Bayern 2


26

170 Jahre Bavaria Weltwunder über der Theresienwiese

Seit genau 170 Jahren wacht die Bavaria über die Münchner Theresienwiese. Nichts kann sie erschüttern. Nicht einmal das zu ihren Füßen stattfindende Oktoberfest. Als die bronzene Kolossalstatue enthüllt wurde, galt sie als Weltwunder der Neuzeit.

Von: Ulrich Zwack

Stand: 03.10.2020 | Archiv

Sie ist Bayerns größte Frau: Knapp 30 Meter hoch inklusive Sockel. Majestätisch überragt die kolossale Bavaria die Münchner Theresienwiese. 

Mehrere namhafte Architekten waren am Entwurf der Statue beteiligt

Der Münchner Stararchitekt Leo von Klenze

An ihrer Entstehung waren gleich mehrere „Väter“ beteiligt. Der damalige „Star-Architekt“ Leo von Klenze etwa, der die Idee dazu hatte. Ludwig Schwanthaler, der den Entwurf und das Gipsmodell in Originalgröße lieferte. Und natürlich der geniale Erzgießer Johann Baptist Stiglmaier, der zusammen mit seinem Neffen Ferdinand von Miller den Guss durchführte.

Mit dem bronzenen Standbild entstand die erste Kolossalstatue seit der Antike, die komplett im Hohlguss-Verfahren hergestellt war. Doch es war ein langer Weg, bis die Figur endlich auf ihrem Platz stand.

Der Münchner Historiker Julian Traut

"Die Bavaria ist eine Kreation von König Ludwig I. von Bayern und stellt nicht ein singuläres Monument dar, sondern ist in Einheit zu sehen mit der Konstitutionssäule in Gaibach, mit der Walhalla in Regensburg und der Befreiungshalle in Kehlheim. Zur Bavaria in München bei der Theresienwiese ist natürlich auch noch die Ruhmeshalle zu sehen; das stellt eine Einheit dar. Bavaria und Ruhmeshalle waren die größten Nationaldenkmäler, die König Ludwig I. geplant hatte. Hintergrund war natürlich: Bayern wurde als Königreich neu gegründet und es setzte sich auch territorial neu zusammen."

(Julian Traut, Historiker)

Es dauerte 13 Jahre, bis die Bavaria endlich an ihrem Platz stand

In einem Triumphzug mit zwölf Pferden wurde der Kopf der Bavaria durch die Stadt zur Theresienhöhe transportiert (1850)

Erst nach mehr als dreizehnjähriger Plackerei, nach diversen Missgeschicken und gerade noch abgewendeten Katastrophen konnte das bronzene Prachtweib am 9. Oktober 1850 feierlich enthüllt werden.

Da herrschte ihr Auftraggeber, König Ludwig I., schon nicht mehr über Bayern, weil ihn die Liebe zu einem anderen „Prachtweib“, der Tänzerin Lola Montez, den Thron gekostet hatte. Von der Begeisterung über „seine“ Bavaria hielt das den alten Monarchen jedoch in keiner Weise ab.

Autor Ulrich Zwack besuchte Münchens letzte Bronzegießerei

Nur eine einzige Münchner Gießerei hat bis auf den heutigen Tag überlebt. Sie liegt in der Schleißheimer Straße 72 und wurde um 1900 gegründet. Heute wird sie von Hasan Göktepe unter tatkräftiger Mithilfe seiner Söhne Aslan und Selim geführt. Dass es die Gießerei immer noch gibt, glaubt Hasan Göktepe dem neuen Konzept zu verdanken, das er zusammen mit den Söhnen entwickelt hat.

"Früher haben die Chefs niemandem gezeigt, was hinten in der Werkstatt gearbeitet wurde. Wir haben dann damit angefangen, Events zu organisieren und haben in diesem Rahmen den Leuten gezeigt, was wir so im Hinterhof herstellen.

Dadurch kamen dann immer mehr Kunden. Und davon kann man eigentlich schon leben. Also Millionär kann man nicht mehr werden, aber wir leben."

(Hasan Göktepe)

"Ich glaube, wir haben es heutzutage um einiges leichter, aufgrund der Hilfsmittel, die wir mittlerweile besitzen. In Sachen Kran, in Sachen Erhitzen der Bronze und solchen Dingen.

Wir haben die Materialien ein bisschen ausgetauscht gegen modernere, einfachere und tollere Materialien, aber die Grundtechnik ist nach wie vor die alte."

(Aslan Göktepe)


26