Bayern 2


7

Waldbrandexperte Die Feuer in Kalifornien sind nicht löschbar

In Kalifornien kämpfen die Feuerwehrleute gegen verheerende Wald- und Buschbrände. Warum die Brände nach seiner Einschätzung nicht löschbar sind, erklärte der Experte Alexander Held in der Bayern 2-radioWelt.

Stand: 16.11.2018

Waldbrände in Kalifornien | Bild: Bayerischer Rundfunk 2018

Angesichts des Flammenmeeres in Kalifornien, fragt man sich, wie sollen die Einsatzkräfte das denn in den Griff bekommen?

Alexander Held: Das kriegen die Einsatzkräfte nicht in den Griff. Denn: Das Feuerverhalten wird ja beeinflusst durch verschiedene Umweltfaktoren und diese Umweltfaktoren – hohe Lufttemperatur, niedrige Luftfeuchte, steiles Gelände, große Mengen an Brennmaterial et cetera – diese Faktoren überlagern sich zugunsten des Feuers und nicht zugunsten der Feuerwehrleute.

Heißt das, diese Brände sind eigentlich nicht zu löschen?

Zur Person

Wenn der Wald brennt, weiß Alexander Held was zu tun ist. Seit über 15 Jahren beschäftigt sich der studierte Forstwissenschaftler mit Waldbränden und gehört zu den gefragtesten Experten seines Faches: der Feuer-Ökologie, eine junge Wissenschaft, die die Wechselwirkung von Feuer und Umwelt untersucht. Schon als Kind zog Alexander Held durch die Wälder bei Augsburg mit seinem Großvater, einem Förster. Früh wollte er ein Forstamt in den bayerischen Alpen leiten. Doch während des Studiums entdeckte er dann das Feuer für sich. So kam er auch zu Großeinsätzen ins Ausland zu Waldbränden in Florida, Kalifornien und Südafrika. Als Feuer-Experte arbeitete er schon für das Max-Planck-Institut und das Global Fire Monitoring Center der UNO. Seit 2012 ist er beim European Forest Institute in Bonn.

Alexander Held: Wenn so ein Feuer mit 40 Grad Lufttemperatur angefacht wird und durch diese Föhn-Winde auch noch bergauf brennt, in einer Menge von 50, 60, 70 Tonnen Brennmaterial pro Hektar, dann kommt da ein Feuerverhalten zustande, bei dem auch keine Flugzeuge mehr helfen.

Löschflugzeuge sind verzweifelte Aktionen, die im Moment minimale Auswirkungen zeigen. Diese Feuer werden mit Sicherheit noch einige Monate brennen. Das war letztes Jahr auch so. Nur war das nicht so in den Schlagzeilen. Dass so etwas lang dauert in Amerika, das wissen wir. Das ist für uns schwer vorzustellen, weil unsere Brände, hier in Mitteleuropa, meistens an einem Tag vorbei sind.

Heißt das, die Feuer hätten nicht verhindert werden können?

Alexander Held: Feuer an und für sich; wird in einem Ökosystem wie in Kalifornien, gerade im Süden mit diesem Buschland; nie zu verhindern sein. Wir werden immer irgendwo eine Zündquelle kriegen, absichtlich oder unabsichtlich oder vielleicht sogar natürlich. Es wird immer brennen – was man tun kann, ist, die Auswirkungen dieser Brände so weit vorher zu beeinflussen, dass wir kein Katastrophen-Feuer erleben. Das heißt, wir könnten forstwirtschaftliche Maßnahmen oder landschaftspflegerische Maßnahmen ergreifen, um so Energie aus dem Ökosystem oder der Landschaft zu nehmen, dass wir keine Katastrophen bekommen. Das würde auch bedeuten, dass ich mein Haus nicht oben auf die Berggipfel baue und mich ringsum zuwachsen lasse vom kalifornischen Busch.

Also: Die Siedlungspolitik spielt mit rein, die Landschaftspflege spielt mit rein. Da könnte man was tun. Wenn der Forest-Service oder auch die kalifornische Feuerwehr Vereinigung Cal Fire, wenn die hingehen und sagen: Wir müssen jetzt großflächig kontrolliert, diese enorme Brandlast kontrolliert abbrennen, dann wären das früh im Jahr wenige Flammen, mit denen das Brennmaterial natürlich entfernt werden könnte.

Aber natürlich wollen die wenigsten Hausbesitzer eine Feuer-Schutzzone um ihre Häuser haben, weil das nicht so schön aussieht weil es eben nicht grün ist.

Dass vorab nicht kontrolliert abgebrannt wurde, das ist also durchaus ein Versäumnis, das man der Forstverwaltung vorwerfen kann?

Alexander Held: Vieles was da brennt brennt, hat nichts mit Wald zu tun, das ist Buschland. Ich denke die Behörden, egal ob Wald oder Landschaft, würden durchaus etwas tun. Die Expertise ist ja da und auch die Fachmeinung. Wenn aber die öffentliche Meinung so stark dagegen ist, dann ist es irgendwo unmöglich, auch für den Förster, etwas zu tun. Wenn er so viele Hindernisse überwinden muss, kommt man irgendwann an den Punkt, wo eben nichts passiert. Bis es dann diese Großbrände gibt und dann sind natürlich alle schlauer hinterher.

Könnten solche Brände auch bei uns hier wüten?

Alexander Held: Solche Brände haben bei uns ja schon gewütet: 1975/76 in Niedersachsen. Da sind auch Feuerwehrleute ums Leben gekommen und viele Wildtiere. Die Brandlast in der Landschaft ist bei uns auch relativ hoch. Wir haben Glück, dass wir selten diese ausgeprägt trockenen Monate haben. Und wir haben noch ein relativ dichtes Netz der Freiwilligen Feuerwehren. Wenn Ausnahme-Sommer wie 2018 sich aber häufen, wird mit Sicherheit früher oder später auch ein Großbrand passieren, der uns unsere Defizite vorführen würde. Defizite etwa bei der Feuerwehr in der Ausbildung, in der Ausrüstung, als auch im präventiven Waldschutz, präventiven Waldbau, bei Feuerschutz-Schneisen, Mineral-Streifen entlang der Wege und so weiter.


7