten werden weiterverarbeitet

Die Daten, die bespielweise Alexa sammelt, werden mit den Daten aus dem Amazon-Profil zusammengelegt. So kann sich der Online-Gigant ein noch besseres Bild über seine Nutzer machen. In den AGB ist das unter dem Punkt "zur Verbesserung der Dienste" abgedeckt. Netzaktivstin Katharina Nocun bemängelt, dass unter diese Formulierung praktisch alles fallen kann. Helfen könne es, wenn man die Dienste verschiedener Anbieter nutzt und somit die Datenmenge verteilt, empfiehlt Nocun. Also z.B. den Sprachassistenten von Amazon nutzen, aber online einkaufen und Emails schreiben über andere Anbieter.

Voreingestellte Suchweise

Die Anbieter der digitalen Sprachassistenten bestimmen selbst, welche Suchmaschine, welches Rezepteportal oder welchen Online-Shop etwa sie für die Ausführung der Befehle nutzen. Katharina Nocun kritisiert, dass man nicht selbst einstellen kann, welche Portale man bevorzugt. Nur dann sei Schleichwerbung weniger möglich. Dass solche Einstellungen in Zukunft möglich sein könnten, will die Netzaktivistin nicht ausschließen, auch dass die Geräte datenschutzfreundlicher werden. Notwendig dafür sei aber, dass die Politik sich dafür einsetzt.

Rechte durch Datenschutzgrundverordnung

Sobald sich die digitalen Sprachassistenten an europäische Kunden wenden, gilt EU-Recht und somit die Datenschutzgrundverordnung. Die gibt den Nutzern u.a. Auskunftsrechte gegenüber den Unternehmen. D.h. Amazon und Co müssen alle Daten aushändigen, die sie über eine Person gespeichert haben. Das könne allerdings ein langwieriger Prozess sein, so die eigene Erfahrung der Netzaktivistin mit ihrer eigenen Datenabfrage bei Amazon.


7