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Reizdarm feststellen Diagnose und Symptome eines Reizdarms

Ein Reizdarm wird nur diagnostiziert, wenn bestimmte Symptome vorliegen und andere, schwere Erkrankungen, welche für diese Symptome verantwortlich sein könnten, ausgeschlossen worden sind.

Von: Uli Hesse

Stand: 09.07.2019

Schematische Darstellung: Darm mit Sonde bei einer Endoskopie. | Bild: picture-alliance/dpa

Beschwerden wie Blähungen, Verstopfung, Bauchschmerzen und Durchfall können alle auf einen Reizdarm hindeuten. Die Diagnose kann nur durch einen Arzt - am besten einen Gastroenterologen - gestellt werden. Nahrungsmittelunverträglichkeiten, aber auch z. B. Infektionen und gefährliche Krankheiten müssen ausgeschlossen werden; bei Erwachsenen ist dafür eine Darmspiegelung notwendig.

Beschwerden

Typische Symptome sind Blähungen, Bauchschmerzen und Stuhlgangveränderungen – Durchfall oder Verstopfung, oder beides abwechselnd. Diese Beschwerden müssen mindestens über drei Monate vorhanden sein, um überhaupt die Diagnose Reizdarm in Betracht zu ziehen.

Hausarzt oder Gastroenterologe?

Der erste Weg kann zum Hausarzt führen, aber spätestens, wenn andere Erkrankungen wie z. B. eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung ausgeschlossen werden soll – und beim Erwachsenen gehört eine Darmspiegelung dazu – ist ein Besuch beim Gastroenterologen wichtig.

Ausschlussdiagnose Nahrungsmittelunverträglichkeit

Die Symptome bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten und beim Reizdarm ähneln sich; daher müssen beispielsweise eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie), sowie eine Fruktose- und Laktose-Malabsorption ausgeschlossen werden. Sie lassen sich durch Tests nachweisen. Ergeben diese Tests nichts, kann der Patient trotzdem die Nahrungsmittel, mit denen er die Beschwerden in Verbindung bringt, zunächst einmal versuchsweise weglassen. Manchmal ergibt sich dadurch schon eine Besserung. Wichtig hierbei ist, keine Weglass-Diät vor einer genauen Diagnose anzufangen, da hierdurch die Tests und die Diagnosestellung (z. B. für Zöliakie) nicht mehr möglich ist.

Ausschlussdiagnose gefährliche Krankheiten

Außerdem müssen andere, womöglich bedrohliche, Erkrankungen mit demselben Beschwerdebild ausgeschlossen werden. Dazu gehören die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa, der Darmkrebs aber auch Erkrankungen aus dem gynäkologischen Bereich wie Eierstockkrebs. 80 Prozent aller Patientinnen mit Ovarialkarzinome weisen vor der Diagnose Beschwerden wie unspezifische Bauchschmerzen auf.

Untersuchungen

Es gibt eine obligate Grunddiagnostik, welche eine Erhebung der Krankengeschichte, eine körperliche Untersuchung, Labordiagnostik, eine abdominelle Ultraschalluntersuchung und bei Frauen auch eine frauenärztliche Untersuchung beinhaltet. Gibt es keinen Hinweis auf eine andere zugrundeliegende Erkrankung, kann der Arzt mit einer probatorischen (also versuchsweise durchgeführten) Therapie beginnen. Das bedeutet aber nicht, dass ein Reizdarm damit hundertprozentig diagnostiziert ist.
Die wichtigste Untersuchung zur Diagnosesicherung bzw. zum Ausschluss anderer Erkrankungen ist bei Erwachsenen die Darmspiegelung. Bei Durchfall kommt dazu eine Probenentnahme aus dem Darm.

Neu: Die konfokale Endoskopie

Eine Arbeitsgruppe an der Universität in Kiel benutzte ein Endomikroskop, um Lösungen der vier häufigsten unverträglichen Nahrungsmittel - Weizen, Kuhmilch, Soja und Hefe - direkt auf die Darmschleimhaut zu träufeln und die Reaktion der Schleimhaut darauf zu beobachten. Gluten scheint demnach bei vielen Reizdarmpatienten ein Auslöser zu sein, und mehrere der Studienteilnehmer konnten durch eine glutenfreien Diät ihre Beschwerden reduzieren.

"Ich sehe nicht, dass alle Reizdarm-Patienten eine konfokale Endoskopie erhalten. Es wird denen vorbehalten bleiben, bei denen die Beschwerden sehr ausgeprägt sind und gängige Therapieansätze bisher vergeblich waren."

Dr. Helga Török


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