Bayern 2


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"Der Bauer und sein Prinz" Prinz Charles, der Biolandwirt

Wenn Prinz Charles auf Reisen geht, dann besucht er gerne Biolandwirte. Er ist großer Unterstützer der ökologischen Landwirtschaft, besonders deutlich wurde das in der Doku "Der Bauer und sein Prinz" von 2014. Der Münchner Filmemacher Bertram Verhaag hat Prinz Charles auf dessen Hof getroffen.

Von: Kerstin Grundmann

Stand: 10.05.2019

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Der Bauer und sein Prinz TRAILER | Bild: DenkmalFilm (via YouTube)

Der Bauer und sein Prinz TRAILER

radioWelt: In den Medien wird Charles ja gern als verschrobener, etwas langweiliger Prinz dargestellt, der mit seinen Pflanzen spricht. Sie haben ihn über Jahre hautnah begleitet. Was für einen Charles haben Sie erlebt?

Bertram Verhaag: Genau das Gegenteil! Er versetzt sich wirklich in die Natur rein und beobachtet. Er versucht, das wieder zu heilen, was in den 60er Jahren kaputt gemacht wurde. Die Hecken wurden gerodet, damit man mit Maschinen arbeiten kann. Er hat jetzt mit viel Mühe inzwischen 16 Kilometer neue Hecken gebaut, wo sich Kleintiere niederlassen können.

radioWelt: Charles sagt diesen einen Satz in Ihrem Dokumentarfilm: "Ich wollte Dinge heilen." Woher kommt denn diese Passion des Prinzen, sich so sehr für den Ökolandbau stark zu machen?

Bertram Verhaag: Mir hat jemand erzählt, seine Großmutter wäre jemand gewesen, die ihn immer mit in den Garten genommen hat. Er hat, nachdem seine Großmutter gestorben ist, ihren großen Filzmantel übernommen, den er auch trägt, wenn er morgens raus geht. Er wohnt in einem kleinen Schlößchen, er hat direkt bei dem Schloß einen Hühnerstall und Rinder. Da geht er morgens hin und holt sich seine Eier und frühstückt.

radioWelt: Ein Prinz als Biobauer. Wie viel Widerstand gab es gegen diese neue Rolle, die da plötzlich ein Mitglied der Königsfamilie spielen wollte?

Bertram Verhaag: Er hat es zunächst nicht öffentlich gemacht, sondern er hat einfach angefangen. Es wurde dann mit der Zeit immer öffentlicher, und er ist ja bekannt dafür, dass er sich über diese Regeln des Königshauses hinwegsetzt, dass ein Mitglied des Königshauses sich eben nicht nach außen zu politischen oder zu aktuellen Themen äußern darf. Und das tut er natürlich mit Freude. Er hat auch europaweit für die Farm Preise bekommen, als es veröffentlicht wurde. Und er tut es einfach, es kann ihn niemand daran hindern. Wenn es darum geht, unseren Film, den er schätzt, in England in den Schulen zu verteilen - das kann er ihn nicht mehr alleine, sondern da braucht er den Hof dazu. Der Hof weigert sich. Leider.

radioWelt: Deshalb ist Ihr Film in Großbritannien verboten. Lässt sich das noch irgendwie ändern?

Bertram Verhaag: Sein Pressebüro war die ganze Zeit dabei und hat beobachtet, was wir gedreht haben. Und wenn er mal Gedanken geäußert hat, zum Beispiel man könnte Traktoren durch Pferde ersetzen, weil das viel Öl spart, dann sind die aufmerksam geworden und haben uns zugeflüstert: 'Auf gar keinen Fall. Das ist rückständig.' Da mussten wir uns danach richten. Aber wir durften alles drehen und Charles hat sich freimütig zu allen Fragen geäußert.

radioWelt: Aber welche Furcht hat das Presseamt?

Bertram Verhaag: Sie haben behauptet, sie hätten ihn nach den ganzen Affären um Diana und so weiter soweit wieder aufgebaut als Thronfolger, dass sie das jetzt nicht zerstören wollen.

radioWelt: Der Thronfolger darf sich nicht zu aktuellen Landwirtschaftsfragen äußern?

Bertram Verhaag: Ja, und vor allem auch nicht gegen einen sehr wichtigen Wirtschaftszweig in Großbritannien, gegen die Agrarindustrie.

radioWelt: Sie treffen Charles bei seinem Besuch in Bayern noch einmal. Ist das einfach nur ein Wiedersehen oder gibt es neue Filmprojekte, die sie mit ihm besprechen wollen?

Bertram Verhaag: Nein, schön wäre es. Wenn er eine Auslandsreise macht, dann besucht er bei jeder Reise einen Biohof. Er hat sich eben hier entschieden, das Gut Herrmannsdorf zu besuchen.


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