Bayern 2


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Macht uns das Klima krank? Zusammenhang von Klimawandel und Gesundheit

Klimaschutz heißt auch Gesundheitsschutz, denn die Erderwärmung hat neben nachhaltigen Umweltveränderungen auch ganz handfeste Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Ärztin Sabine Gabrysch erklärt, welcher Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und unserer Gesundheit besteht.

Von: Uwe Pagels

Stand: 21.11.2019

Hochwasser | Bild: colourbox.de

Zum einen ist der Klimawandel für die Gesundheit global eine enorme Bedrohung, zum anderen ist er auch eine enorme Chance, denn, wenn wir umsetzen, was wir für den Klimawandel tun müssen, dann tun wir gleichzeitig etwas Gutes für die Gesundheit, sowohl langfristig als auch kurzfristig. Wenn wir zum Beispiel Kohlekraftwerke abschalten und unsere Städte fahrradfreundlicher und grüner gestalten, dann ist das gut für das Klima und gleichzeitig haben wir weniger Luftverschmutzung und mehr Bewegung.

Sind Krankheiten bekannt, die eine direkte Folge des Klimawandels sind?

Viele Gesundheitsprobleme werden durch den Klimawandel verschärft: Unterernährung in ärmeren Ländern, wenn Ernten nicht mehr sicher sind, oder Extremereignisse, die häufiger werden wie Hitze, Stürme, Überschwemmungen, die den Menschen direkt schädigen. Hitze ist auch in Deutschland ein Thema, wo Hitze bei Menschen mit Vorerkrankungen lebensbedrohlich sein kann. Außerdem breiten sich durch den Klimawandel auch Krankheitserreger in neuen Gebieten aus. Noch viel gravierender sind die sozialvermittelten Folgen, also Verteilungskonflikte bei Wasser- und Nahrungsmittelknappheit. Politische Krisen können dadurch verschärft werden, bis hin zu Kriegen. Gesundheitssysteme können versagen, Epidemien ausbrechen, Fluchtbewegungen entstehen – all das hat ja massive Gesundheitsfolgen.

Was versteht man unter "planetarer Gesundheit"?

Ein umfassendes und interdisziplinäres Gesundheitskonzept. Menschen brauchen zum Leben sauberes Wasser, gesunde Nahrung, saubere Luft, erträgliche Temperaturen. Als Menschen sind wir ein Teil der Natur auf diesem Planeten, und unsere Gesundheit hängt von den stabilen Bedingungen ab. Gerät das System aus dem Gleichgewicht, trifft es uns und unsere Lebensgrundlagen am Ende selbst. Wir sägen den planetaren Ast ab, auf dem wir sitzen. Dabei spielen multiple planetare Krisen eine Rolle. Den Klimawandel kann man dabei als Fieber betrachten, die Ozeane sind voller Plastikmüll, Tier- und Pflanzenarten sterben aus, wir verlieren Wälder und Böden. Das spielt alles zusammen. Unsere Gesundheit hängt davon ab, dass wir einen gesunden Planeten haben, das muss verstanden werden.

Schaffen Sie es, die Politik mit in die Verantwortung zu nehmen?

Auf die Politik ist immer Druck nötig, damit sie handelt. Auch massive Interessen stehen dem entgegen. Als Ärzte haben wir die Verantwortung, die Gesundheit zu schützen und müssen darauf hinweisen, dass es sich hier wie bei einem Gesundheitsnotfall um eine dramatische Situation handelt. Dass es wirklich dringend ist und Gesellschaft wie Politik dies verstehen, diese Botschaft ist noch nicht ganz angekommen. Deswegen sind die Jugendlichen auf der Straße mit den Klimastreiks. Die Wissenschaftler bestätigen, dass die Fakten stimmen und die Politik endlich handeln muss: Wir brauchen eine grundlegende Umgestaltung unserer Gesellschaft, und zwar in den nächsten zehn Jahren. Das ist nicht nur eine riesige Herausforderung, sondern auch eine riesige Chance. Jeder ist aufgerufen, dazu in seinem eigenen Leben seinen Beitrag zu leisten, aber muss auch Druck machen auf die Politik, denn wir müssen auch die großen Stellschrauben verändern.


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