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Entgiftung fürs Haustier? "Detox" für Hunde – fragwürdiger Trend

"Detox" ist in. Den Körper nach einer Narkose, einem Antibiotikum oder einfach so zu entgiften, liegt im Trend. Was der Mensch für sich in Anspruch nimmt, will er auch seinem Haustier zukommen lassen. Aber Wissenschaftler halten Detox-Kuren für Hunde für fragwürdig.

Von: Elke Schmidhuber

Stand: 15.05.2018

Hunde-Spürnasen | Bild: picture-alliance/blickwinkel

Sie heißen "Dog-Detoxikation", Kräutermischungen, die den Hunde-Körper entgiften sollen. Je nach Größe des Tieres sollen einige Löffel unter das Futter gemischt werden. Die 500-Gramm-Dose kostet 25 Euro oder mehr. Laut Beschreibung fördern die Produkte die Ableitung von Schadstoffen aus dem Organismus des Tieres und steigern die Widerstandsfähigkeit gegen Infektionskrankheiten.

"Das ist Blödsinn, diese Kräutermischungen sind generell ein Schuss ins Blinde. Die verschiedenen Kräuter enthalten Substanzen, die pharmakologisch sinnvoll sind – und damit auch Nebenwirkungen haben. Böse gesagt: Mit Eibe oder Fingerhut kann ich auch ein Tier umbringen."

Dr. Petra Kölle, Wissenschaftlerin und Fachärztin für Ernährung an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Wechselwirkungen können fatale Folgen haben

Zu den Inhaltsstoffen der Kräutermischungen zählen zum Beispiel Mariendistel, Schlüsselblume oder Gemeines Süßholz. Die Garten-Bohne, die manche Mischungen enthalten, ist für Hunde in rohem Zustand giftig, gibt Dr. Petra Kölle zu bedenken. Dass Kräuter auf einzelne Organe wirken, bestreitet die Ärztin nicht. Viele Medikamente würden ja auch deswegen aus Kräutern gewonnen. Und gerade weil sie wirken, sollten sie mit Bedacht gegeben werden und niemals in einem Mix. Denn Kräuter haben auch untereinander eine Wechselwirkung.

"Kräuter können Substanzen enthalten, die schädlich wirken können – wie Alkaloide oder ätherische Öle. Bei Teebaumöl weiß man beispielsweise, dass es für Katzen tödlich ist. Und wenn die Kräuter länger oder etwas feucht gelagert werden, können sich Aflatoxine, also Schimmelpilze bilden. Diese können sehr toxisch wirken und die Leber schädigen."

Dr. Petra Kölle, Wissenschaftlerin und Fachärztin für Ernährung an der LMU München

Tierärztin warnt vor Selbstindikation

Detox-Kräuter ins Hundefutter? Nicht bei gesunden Tieren, findet die Tierärztin.

Aflatoxine wirken genverändernd und krebsfördernd. Die niedergelassene Tierärztin Beatrice Milleder behandelt ganzheitlich, sie kann der Ernährungsmedizinerin nur zustimmen und warnt vor Selbstindikationen und Empfehlungen, die in Internetforen geschrieben werden. Besonderes unverständlich findet sie, dass manche Tiere behandelt werden, obwohl sie gesund sind. Ihrer Erfahrung nach können selbst auf den ersten Blick als harmlos beschriebene Präparate wie Heilerden auf die Dauer zu ernsten Problemen führen.

"Wenn man das zum Futter ganz normal dazugibt, dann stört das die Resorption anderer Inhaltsstoffe aus dem Futter. Das heißt, es kann passieren, dass der Hund zu wenig Vitamine aus dem Futter resorbiert und Probleme dadurch bekommt, dass er eine Unterversorgung hat."

Beatrice Milleder, Tierärztin

Bei gesunden Organen ist keine Entgiftung nötig

Auf der Verpackung mancher Kräutermischungen wird die Verabreichung besonders zur Entgiftung nach Narkosen und Operationen empfohlen. Das verunsichert so machen Tierbesitzer. Wenn es dem Hund nach der Narkose gut geht, würde Dr. Petra Kölle von einer Behandlung abraten. "Normalerweise scheidet der Körper die verstoffwechselten Restbestände des Medikaments aus", so die Ernährungsmedizinerin. Das heißt, bei gesunden Organen ist eine Entgiftung nicht notwendig. Die Mediziner sind dann strikt gegen eine Einnahme, denn Pflanzen und Kräuter gelten auch in der Schulmedizin als Medikamente. Beim gesunden Tier gilt: Nichts machen ist das Gesündeste.


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