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Was ist erlaubt? Der Beginn der "Gülle-Saison"

Gülle hat ein Imageproblem: Sie stinkt nicht nur, sondern kann auch das Grundwasser verunreinigen und die Umwelt belasten. Die EU hat deswegen Deutschland verklagt, weil sich zu viel gesundheitsschädliches Nitrat im Grundwasser findet. Jetzt – nach dem Frost – fahren die Bauern wieder Gülle auf die Felder. Dabei müssen sie mittlerweile deutlich strengere Auflagen erfüllen. Tobias Chmura erklärt die wichtigsten Gülle-Regeln.

Von: Tobias Chmura

Stand: 07.03.2018

Bauer bringt mit dem Traktor Gülle auf einer Wiese aus. | Bild: picture-alliance/dpa

Offiziell dürfen die Bauern schon seit dem 1. Februar wieder Gülle auf die Felder fahren. Da war die dreimonatige, generelle Sperrfrist zu Ende. Doch bei Schnee und Eis galt das Gülle-Verbot zuletzt noch weiterhin. Mit dem Tauwetter startet aber langsam die Gülle-Saison. Als erstes sind die Wiesen dran und Felder auf denen schon im Herbst Wintergetreide ausgesät wurde. Seit letztem Jahr müssen die Bauern dabei deutlich strengere und kompliziertere Regeln einhalten. Darüber schimpfen viele Bauern:

"So ein kleiner Wahnsinn ist das! Die Sorge ist, dass man nicht mehr weiß, ob es ganz richtig ist, weil die ganzen Verordnungen kann man nicht mehr auswendig wissen und ob man nicht schon wieder mit einem Bein irgendwas falsch macht!"

Landwirt Reinhard Herb aus dem Landkreis Aichach-Friedberg.

Längere Sperrfristen

Um zu verhindern, dass Nährstoffe ausgewaschen werden, sind die Sperrfristen insgesamt länger geworden. Denn wenn im Winter nichts wächst, braucht´s auch keinen Dünger. Außerdem müssen die Landwirte nun vor dem Güllefahren für jedes Feld berechnen, wie viel Dünger tatsächlich nötig ist. Das hängt zum Beispiel vom Boden und der Feldfrucht ab, die angebaut wird.

Strengere Regeln

Und: Beim Güllefahren entweichen klimaschädliches Lachgas und Ammoniak in die Luft. Deswegen muss die Gülle nun in vielen Fällen spätestens nach vier Stunden in den Boden eingearbeitet sein – zum Beispiel mit einem Grubber. Fünf Jahre hat es gedauert, bis sich die Politik auf strengere Regeln geeinigt hat. Am Ende war der Druck groß, weil vielerorts die Nitrat-Grenzwerte im Grundwasser überschritten werden. In Bayern ist die Situation unterschiedlich:

"Wir haben Gebiete, in denen die Nitrat-Gehalte sinken aufgrund der ganzen Vorschriften und wir haben Gebiete, wo die Nitrat-Gehalte auch steigen. Das sind hauptsächlich Gebiete in denen eine intensive Tierhaltung und eine ausgedehnte Biogas-Szene zusammentreffen."

Matthias Wendland, Landesanstalt für Landwirtschaft

Grundwasser zu stark mit Nitrat belastet

Laut Umweltministerium ist in Bayern auf einem Drittel der Fläche das Grundwasser zu stark mit Nitrat belastet. Damit die neuen Regeln auch wirken, kontrollieren die Behörden nun bis zu 1000 Höfe pro Jahr. Dazu kommen generelle Betriebsprüfungen. Die gibt es schon länger und die treffen jedes Jahr ein Prozent der Landwirte. Bei rund jeder zehnten Kontrolle werden Fehler der Bauern aufgedeckt. Verstöße können ein Versehen sein, werden aber auch mutwillig begangen. Nach dem Winter ist bei vielen das Gülle-Lager randvoll. Da ist die Versuchung groß, zum Beispiel schon vor Ende der Sperrfrist Gülle zu fahren.

Jedes Jahr 190 Millionen Tonnen Gülle

Den Bauern droht jedoch eine drei- bis vierstellige Geldstrafe. Auch ist es möglich, dass der Landwirt einen Teil der EU-Agrarsubventionen zurückzahlen muss. Zu viel Gülle ist ein generelles Problem der Landwirtschaft in Deutschland. Insgesamt kommen laut Umweltbundesamt jedes Jahr 190 Millionen Tonnen zusammen.

Futtermittelimporte sorgen für Gülle-Überschuss

Eine Haupt-Ursache für den Gülle-Überschuss: Futtermittelimporte aus Übersee. Jedes Jahr importiert Deutschland Millionen Tonnen Soja, vor allem aus Südamerika. Dieser Import ist auch ein Nährstoff-Import. Die entstehende Gülle wird aber nicht zurück nach Südamerika geschickt, sondern bei uns auf die Äcker verteilt.

Echtes Imageproblem

So hat die Gülle ein echtes Imageproblem bekommen. Dabei ist das, was bei den Tieren hinten raus kommt eigentlich sehr wertvoll. Gülle liefert den Pflanzen Stickstoff, Phosphor, Kali und viele Spurenelemente.

"Diese Nährstoffe, hauptsächlich Stickstoff, ist zur Hälfte im Anwendungsjahr pflanzenverfügbar, kann von der Pflanze aufgenommen werden. Dafür brauche ich also kein Mineraldünger kaufen. Die andere Hälfte ist organisch gebunden, wird dann im Boden auch von den Mikroorganismen als Nahrung verwendet, die wir ja unbedingt fürs gesunde Bodenleben haben wollen und dient dem Humusaufbau!"

Matthias Wendland von der Landesanstalt für Landwirtschaft

Es gibt also kaum einen besseren Dünger für Wiesen und Felder als Gülle – nur zu viel darf es eben nicht sein!


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