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Ancient Bristlecone Pine Forest Die ältesten Bäume der Welt

Was für ein Anblick: knorrige uralte Kiefern mit bizarren Kurven und Krümmungen. Sie können mehr als 4000 Jahre alt werden. Zu sehen gibt es diese Bäume im Ancient Bristlecone Pine Forest in Kalifornien. Ein Besuch.

Von: Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

Stand: 24.07.2019

3000 Meter über dem Meeresspiegel auf einer Art Geröllhalde wächst ein Rekordhalter. Die Bristlecone Pine, oder auch Pinus longaeva kann über 4000 Jahre alt werden, das älteste Exemplar wird auf über 4800 Lebensjahre geschätzt. Trotzdem ist das Zuhause dieser Kiefern ein Geheimtipp.

Ranger John Kelly ist freundlich, aber deutlich. Die Rentnergruppe, die es sich abseits des Wanderwegs auf einem Baumstamm gemütlich gemacht hat, setzt sich wieder in Bewegung und kehrt zurück zum Pfad, so wie von Ranger John gebeten. 

"Passiert dauernd", sagt er mit einem Lächeln - dabei sind Besucher, die querfeldein durch den Ancient Bristlecone Pine Forest laufen, eine echte Gefahr für eben jene Bristlecone Pines, zu deutsch: Borstenkiefer.

Deren Wurzelsystem geht in diesem kargen, trockenen Dolomitboden nicht wirklich tief, sondern in die Breite. Die Bäume recken sich hier in den White Mountains gut fünf Stunden nördlich von Los Angeles knorrig und verdreht in die Höhe. Manchmal ist die eine Hälfte des Baums abgestorben und leuchtet kahl gelblich-braun, während ein weiterer Ast mit dichten Nadeln besetzt ist und weiter wächst. Sektionales Wachstum nenne man das, erklärt Ranger John.

"Normale Bäume wachsen kreisförmig, ihr ganzes Leben lang. Borstenkiefern haben Teilabschnitte. Sie fangen kreisförmig an, aber wenn eine Seite des Baums ein Problem bekommt, stirbt die Rinde ab und kann keine Nährstoffe mehr an diese Seite des Baumes leiten. Aber er wächst an anderer Stelle weiter. Das ist ihre Überlebensstrategie und deshalb werden sie so alt."

Ranger John Kelly

Mehr als 4000 Jahre - ein sensationelles Alter

Die Bäume werden so alt wie kein anderer Baum der Welt. Beispiel Prometheus - die langlebige Kiefer war mindestens 4862 Jahre alt, als sie 1964 zu Forschungszwecken gefällt wurde. Wie alt Bristlecones tatsächlich werden können, wurde erst 1953 von Edmund Schulman entdeckt. Eine Sensation, erzählt John Kelly. 
 

"Das hat die Baum-Wissenschaft wirklich auf den Kopf gestellt. Alle dachten, je größer der Baum, desto älter kann er werden. Wie bei den Giant Sequoias. Aber hier war anhand der wirklich engen Ringe im Stamm zu sehen, dass selbst unter harschesten Bedingungen ein Baum noch älter werden kann."

Ranger John Kelly

Der Baum wächst nur langsam

Der Lebensraum der Bristlecone Pines ist unwirtlich: sie wachsen in Höhenlagen von 2200 bis 3700 Metern, an Steilhängen, trotzen ständigem starken Wind und überstehen eisige, schneereiche Winter. Die Sommer sind kurz. Der Baum wächst nur langsam, gerade mal 3 Zentimeter in 100 Jahren. Sein Holz ist ungewöhnlich dicht und harzig - die perfekte Verteidigung gegen Wetterkapriolen und Schädlinge. 

Bleibt nur die Frage: warum sind die Bristlecone Pines längst nicht so berühmt wie die Giant Sequioas, die jedes Jahr Millionen Touristen in Kalifornien anziehen?

"Meine Vermutung: wir gehören zu den Staatsforsten, nicht zu den Nationalparks. Deshalb taucht der Ancient Bristlecone Forest auf vielen Listen von Urlaubern nicht auf. Zu uns kommen pro Jahr rund 50.000 Besucher. Wenn es zu den Nationalparks gehören würde, wären es sicher viel viel mehr."

 Ranger John Kelly

Die knorrigen uralten Bäume mit ihren bizarren Kurven und Krümmungen sind also ein Geheimtipp. Vielleicht ist es besser, dass es so bleibt - damit sie ganz in Ruhe immer älter werden können und zeigen, wie es aussehen kann, allen Widerständen zu trotzen. 

 


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